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Folgendes sind Notizen, die ich ca. 1998 in Vorbereitung einer
Prüfung verfasst habe. Die Prüfungsnote war nicht
optimal, und das kann auch daran liegen, dass meine Notizen
teilweise fehlerhaft oder unvollständig warten. Sie sind also
mit Vorsicht zu genießen. Derjenigen, die sie selbst mit den
relevanten Quellen abgleicht, könnte dennoch von ihnen
profitieren.
Kurze VorgeschichteSyllogistik und
Aussagenlogik In seiner ersten Analytik,
ii 2 (53b), diskutiert Aristoteles die
Folgerungsbeziehung, indem er über die Möglichkeiten der
Prämissen und Schlußsätze spricht, wahr oder falsch zu
sein. Die ist eine der wenigen Stellen, an denen Aristoteles seine
Syllogistik nicht in Bezug auf Dinge und deren Eigenschaften, sondern
auf Sätze und deren Wahrsein diskutiert. Wenn
falls A ist, notwendig B ist, so ist, falls B nicht ist, notwenidig A
nicht (53b12). Damit formuliert er das Gesetz der
Kontraposition, und auch ein Prinzip des Kettenschlusses kann man dort
finden (57b6). Solche aussagenlogische Prinzipien finden sich bei
Aristoteles aber nur zum Zwecke der Diskussion seiner
Syllogistik. Eigens aussagenlogische Probleme wurden
zunächst von Theophrast formuliert, indem er Prinzipien
entwickelte, wie Syllogismen mit zusammengesetzten Prämissen zu
behandeln seien, wenn also eine der Prämissen etwa die Form hat
'a ist ein F und a ist ein G' (Kneale+Kneale
p. 105f.). Die Stoiker konzentrieren ihr Interesse erstmals auf
aussagenlogische Regeln als solche. Whereas Aristotle
had used the conditional form of statement in presenting the
principles of the vatious moods of categorial sallogism, the Stoics
set out the skeleton arguments such as 'If the first, then the second;
but the first; therefore the second' (Kneale+Kneale
p. 159). Die Wiedergeburt der formalen
Semantik aus dem Geiste des Monotheismus Das Mittelalter ist
äußerlich in naheliegsndster Weise als eine Zeit des
kompromißlosen Monotheismus charakterisierbar. Während die
späte Antike keine Bedenken hatte, Götter von eroberten oder
assimilierten Völkern zur Schar der heimischen Götter
hinzuzufügen, sah sich die mittelalterliche Theologie gezwungen,
den Glauben zu vereinheitlichen. Die Einheit der christlichen
Gemeinde zu Zeiten ihrer Verfolgung (bis zur Herrschaft Konstantins im
4. Jh.) war geradezu erzwungen gewesen. Die Grenzen zwischen den
Christen und ihren Verfolgern waren relativ klar, und die Gemeinde
wurde weniger durch bestimmte Glaubensinhalte
zusammengehalten. For early christians, faith simply
was trust, that is trust in people that met people ... that met
Jesus(D. Moran, Vl. mediev. Phil., Dublin
1997/98) Freilich traten auch Differenzen auf, die die
Glaubensinhalte betrafen. So sah sich die christliche Lehre, wie wir
sie heute kennen, einer Unterwanderung durch gnostisches Gedankengut
ausgesetzt. Auch aus eurer Mitte werden Männer
aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen
(Apg 20,29). Siehe Paulus, 1 Kor. Aber zu einer
stimmigen schulmäßen Ausarbeitung der christlichen Lehre
mußte es deswegen noch nicht kommen, nicht einmal zu einer
genauen Schriftkenntnis: Der Glaube ist ist in der
Glaubensregel zusammengefaßt. Er umfaßt das Gesetzt, er
bringt Heil und Gehorsam gegenüber dem Gesetzt. Vertrautheit mit
der Schrift aber kommt aus Neugierde (Tertullian, Apologeticum
cap. 14, siehe Haendler). Nachdem die
Anfänge des Christentums eher durch eine Untergrundbewegung
getragen waren und von Endzeitstimmung gekennzeichnet, stand man mit
der politischen Akzeptanz des Christentums vor neuen, theoretischen
Problemen. Eine christliche Lehre mußte gefunden werden, die
sowohl einheitlich als auch von allen mitvollziehbar war. Dazu konnte
das Ideal nicht mehr nur der feste und halsbrecherische Glaube sein;
das Christentum hatte sich jetzt im Alltag und zugleich gegenüber
der gebildeten Schicht zu bewähren. Es konnte nicht mehr darum
gehen, auf die Festigkeit des Glaubens Einzelner zu vertrauen, denn
dazu war die Gemeinde zu groß
geworden. Verläßlichkeit mußte nun insbesondere durch
Standards bei der Bibelexegese erreicht werden, und dazu gab es eine
Menge von Widersprüchlichkeiten zu klären, die sich aus der
Zusammenstellung der Bibeltexte ergaben. Letzteres ist die große
Leistung der Kirchenväter wie Augustinus, Boethius
und Dionysios Areopagita. Die literarische Tradition, an die Augustinus und
Boethius dabei anknüpfen konnten, war die neuplatonische, in die
sowohl platonische als auch aristotelische Elemente eingegangen
waren. Allerdings blieben davon in auffallender Weise fast nur die
Anfangsschriften der aristotelische Logik übrig. Der einfache
Grund dafür ist wohl, daß es um die formal akzeptable
Darstellung einer inhaltlich schon mehr als bestimmten Lehre ging. Man
konnte also nicht einfach die Lehren der heidnischen Philosophie
übernehmen, wohl aber deren logisches Propädeutikum. Die
andere Gruppe von Quellen bildeten die Schriften von Plotin und
verwandten Neuplatonikern um Ammonius Sakkas, die von Augustinus und
insbesondere Dionysius rezipiert wurden. Die plotinische Lehre der
Emanation aus dem Einen erlaubte eine systematische Behandlung der
Kerngedanken des Monotheismus und der Schöpfungslehre.
