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PhilosophieAuf dieser Webseite geht es vor allem um meine Arbeit, also um akademische Philosophie. Deshalb werde ich hier zu erklären versuchen, was ich unter guter akademischer Philosophie verstehe. Dabei geht es mir nicht darum, anderen vorzuschreiben, wie sie Philosophie betreiben sollen, oder überhaupt nur anzudeuten, dass es keine anderen Wege gebe, gute Philosophie zu machen. Es geht mir um die Ansprüche, die ich selbst an meine Arbeit stelle. Gute Philosophie, wie ich sie machen will, ist etwas für Experten. Nicht jeder kann sich einfach hinsetzen und philosophieren, so wie nicht jeder ein Klavier stimmen, ein Schwein schlachten, oder ein Fahrrad reparieren kann. Zweitens ist Philosophie eine theoretische Disziplin. Philosophen stellen nichts her und leiten auch nicht zur Herstellung von etwas an. Sie beschäftigen sich mit bestimmten Fragen. Der Sinn der Philosophie ist es aber noch nicht einmal, Antworten auf diese Fragen zu geben, nach denen dann andere einfache handeln könnten. Die eigentliche Aufgabe von Philosophen ist das Fragen selbst. Einerseits geht es darum, Fragen richtig zu stellen, da viele Probleme dadurch entstehen, dass nach den flaschen Dingen gefragt wird. Andererseits lässt sich philosophisches Können am besten durch das Stellen von Fragen vermitteln. Was Philosophen für Nichtphilosophen tun können, ist also (1) die richtige Weise zu ermitteln, eine Frage zu stellen und (2) durch das Stellen von Fragen Wege zu möglichen Lösungen eines Problems aufzuzeigen. Zwar suchen Philosophen auch Antworten, wenn sie das tun, aber eigentlich nur, um auszuprobieren, wie das wäre, wenn man bestimmte Antworten gibt. Da gute Philosophie nicht in erster Linie Antworten geben will, geht es ihr nicht um die Konstruktion von Systemen oder Theorien. Wenn Philosophie in der Form von "-ismen" daherkommt (Naturalismus, Partikularismus, Realismus, ...), dann muss man immer fragen, was sich hinter diesen "-ismen" an Fragekomplexen und Denkwegen verbirgt. Um die geht es eigentlich. Natürlich kann man sich nicht im Stellen von Fragen üben, ohne Antworten zu erwägen und auch auf bestimmte Grundthesen zu vertrauen. Bestimmte Fragen ergeben sich erst, wenn man bestimmte Standpunkte bezieht. Und was es heißt, einen bestimmten Standpunkt zu beziehen, kann man erst dann wissen, wenn man ihn ernsthaft bezieht und gegen andere Standpunkte zu verteidigen versucht. Daher haben die "-ismen" eine wichtige Funktion. Aber das Aufstellen und Verteidigen solcher Systeme und Theorien halte ich jedenfalls nicht für das Kerngeschäft der Philosophen.
Es gibt philosophische Fragen. Grob gesagt sind das die
Fragen, die man nicht einfach dadurch beantworten kann, dass man
nachsieht, wie sich die Dinge verhalten. Die Frage, wieviel Gramm ein
bestimmtes Pfefferkorn wiegt, lässt sich einfach durch Nachsehen (also Nachwiegen) beantworten, und
es hängt nicht viel davon ab, wie man sie stellt. Philosophen haben es aber mit
Fragen zu tun, bei denen es darauf ankommt, wie man sie stellt, und
solche Fragen lassen sich typischerweise nicht einfach
durch Nachsehen beantworten. Das gilt für die klassischen
philosophischen Fragen. Noch etwas. Gute Philosophie basiert auf Kleinarbeit, sei es der genauen Analyse von Argumenten, der logischen Rekonstruktion von Zusammenhängen, oder der kenntnisreichen Interpretation von Texten. Große Ideen mögen faszinierend sein, und man sollte sich ab und an von ihnen leiten lassen. Sie müssen sich aber im, oft mühseligen, Detail bewähren. Die Kleinarbeit, die ich am liebsten tue, ist die Analyse von Begriffen in ihrem historischen Kontext. Das alles lässt vielleicht viele Fragen offen, aber so etwas lässt sich nicht vermeiden. Nun ein paar Worte zu dem, was ich im engeren Sinn mache. DescartesIch setze mich seit etwa zehn Jahren immer wieder mit Descartes auseinander. Descartes gilt oft als der Philosoph, der den Menschen in zwei Teile gespalten habe: eine Seele und einen Körper. Diese Zweiteilung spiegelt sich heute zum Beispiel in der Trennung zwischen Psychologie und Medizin wieder. Psychologen (jedenfalls Psychoanalytiker, Gesprächstherapeuten, etc.) reden mit den Menschen und interessieren sich für ihre Gedanken und Erinnerungen. Mediziner wirken auf den Körper ein, indem sie bestimmte Medikamente geben. Oft wird kritisiert, dass dieses Verfahren nicht "ganzheitlich" sei, dass also nicht auf das Ganze gesehen wird, sondern sich die verschiedenen Disziplinen nur