Diesen beiden Quellengruppen entsprechend kann man durch das ganze
Mittelalter hindurch eine Spaltung zwischen der
sog. platonisch-augustinischen und der philosophisch-aristotelischen
Tradition bemerken. Von Platons Schriften war nur der Timaios durch
einigermaßen beredte Adaptionen
bekannt, dem man eine platonische Schöpfungslehre zu entnehmen
hoffte. Durch Augustinus war eine gewisse Ablehnung der
spätantkien Schulphilosophie, also auch der aristotelischen und
stoischen Logik vorgeprägt, daher fanden sich die Anhänger
dieser 'Richtung' eher an den theologischen Fakultäten (etwa
Bonaventura, Meister Eckhart). Die Philosopischen Fakultäten
waren dagegen mit der logischen Grundausbildung befaßt und
werteten dazu die logischen Schriften von Boethius und Aristoteles
aus, später auch die weiteren des Aristoteles und andere
Übersetzungen aus dem Arabischen (Albertus
Magnus, Thomas v. Aquin, Heinrich v. Gent,
Duns Scotus). Die (...)
Schriften des Marcianus Capella, Boethius, Cassiodorus und theilweise
auchdes Augustinus und Pseudo-Augustinus sind es, welche [anfangs]
für den Schulbetrieb der Logik das ausschließliche Material
darboten (Prantl II, p. 1). Die
bekannten Schriften des Boethius sind
dabei: - Ad Porph.
- Ad Aristotelis Categ.
- Ad Arist. De
Interpretatione editio I et II
- Ad Cic. Top.
- Introductio ad
Categoricis Syllogismis
- De Syllogismis Categoricis
- De
Syllogismis Hypotheticis
- De Divisione
- De
diff. Top.
Einige Schriften des Aristoteles, aber auch stoische
Logik (Ciceros Topik) sind also durch ihre Kommentare durch Boethius
zugänglich. Siehe Kneale+Kneale p. 198,
226; Flasch, Einführung,
p. 62ff. Ansätze zu einer Sammlung klassischer Texte wurden
im 8. Jh. in England gemacht (Winfried Bonifazius); Ende des Jh.gelangt das Wissen mit
Alcuin aus York ins Frankreich Karls des Großen (Flasch,
Denken p. 151). Verdienst der damit eingeleiteten karolingischen
Reform 'war es, Impulse und Einrichtungen, die es bisher nur regional
gab, z.B. in York, fürdas ganze Reich zu organisieren' (Flasch
p. 155). Bekanntlich gliedert sich die Grundausbildung an den
neu geschaffenen Universitäten in die septem artes
liberales Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Trivium) und
Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (Quadrivium). Der Ursprung
dieses Programms findet sich in der Spätantike und bei
Augustinus. Von Osten her hatte sich seit dem Tode Mohammads die
islamische Religion ausgebreitet, die von
vornherein als eine Staatsreligion und stringenter ausgebildet
war. Viele der irrationalen Glaubensinhalte wie Trinität und
jungfräuliche Geburt hatte Mohammad selbst bereits abgelehnt, so
daß man den Islam als die im Ursprunge 'logischere'
monotheistische Religion ansehen kann. Viel deutlicher steht hier von
Anfang an die Berufung auf ein einziges Buch im Vordergrund, nebst der
Geschichtensammlung über Mohammad (der Hadith). Der Inhalt des
Korans konnte leichter als der der anderen heiligen Bücher
für unfehlbar gelten, da er aus einer Feder stammte, und speziell
um Koran und Hadith bildete sich bald eine Schriftgelehrsamkeit
heraus, die die bis heute gültige Grammatik des Hocharabischen
hervorbrachte und die, im Fall der sich ständig vermehrenden Hadithen, bald eine kritische Quellenbewertung
entwichelte. Allerdings hatte es auch in der 'Gemeinschaft des Buches'
(Ahl al-Kitab) frühe Spaltungen gegeben, etwa in Schi'iten und
Sunniten, Unterströmungen von Schi'iten und mehr oder weniger der
klassischen Philosophie zugeneigte Gruppierungen. Die griechische
Tradition war unter den Abbasiden seit der
Zeit des Kalifen Al-Ma'mun übersetzt und
adaptiert worden, wobei der Zweck solcher Anknüpfung weniger in
der Stützung der Glaubenslehre zu liegen brauchte, als vielmehr
einfach in der Erlangung weltlichen Wissens. So wie das römische
Reich die Religionen assimiliert hatte, begann der Islam mit der
Adaption der Kulturen und des Wissens seiner Kolonien. Die so
fortgeführte Tradition weltlicher Wissenschaft, die sich frelich
nie gegen den Islam verwendete, konnte insbesondere in den westlichen
Provinzen des arabischen Reiches ausbreiten, wo sie später
weniger der religiösen Kontrolle unterlagen. Hier konnten bis ins
zweite Jahrtausend hinein die Traditionen bewahrt bleiben, die im
Osten, im Umfeld von Al-Ghazalis
philosophiefeindlichen Schriften, bald in Verruf gerieten. Die beinahe
endgültige Katastrophe bricht über den Westen erst mit der
Reconquista und spanischen Inquisition herein, und man kann der Gruppe
Pariser Gelehrter um Albertus Magnus nur danken, daß sie sich
bereits des arabischen Erbes angenommen hatten. Siehe auch
Khalil I. Semaan (ed.), Islam and the med. West, p. 26: G. Makdisi, On
the origin of the College in Islam and the West, mit der These,
daß die Form des College in Paris und Oxford (im Gegensatz zur
Universität als Gelehrtengilde) islamischen Ursprungs
ist.) Zum Problembestand Ein typisches Lehrbuch der
Logik (etwa Alberts des Großen) beinhaltete folgende Texte, die
von Boethius bzw. Porphyrius, Cicero und Aristoteles übernommen
wurden: - Praedicabilia oder
Antepraedicamenta. Grundlage bietet die Isagoge des Porphyrius,
behandelt werden die sog. quinque voces oder universalia
- genus: was
mehreres, der Art nach verschiedenes nach seiner Wesenheit bezeichnet
(Porphyrius)
- species (gr. eidos): was mehreres der
Zahl nach verschiedenes bezeichnet (Porph.). Die zehn allgemeinsten
genera sind die Kategorien.
- differentia
(gr. diaphora), unterscheidbar in diff. per accidens
undper se
- proprium: was einer bestimmten Art allein
mitfolgt (Porph.), gemeint sind notwendige,aber nicht wesentliche (zur
Definition gehörende) Attribute.
- accidens: Attribute,
die weder wesentlich noch sonst notwendig, aber kontingent
sind.
Abelard fügt diesen
ein sechstes hinzu: individuum. - Pradicamenta. Hier wird die
Kategorienschrift des Aristoteles abgehandelt, d.h. nach einer kurzen
Diskussion von Homonymität, Syno- und Paronymität die zehn
Kategorien, von denen 'jedes ohne Verbindung gesprochene Wort',
d.i. Nomen oder Verbum außerhalb eines Satzes, einebezeichnet
(Aristoteles):
- substantia (gr. ousia),
unterscheidbar in erste uns zweite Substanz (Aristoteles)
-
quantitas (gr. poson)
- qualitas
(gr. poion)
- relatio (gr. pros ti,
woraufhin)
- ubi (gr. pou, wo)
- quando
(gr. pote, wann)
- situs (gr. keisthai, Lage
oder Haltung)
- habitus (gr. exein, Haben)
-
actio (gr. poiein)
- passio
(gr. pasxein)
Unter dem Titel Postpraedicamenta
wird außerdem behandelt, was auch bei Aristotelesnoch folgt: Die
Arten des Entgegengesetzten, die Relationen des Früher,
Später und Zugleich, schließlich die Bewegung und das
Haben. Arten des Gegensatzes sind insbesondereder relative,
konträre, privative und kontradiktorische (Categ. X). - De Sex
Principiis. Dieser Teil geht zurück auf eine gleichnamige
Schrift, die lange Zeit Gilbert de la
Porée zugeschrieben wurde. Er handelt von den Kategorien
5-10 und wurde insbesondere von Albertus Magnus in die Schullogik
mitaufgenommen.
- De Divisione (Boethius). Behandelt werden
die Einteilung gemäß
- genus/species
-
Ganzes/Teile
- Wort/Teilbedeutung
- verschiedene Akzidenzien an
einem Subjekt
- Peri
Hermeneias. Entspricht der Schrift De Interpretatione von
Aristoteles. Hier werdenAussagesätze nach ihren Teilen
analysiert. In Kapiteln 9 und 10 finden sich bei
Aristotelesgeschichtsträchtige Diskussionen der Modaladverbien möglich, notwendig
etc.Außerdem werden logische Beziehungen zwischen Sätzen
diskutiert, wie die der Äquivalenz, conversio,
oppositio. Hier findet sich auch das logische Quadrat.
-
Priora Analytica. In den der ersten Analytik des Aristoteles
entsprechenden Traktaten werden auch modale Syllogismen behandelt.
-
De Categoricis Syllogismis (Boethius)
- De Hypotheticis
Syllogismis (Boethius). Hier findet sich die stoische Logik
wieder.
- Posteriora Analytica. Wie in der aristotelischen
zweiten Analytik wird hier der Beweisbegriff(demonstratio)
diskutiert. Einen wichtigen Komentar dazu hat Grosseteste verfaßt.
- Topica
oder De Locis. Einflußreich sind hier die Topiken von
Aristoteles und Cicero. Diskutiert werden neben enthymema auch
die stoische consequentia und die eigentlich mittelalterliche
Lehre der obligationes, so daß es im allgemeinen um
angewandte Debattierkunst geht.
- Elenchi oder De Fallaciis. Vorbild
sind die Soph. Elench. des Aristoteles, es bildet sich aber darum
herum ein reicher Schatz von Fehlschlußtypen und
-beispielen. Dazu gehören (bei Ockham)
Fallaciae in
dictione: - Fallacia aequvocationis (semantische
Ambiguität)
- F. amphiboliae (syntaktische Ambiguität)
- F. compositionis et divisionis;
die Diskussion um Modalitäten de dicto/de re hat auch hier ihren Urprung.
-
F. accentus (gemeint ist Fehlerhafte Aussprache)
- F. figurae
dictionis: est deceptio proveniens ex apparentia simili unius
dictionis ad alias(Ockham, Tractatus Minor)
Fallaciae extra
dictionem: - Fallacia accidentis: Ein Schluß der Art A
ist ein C und B ist ein C, also ist A ein C.
- F. consequentis:
unter anderem der bekannte Modus Tollens-Fehler
- F. secundum quid
et simpliciter: etwa der Schluß von 'A ist ein toter Mann' auf
'A ist ein Mann' (den das Mittelalter nicht akzeptierte)
-
F. secundum ignorantiam elenchi (einen Widerspruch nicht oder
irrtümlich zu bemerken)
- F. petitionis principii
- 'Non
causa ut causa': geschieht, wenn eine reductio ad absurdum auf den
falschen Grund zurückgeführt wird.
- F. secundum plures
interrogationes (Fangfragen)
Dieser überkommene
Bestand wurde mit der Zeit durch spezifisch mittelalterliche
Traktateergänzt: - Syncategoremata. Authoren sind
etwa Wilhelm v. Shyreswood, Petrus Hispanus oder Grosseteste (siehe Boehner, Medieval Logic,
p. 7).Im allgemeinen werden gleichzeitig entsprechende Sophismata
behandelt.
- De Proprietatibus Terminorum oder Parva Logicalia. Diese umfassen die
Teiltrakte
- De suppositione
- De copulatione
- De relativis (Relativpronomina)
- De ampliatione et restrictione
- De appellatione
- De distributione
Mit Ausnahme von evtl. de
copulatione behandeln alle auf je verschiedene Weise die Semantik
vonBegriffen im Kontext ihrer Verwendung. Appellatio,
suppositio und Signifikat einesBegriffen können durchaus
verschiedene Dinge umfassen, distributio, ampliatio und
restrictio werden bzgl. Mengen von Denotaten relevant. -
De
Exponibilibus (Explikation komplexer logischer
Verknüpfungen).
- De Insolubiliis oder De
Impossibilibus (Antinomien und Paradoxien).