mit Teilen des Menschen befassen. Das ist natürlich eine Kritik, die manch ein Psychologe und Mediziner zu Recht zurückweisen dürfte. Sie zeigt aber, dass wir in vielen Bereichen des Lebens zwischen dem Geist und dem Körper unterscheiden. Die Frage, die mich in meiner Magisterarbeit interessiert hat, war nun, ob Descartes den Menschen wirklich in eine psychologische und eine medizinische Häfte zerteilt hat. Ich komme zu der Auffassung, dass das, was Descartes über den menschlichen Geist schreibt, eigentlich gar nichts mit Psychologie zu tun hat. Also hat Descartes vielleicht Aspekte am Menschen unterschieden, aber nicht wirklich die menschliche Psyche von menschlichen Köper. Nun untercheidet Descartes tatsächlich klar zwischen Köprer und Geist. Um besser zu verstehen, worum es Descartes geht, wenn er vom menschlichen Geist spricht, habe ich mich dann in meiner Doktorarbeit mit der Art und Weise beschäftigt, in der er das lateinische Wort "conscientia" gebraucht. Dieses Wort ist wichtig, weil Descartes alles Geistige als etwas definiert, das so in uns ist, dass wir seiner "conscius" sind; und "conscius" ist das Adjektiv zu "conscientia." Normalerweise übersetzt man "conscientia" mit "Bewusstsein" und sagt dann: Descartes habe alles Geistige als solches definiert, das uns bewusst ist. Diese Übersetzung halte ich für irreführend. Denn natürlich führt sie zu der weiteren Frage, was denn das Bewusstsein sei; und die Antwort, die man Descartes gerne in den Mund legt, ist (ungefähr): dass uns etwas bewusst ist, bedeute, dass wir es unweigerlich vor uns sehen, wenn wir in unser Inneres blicken. Die Vorstellung, dass wir etwas in uns sehen, ist aber seltsam und oft kritisiert worden. Da man sie Descartes zuschreibt, ist auch Descartes oft für diese Vorstellung kritisiert worden.
Wenn ich mir um "conscientia" bei Descartes Gedanken mache, geht es
mir also allgemeiner um dass, was wir als Bewusstsein bezeichnen.
Wie gesagt hält man das Bewusstsein oft für ein Wissen, dass wir von dem haben,
was in unserem Geist geschieht. Ich glaube, dass Descartes etwas ganz
anderes meint, wenn er "conscientia" sagt (und dass wir auch etwas
anderes meinen sollten, wenn wir "Bewusstsein" sagen). Es geht mir natürlich nicht nur darum, Descartes anders zu lesen als andere. Ich stelle eine andere Art, Descartes zu lesen, nur deshalb zur Diskussion, weil ich meine, dass man dadurch viele Schwierigkeiten verstehen kann, die Informatiker, Neurologen, Psychologen und Philosophen heute mit dem sogenannten Bewusstsein haben. Man fragt oft, ob Computer Bewusstsein haben könnten, und wie sich das menschliche Bewusstsein zu dem menschlichen Körper verhält; etwa wo es sich im Gehirn befindet und dergleichen. Solche Fragen sind falsch gestellt oder wenigstens zu überdenken, wenn das Bewusstsein eine Art Denkgewissen ist. Zum Beispiel die Frage, wo im Gehirn das Bewusstsein lokalisiert sei. Bei Descartes hat das Bewusstsein mit der Wahrheit, der Verantwortung für und der Rechtfertigung von Gedanken zu tun. Natürlich spielt das Gehirn eine sehr wichtige Rolle bei solchen Dingen. Aber Finger spielen zum Beispiel eine wichtige Rolle beim Gitarrespielen, und daraus kann man auch nicht schließen, dass sich das Gitarrespiel in den Fingern ereignet. Es gibt daher keinen Grund, zu meinen, das Bewusstsein ereigne sich irgendwo im Gehirn; und also auch keinen Grund, zu fragen, wo genau es sich im Gehirn ereigne. Das ist keine Antwort auf die Frage, wo das Bewusstsein sei; es lässt diese Frage aber in einem neuen Licht erscheinen. So weit zu Descartes. Gegenwärtige ArbeitNatürlich habe ich mich nicht nur mit Descartes beschäftigt. Andere Autoren, mit denen ich mich immer wieder gerne auseinandersetze, sind Plato, Aristoteles, Augustinus, Abelard, Thomas von Aquin, Kant, Heidegger, Sellars und Anscombe. Momentan beschäftige ich mich vor allem mit dem Lebensbegriff und verwandten Themen: biologischen Funktionen, Organismen, Klassifikationen in der Biologie, und der Vorstellung von Zwecken in der Natur. Dazu lese ich vor allem Aristoteles und Kant. Da es sich um meine gegenwärtie Arbeit handelt, kann ich noch nicht so einfach sagen, was dabei herauskommt.
Von Aristoteles sagt man oft, dass er behauptet
habe, die Natur verfolge Zwecke, so wie Menschen Zwecke verfolgen. Das
halte ich nicht für richtig; und ich glaube, man kann einiges
über Lebewesen und Lebensphänomene lernen, wenn man
Aristoteles anders versteht. |
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