- De
Obligatione oder De arte exercitativa.
- De
Consequentiis.
- De Modis Significandi oder
Grammatica Speculativa.
Vereinheitlicht wurde der
Bestand schließlich mit der Einteilung (z.B. Ockhams) - De
Terminis
- De Propositionibus
- categoricis
- hypothteticis
- De Suppositione
- De Speciebus Argumentorum
- De
Locis et regulis consequentiam
- De
Fallaciis
Chronologie| 300-500 | Sephir
Jezira (Buch der Schöpfung). | | 354-430 | Augustinus; Zur Logik: De
Libero Arbitrio, De Magistro. | | 386 | Bekehrung
des Augustinus. | | 396 | Augustinus:
Confessiones. | | um 400 | Kompilationen antiken Wissens:
Martianus Capella: De nuptiis Philologiae et Mercurii
(enth. elementare Dialektik und Kategorienlehre) Calcidius:
Kommentar zum Timaios (insbesondere neuplatonische Ansätze)
Macrobius: Somnium Scipionis (Traumlehre, referiert auch d. Timaios,
Zahlenmystik, Tugendlehre). | | 400-414 | Augustinus: De Genesi ad
Litteram. | | 406 | lat. Bibelübersetzung
'Vulgata'. | | 413-426 | Augustinus: De Civitate
Dei. | | 430 | Tod Augustinus. | | 434-454 | Hunnenkönig
Attila. | | 476 | Absetzung des letzten
weström. Kaisers. | | 480-524 | Boethius, Angehöriger
der römischen Adellsschicht. Diverse Kommentare zur Logik. Gehört der
alexandrinischen Schultradition an. | | Schließung
der nestorianischen Schule von Edessa, die Lehrer ziehen nach Nisibis
(Persien). | | | 493-526 | Theoderich der
Große | | 6. Jh. | Persien: Rezeption
altpersischer und griechischer Philosophie und Naturwissenschaft,
vermittelt durch die Syrer (Nestorianische
Christen). | | ca. 500 | Dionysios Areopagita; Peri
twn theiwn onomatwn (zur Logik: II, IV-VIII,
X-XII). | | 520 | Regel des Benedikt von
Nursia. | | 522 | Boethius
wird Kanzler unter
Theoderich. | | 524 | Hinrichtung des Boethius, er schreibt in der Todeszelle seine
Consolatio Philosophiae. Cassiodor wird sein Amt
übernehmen. | | 529 | Justinian schließt
die Schule von Athen. 7 Gelehrte gehen von dort nach
Persien. | | 555 | Cassiodor, der sich 538 aus der
Politik zurückgezogen hatte, gründet das Kloster
Vivarium. Die Bibliothek führt Werke von Platon, Aristoteles,
Galen, Euklid u.a. | | 560-636 | Isidor v. Sevilla;
Etymologiae, Differentiae verborum et Differentiae rerum, Sententiae
(ca. 633). Opera Omnia bei
Migne. | | 7. Jh. | | | 612 | Kloster Bobbio in Oberitalien
gegründet. | | 622 | 'Hidjra', Anfang der islamischen
Zeitrechnung. | | 632 | Tod
Mohammad. | | 636 | Tod Isidor
v. Sevilla. | | 641 | Araber erobern
Persien. | | 8.
Jh. | | | 8./9.Jh. | 'irische
Aufklärung'; Book of Kelts,
Rundtürme | | 700-748 | Wasil ibn Ata,
Begründer der rationalistischen
Mu'tazila. | | 711 | Gibraltar (Gibr-al-Tarek) vom
arabischen Feldherrn Tarek
erobert. | | 717/18 | Araber belagern
Byzanz. | | 732 | Schlacht zwischen Tours und
Poitiers: Araber unterliegen gegen die Franken. | | 735-804 | Alcuin v. York (Flaccus
Albinus); De rhetorica et Virtutibus
(Rhetorik). | | ca. 740 | Gründung v. Fulda
durch Winfried
Bonifazius. | | 750-1258 | Kalifat der Abbasiden in Baghdad; griech. Klassiker
der Philosophie und Naturwissenschaft werden ins arabische
übersetzt: Aristoteles, Galen,
Euklid. | | 755 | &dagger Winfried
Bonifazius. | | 755-1031 | Kalifat v. Cordoba,
Spanien. | | 768-814 | Karl der
Große. | | 776-856 | Hrabanus Maurus 'Praeceptor Germaniae', Abt
von Fulda; De Rerum Naturis (ca 842), Kompilation in Anlehnung an Isidors
Etymologiae. | | ca. 800-877 | Johannes Scotus Eriugena; De Divisione
Naturae (Peri Physeon, 864-66). Einteilung in 4 Naturen:
(1) creat et non creatur, (2) creatur et creat, (3) creatur et non
creat, (4) nec creatur nec creat. | | 773/4 | Karl der Große erobert das
Langobardenreich. | | 774 | Gründung der
Hofschule Karls des Großen. | | 781 | Auf
einer Romreise begegnet Alcuin Karl dem
Großen. | | 782 | Alcuin folgt der Bitte Karls, nach Frankreich zu
kommen. | | 786-809 | Harun ar-Rashid Kalif von
Baghdad. | | 9.
Jh. | | | 800 | Kaiserkrönung Karls des Großen. | | um
800 | Sog. karolingische Reform unter Mitwirkung Alcuins, Reform in Bildungssystem und Schrift
(karolinische Minuskel), Libri
Carolini. | | ca. 800-873 | Al-Kindi, verarbeitet griechische, indische und
persische Quellen. Schriften über Metaphysik, den Intellekt, die
'fünf Wesenheiten' etc. | | 804 | Tod Alcuin. | | 813-833 | Al-Ma'mun Kalif von Baghdad, erhebt die Mu'tazila
'in den Rang einer Staatsideologie'
(Wöhler). | | 830 | Errichtung des 'Hauses der
Weisheit' in Baghdad, Übersetzung der Placita Philosophorum
(Vorsokratiker),der Metaphysik des Aristoteles, der Kommentare von Alexander von
Aphrodisias, Simplikios,
Porphyrios etc., einiger platonischer Dialoge und des
pseudoaristotelischen, aber neuplatonischen Liber de Causis (Theologie
des Aristoteles). | | 834 | Tod Fredegisus
v. Tours, Schüler Alcuins; Epistola de
Nihilo et Tenebris (ca. 800), über das Denotat des Wortes
'nichts'. Edition: Fridigiso di Tours e il 'De substantia nihil et
tenebrarum', ed. C. Gennaro, Padua
1963. | | 843 | Vertrag von Verdun: Teilung des
Reiches. | | 848 | Der sächsische Mönch
Gottschalk wird wegen seiner streng Augustinischen Gnadenlehre von
einer Synode in Mainz verurteilt, deren Vorsitz Hrabanus Maurus
hat. | | ca. 850 | Johannes Eriugena lehrt an der Hofschule Karls des
Kahlen. Er wird beauftragt, ein Gutachten über Gottschalk und
Augustins Gnadenlehre zu schreiben (De
Praedestinatione). | | 855 | Das Konzil von
Valence verurteilt Eriugenas De
Praedestinatione | | 856 | Tod Hrabanus
Maurus. | | 860-862 | Johannes Eriugena übersetzt Dionysius
Areapagita. | | ca. 867 | Johannes Eriugena: De Divisione
Naturae. | | ca. 873-950 | Al-Farabi, der 'zweite
Lehrer'. Verfaßte unter vielem anderen ein Buch über die
Einteilung und Definition der Wissenschaften, das eine Abh. der Logik
enthält. Gilt auch als Begründer des arabischen
Nominalismus. | | 877 | Tod Johannes Eriugena. | | 10.
Jh. | | | 910 | Gründung des
Klosters Cluny. | | ca. 940-1003 | Gerbert v. Reims (v. Aurillac), betrieb
Katalonien mathematische Studien und hatte wahrscheinlich Kontakt zu
Arabern. Er verfaßte eine Anleitung zum Gebrauch des Abacus und
soll als erster arabische Ziffern benutzt haben; De Rationale et
Ratione Uti (970), ed. Augsburg 1721. | | Mitte 9. -
Mitte 10. Jh. | Isaak Israeli, jüd. Arzt. Verf. Buch der
Definitionen, Buch der Elemente. Die Definition der Wahrheit als
adaequatio rei et intellectus schrieb das Mittelalter
irrtülich ihm zu. | | 953 | Johannes von Gorze
wird von Otto III nach Cordoba geschickt. Er bleibt dort bis 956 und
bringt Bücher mit. | | ca. 960-1029 | Fulbert, Schüler von Gerbert von Reims, Bischof und Gründer der
Schule von Chartres. | | 970 | Gründung der
Hochschule von Cordoba. | | 980-1037 | Avicenna (Ibn Sina); Danish Nama-i Ala'i
(Livre de Science: Logik), Kitab asch-Schifa (Physik), Kitab
al-isharat wa-t-tanbihat (Remarks and Admonitions: Physik, Metaphysik,
Mystik), Kanon (eines der wichtigsten medizinischen Kompendien aller
Zeiten). Prägt die Unterscheidung von Intentionen erster und zweier Ordnung in
der Logik. Die Logik aus seinem persischen Danish Nama-i Ala'i ist
teilweise unter dem Namen Al-Ghazalis
rezipiert worden. | | 983 | Gerbert von Reims übernimmt Abtei von
Bobbio. | | 998-1088 | Berengar v. Tours, Schüler v. Fulbert, Gründer der Kathedralschule
v. Tours; De sacra Coena, wiederentdeckt erst durch Lessing. Edition:
Corpus Christianorum, Continuatio Medievalis LXXXIV,
1988. | | 999-1003 | Papst Silvester II, alias Gerbert von
Reims. | | 11. Jh. | Einführeung der
Dreifelderwirtschaft, Verbesserung landwirtschaftlicher
Technik. Festschreibung des
Zölibats. | | 1003 | Tod Gerbert von
Reims | | 1004 | Tod Abbo von Fleury;
Questiones Grammaticales, Syllogismorum categoricem et
hypotheticorum enodatio (ed. A van den Vyver, Bruges
1966). | | ca. 1005-1089 | Lanfrancus, Gegner Berengars. | | 1007-1072 | Peter
Damian, Gegner der Dialektik; De Divina
Omnipotentia. | | 1022 | Tod Notker
'der Stammler'; Aristoteleskommentare (teilw. in Althochdeutsch), De
Syllogismis. | | 1033-1109 | Anselm v. Canterbury; Monologion
(Soliloquium), Proslogion (ontol. Gottesbeweis), De Veritate, Dialogus
de Grammatico. Letzterer stellt die Frage, ob
grammaticus eine Substanz oder eine Qualität
bezeichne. Dabei verwendet Anselm eine Unterschiedung zwischen
signifikativem und appelativem Gebrauch. Bahnbrechend ist Anselm auch
durch die gewollt logische Form seiner
Argumentation. | | 1050-1125 | Roscellin v. Compiègne,
Mitbegründer des scholastischen Nominalismus ('flatus
vocis'). Prantl verweist auf einen Brief
Roscellins an Abaelard, (München Cod. lat. 4643), den Schmeller
veroeffentlicht habe (in
Abhdl. d. philos.-philol. Cl. d. k. bayr. Akad. d. Wiss. V, 3,
p. 189ff). | | 1029 | Tod Fulbert. | | 1050 | Avicebron
(Ibn Gabirol); Fons
Vitae. | | 1054 | Endgültiger Bruch
zwischen römischer und griechischer
Kirche. | | 1058-1111 | Al-Ghazali (Algazel); Widerspruch der
Philosophie (Tahafut
al-falasifah). | | 1059 | Laterankonzil verbietet
Laieninvestitur. | | 1059, 1079 | Berengar verurteilt (Eucharistiestreit). | | 1070-1142
(?) | Adelard v. Bath, unternimmt
von Spanien aus Reisen nach Italien, Sizilien und in den vorderen
Orient; De Eodem et Diverso, Quaestoines
Naturales. Übersetzt Euklids Elemente und Schriften von
Al-Kwarithmi (Algorithmus) aus dem arabischen (ca. 1115). Editionen:
Des Adelard v. Bath Traktat De Eodem et Diverso, Beiträge IV, 1,
ed. H. Willner; Quaestiones Naturales, Beiträge XXXI,
ed. Willner. | | 1070-1121 | Wilhelm
v. Champeaux, Schüler von Manegold v. Lauterbach, Anselm und Roscellin. Lehrer von Abaelard, Freund von
Berhard v. Clairveaux. Quellen in De Rijks Logica Modernorum II, Assen
1967. | | 1075 | Papst Gregor VII droht mit
Absetzung und Bann des Königs
(Investiturstreit) | | 1276 | Die Reichssynode von
Worms spricht die Absetzung von Papst Gregor VII
aus. | | 1076-1142 | Peter
Abelard 'Peripateticus Palatinus', bekannt auch durch die
'Leidensgeschichte' der Affäre mit seiner Schülerin
Heloise. Dialectica, Sic et Non, Ethica seu Scito Teipsum, Glossae
'Logica Nostrorum' und 'Logica Ingredientibus'. Gilt auch als
Begründer der scholastischen Methode, entgegengesetzte Meinungen
zu finden und zu versöhnen (Sic et Non). Zu seinen Schülern
gehören John v. Salisbury, Arnold
v. Brescia, Otto von Freising und (indirekt) Wilh. v. Shyreswood. Editionen: Dialectica, ed. L. M. De
Rijk, für die Glossen siehe Minio-Paluello, 12th Century Logic,
Texts and Studies, Rom
1958. | | 1077 | Seldschunken, um 1000 islamisiert
und seit 1039 dominant in Baghdad, erobern
Jerusalem. | | 1077 | Heinrich der IV geht nach
Canossa, um dort die Absolution zu erlangen
(Investiturstreit) | | ca. 1080-1154 | Gilbert v. Poirée (v. Chartres oder
Porreta); Boethius-Kommentare. | | 1085 | Domesday
Book (England) | | 1085 | Fall Toledos
(Reconquista). | | 1088 | Tod Berengar. | | 1090-1153 | Bernhard
von Clairvaux (Zisterzienser), Gegner von Abaelard und Gilbert
v. Poitiers. | | 1095-1164 | Petrus Lombardus, Verfasser der weithin
kommentierten Sententiarum libri quattuor. Bich I: Trinität,
II: creatio, III: Inkarnation, IV:
signa. | | 1096-1291 | Erster
Kreuzzug. | | 1098 | Zisterzienser
gegründet. | | 1099 | Jerusalem
zurückerobert. | | 12. Jh. | Ausweitung
überregionalen Verkehrs, Entwicklung der
Geldwirtschaft. Entstehung von
Universitäten. | | 1109 | Tod Anselm
v. Canterbury. | | 1112/4 | Abaelard beginnt mit der Kommentierung des
Organon. | | 1116 | Adelard v. Bath: De Eodem et
Diverso. | | 1117 | Tod Anselm von Laon,
Schüer des Anselm v. Canterbury, Lehrer von
Wilh. v. Champeaux und Abaelard. | | 1118-1180 | Johannes v. Salibury; Metalogicon,
Policraticus. Gibt erstmals eine Übersicht über die
sog. logica nova: erste und zweite Analytik, Soph. Elench.,
Topik. Die Werke waren allerdings Thierry v. Chartres bereits bekannt
gewesen. | | 1121 | Tod
Wilh. v. Champeaux. | | 1122 | Wormser Konkordat:
Der König verzichtet endgültig auf die
Investitur. | | 1125 | Tod Roscellin. | | ca.
1125 | Wilh. v. Conches: Philosophia
Mundi. | | 1125-1151 | Joscellin (Gauslenius)
Bischof von Soisson, wird im Metalogicon als Vertreter der Lehre
erwähnt, universalia kämen durch collectio
zustande. | | 1126-1198 | Averroes 'der Kommentator' (Ibn Rushd),
Leibarzt am almohadischen Hof, Kadi in Sevilla und Cordoba. Verf. der
von Albertus Magnus und seinem Kreis
verarbeiteten Aristoteleskommentare und einer Gegenschrift zu
Al-Ghazalis Widerspruch der Philosophie (Tahafut
at-tahafut). | | 1135-1204 | Moses ben Maimon (Maimonides), Verf. des
Führers der Unschlüssigen und eines Traktats zur Logik
(Millot ha-higgayon). | | 1140 | Die Synode von
Sens verurteilt Abelard, dieser geht nach
Cluny. | | ca. 1140 | Koranübersetzung in
Cluny. | | ca. 1144 | Wilh. von Conches:
Dragmaticon. | | 1142 | Tod Abaelard. | | 1142 | Tod Adelard
v. Bath. | | 1147 | Bernhard von Clairvaux ruft zum
zweiten Kruezzug auf, der jedoch 1149 mit einer schweren Niederlage
endet. | | 1151 | Tod Thierry
v. Chartres. | | 1152-1190 | Friedrich I
'Barbarossa'. | | 1153 | Tod Bernhard
v. Clairvaux. | | 1154 | Tod Gilbert
v. Poirée. | | 1154-1180 | Ars
Meliduna (Logik). Enthält Abhandlungen über -
Termini (universalia, Kategorien, singularia),
-
Propositionen (kategorische, hypothetisch konjunktive und disjuktive,
implizite (?))
- essentia,
enuntiabilia.
| | ca. 1159 | Tod
Adam v. Petit-Pont (Parvipontanus oder v. Balsham); Ars
Disserendi (1132). Editionen: Minio-Paluello, Twelfth Century
Logic, Texts and Studies I, Roma 1956; L. M. De Rijk, Logica
Modernorum I, Assen 1962. | | 1164 | Tod
Lombardus. | | 1168-1253 | Robert Grosseteste (Capito); De Luce
seu De Inchoatione Formarum, Hexaemeron, Comm. in
Post. Anal. libros.Grosseteste kennt offenbar die Kommentare des
Themistius und verwendet in seiner Logik häufig Beispiele aus der
Geometrie. Außerdem bedient er sich dem arabischen
Nachgebildeter Worte wie 'quidditas', facultates, dignitates. Seine
Ideenlehre weist einen deutlichen Bezug zu der Augustins auf. Er
übersetzte unter anderem die Dialektik von
Damascenus. | | 1180 | Tod Johannes v. Salisbury als Bischof von
Chartres. | | ca. 1180 | Fallaciae
Parvipontani, Adaption der Soph. Elench. Wegbereitend fü die
Suppositionslehre durch die Bestimmung der univocatio als
'Wechsel des Gegenstands bei gleichem Signifikat'. Edition: L. M. De
Rijk, Logica Modernorum I, Assen
1962. | | 1189 | Dritter Kreuzzug, ausgelöst
durch das Vordringen
Saladins. | | 1192 | Waffenstillstand mit
Saladin. | | 1193-1280 | Albertus Magnus der Große (oder von
Köln) 'Doctor Universalis' (Dominikaner); diverse
Kommentare. Setzt sich fü unvoreingenommene Lektüre des
Aristoteles und Averroes ein, schreibt auch über Pflanzen- und
Tierkunde, Astronomie. | | 1195 | Averroes wird angeklagt, den Islam zu
zerstären und aus Cordoba
verbannt. | | 1198 | &dagger Averroes. | | 1200 | Logica
cum sit Nostra, als Lehrbuch in Oxford während des 13. und
14. Jh. in Gebrauch, adaptiert auch von Shyreswood und
Burleigh. Enth. Traktate De Proprietatibus Terminorum. Edition:
L. M. De Rijk, Logica Modernorum II, Assen
1967. | |
| 13. Jh. | Zahlreiche
Stadtgründungen. Institutionalisierung der Universität. Das
Geamtwerk des Aristoteles ist übersetzt, die Logik erhält
eine Sonderstellung gegenüber den anderen
trivia. | | 1205-1277 | Petrus Hispanus
(Juliani) Portugalensis: geb. in Lissabon, Studium in Paris 1220,
Siena (Medizin) 1245. Papst Johannes XXI 8.9.1276 - 20.5. 1277
(mitunter auch XX oder XIX aufgrund eines Zählungsfehlers). Er
kam wahrsch. bei einem Deckeneinsturz in Viterbo ums Leben. Schriften:
Kommentar zu Ps. Dionys, Über die Seele. Leitet 1277 eine der
umfangreichsten Verurteilungen des Aristotelismus
ein. | | 1209 | Erste franziskanische
Gemeinschaft. | | 1210 | Johannes Eriugenas Werke werden
verboten. | | ca. 1210 | Erste Vorlesungen zu
Metaphysik und Naturwissenschaft in Paris, Verbot von aristotelischen
Schriften. | | ca. 1214-1292 | Roger Bacon (Franziskaner), Schüler von
Wilh. v. Shyreswood; De Multiplicatione Specierum, Summulae
Dialectices. | | 1215 | Das Laterankonzil
verbietet die Teilnahme von Klerikern an
Gottesurteilen. | | 1215 | Weiteres Verbot von
Aristotelischen Schriften. | | 1215 | Magna Charta
libertatum (England). | | 1217 | Dschingis Khan
fällt in Iran und Turkestan ein, Samarkand wird
geplündert. | | 1223 | Bestätigung der
Franziskaner | | 1224 | Gründung der
königlichen Universität von Neapel. | | vor
1225 | Petrus Hispanus (2),
span. Dominikaner und Author der Syncategoreumata, schreibt seinen
Tractatus (=Summulae Logicales). Wahrscheinlich Schüler von
Lambert v. Auxerre und Wilhelm v. Shyreswood. Editionen der Summulae
vonBochenski, De Rijk, der Syncategoremata von De
Rijk. | | 1225-1274 | Thomas
v. Aquin (Dominikaner), Schüler
Alberts. Vermutl. Verf. eines Tarktats De Modalibus. Hauptwerk Summa
Theologiae (1273), umfangreiche
Aristoteleskommentare. | | ab 1230 | Bekanntwerden
der Schriften des Averroes im lateinischen
Westen. | | 1231 | Der Papst garantiert die
korporative Autonomie der Pariser
Universität. | | 1231 | Weiteres Verbot der
nueuen Aristotelischen
Schriften. | | 1231 | Alexander v. Hales, Magister
in Paris, tritt in den Franziskanerorden ein, damit ist erstmals ein
Franziskaner auf dem
Lehrstuhl. | | 1232/33 | Inquisition den
Dominikanern
übertragen. | | 1234 | Kodifizierung des
Corpus juris canonici. | | 1234-1315 | Raimundus
Lullus | | 1236 | Fall
Cordobas. | | 40er Jahre | Bacon kommentiert das
Organon. | | 1248 | Sevilla
zurückerobert. | | Mitte 13. Jh. | Lambert
v. Auxerre | | 1252 | Erste Goldwährung in
Florenz | | 1253 | Tod Grosseteste (Bischof von
Lincoln). | | 1254-1517 | Herrschaft der Mameluken
in Ägypten | | 1255 | Die 1210 und 1231
verbotenen Texte des Aristoteles werden öffentlich in das
Lehrprogramm der Pariser Universität
aufgenommen. | | 1266 | Roger Bacon: Opus Maius (für Papst Clemes
IV). | | 1266-1273 | Thomas:
Summa Theologiae. | | 1266-1308 | Johannes Duns Scotus 'Doctor Subtilis'
(Franziskaner). | | 1269-1272 | Thomas kommentiert
die Posterior Analytica | | 1270 | Tod Wilh. Shyreswood; Introductiones in
Logicam, De Obligatione. Hier tauchen erstmals die Merkworte
Barbara, Darii etc. (vollständig) auf; Ansätze lassen sich
schon früher finden (Bochenski). Die Isagoge wird nicht mehr
adaptiert. | | 1270-1271 | Thomas kommentiert De
Interpretatione | |
| 1270-1280 | Boethius
v. Dacien an der Pariser Artistenfakultät, kommentiert die
Topik. | | 1274 | Tod Thomas. | | ca. 1275-1344 | Walter Burleigh, Gegner Ockhams; De
Puritate Artis Logicae. | | 1276 | Erste
Papiermühle Europas in Fabriano,
Italien. | | 1276 | Siger von Brabant muß
wegen Häresievorwürfen Paris
verlassen. | | 1277 | Verurteilung von Schriften
des Thomas durch Robert Kilwardby, Erzbischof
von Canterbury. | | 1277 | Der Bischof von Paris
verurteilt 219 Thesen. | | 1277-1289 | Nach dem Tod
von Clemens IV ist Bacon ohne Schutz, er verbringt 12 Jahre im
Kerker. | | 1279 | Tod Robert
Kilwardby. | | 1280 | Tod Albert. | | seit 1280 | Die
Gelehrten an der Artistenfakultät in Paris müssen einen Eid
leisten, keine theologischen Fragen zu
behandeln. | | ca. 1280-1348 | Wilhelm v. Ockham
(Franziskaner). | | ca. 1285 | Quaestiones Alberti
de modis Significandi (irrtümlich Albert dem Grßen zugeschrieben). Gehört
in das Umfeld der 'Grammatica Speculativa', arbeitet u. a. mit den
Begriffe terminus a quo/ad quem aus der
ar. Physik. | | 1295 | In England etabliert sich
das Parlament. | |
| vor 1300 | Tod Siger
v. Brabant, bekannt auch aus Dantes Paradiso X;
Impossibilia. | | 14.
Jh. | Rezession. | | 1300 | Tod Richard
v. Middleton | | 1300-1302 | Duns Scotus lehrt in
Oxford. | | ca. 1300 | Grammatica
Speculativa des Thomas v. Erfurt. Noch Heidegger hät sie
für ein Werk das Duns Scotus. I
Mittelpunkt steht die Rede von modi significandi, essendi,
intelligendi. | |
| ca. 1300-1360 | Buridan, Gegner Walter Burleighs, bekannt auch durch 'Buridans Esel'
(etwa bei Spinoza); Sophismata (ca. 1345), Summulae de dialectica,
diverse Kommentare und Quaestionen. Editionen: Perutile compendium
totius logicae Joannis Buridani ..., Venedig 1499; Sophismata,
ed. T. K. Scott, Stuttgart 1977; Consequentiae, ed. Hubien, Louvain
1976. | | 1302 | Bulle Unam Sanctam von
Bonifazius VIII. | | 1308 | Tod Duns Scotus. | | 1315 | Tod
Lullus. | | ca.
1316-1390 | Albert v. Sachsen; Perutilis Logica,
Sophismata. | | 1317-28 | Ockham:
Sentenzenkommentar. | | ca. 1320 | Tod Dietrich
v. Freiberg (Dominikaner); De origine Rerum Praedicamentalium,
De Intellectu et
Intelligibili. | | ca. 1323 | Ockham: Summa totius
Logicae. | | 1324 | Marsilius von Padua:
Defensor Pacis. | | ca. 1328 | Burleigh: De Puritate Artis Logicae Tractatus
Longior. | | 1328 | Al-Ghazalis Tahafut wird ins lateinische
Übersetzt. | | 1328 | Exkommunikation Ockhams wegen seiner Unterstützung einer
Appellation gegen die päpstliche Entscheidung im
Armutsstreit. | | 1330-1384 | John Wyclif,
'erster Ketzer Englands', sein Traktat De Universalibus wird 1410 in
Prag öffentl. verbrannt | | 1330 | Ockham geht nach
München. | | 1332 | Tod Durandus
v.
Pourcain | | 1339-1453 | Hundertjähriger
Krieg zwischen Frankreich und
England. | | 1344 | Tod Burleigh. | | 1348 | Gründung
der Universität Prag | | 1348 | Tod Ockham. | | 1348 | Große
Pest. | | 1349 | Tod Thomas
Bradwardine | | 1360 | Tod Buridan. | | 1384 | Tod
Wycliff. | | 1390 | Tod Albert
v.
Sachsen. | | 15. Jh. | | | 1409 | Gründung der Universität Leipzig, deutsche Professoren und Studenten aus Prag ziehen hierher. | | 1431 | Jeanne d'Arc wird verbrannt. | | 1433-1499 | Marsilio Ficino, Übersetzer v. Platon | | ca. 1450 | Erfindung des Buchdrucks | | 1453 | Byzanz fällt an das Osmanische Reich. | | 1459 | Gründung der platonischen Akademie durch Cosimo Medici in Florenz. | | 1483 | Geburt Luthers. | | 1492 | Entdeckung Amerikas |
(bei Avicenna) Allgemein akzeptierte Grundsätze sind stets: universale intelligitur, singulare sentitur (offenbar aus De Anima) res de re non praedicatur Üblich ist auch die Einteilung in universalia Prantl vermutet arabischen Ursprung (Al-Farabi, Avicenna, Prantl II p. 306, 349). Allerdings dürfte diese Einteilung derjenigen in idea (ante rem) und species intelligibilis bzw. eidola (post rem) nachgebildet sein, die sich in der Augustinischen Ideenlehre und der Metaphysik Z 8 findet (?). Vorgeschichte Entscheidend für die Problemgeschichte ist folgende Passage aus der Isagoge, cap. 1 ('prima quaestio'): Was (...) bei den Gattungen und Arten die Frage angeht, - ob sie etwas wirkliches sind, und ob sie, wenn wirklich,
- körperlich oder unkörperlich sind, endlich
- ob sie getrennt für sich oder in und an dem Sinnlichen auftreten,
so lehne ich es ab, hiervon zu reden. Boethius hatte dies (aus dem griech.) übersetzt: Mox de generibus et speciebus illud quidem, sive subsistant, sive in solis nudis intellectibus posita sint,... Er spitzt dabei die Frage auf diejenige zu, ob es ein Irrtum sei, von seienden universaliazu sprechen (Tweedale, Abailard on Universals) und gibt eine kurze Antwort. Das Problem, das sich stellt, gibt er auch wie folgt wieder: - totum genus in pluribus singulis uno tempore positum unum non esse possit
- unum quoddam genus esse non poterit, quo fit ut omnino nihil sit (Tweedale)
Er entgegnet im wesentlichen, daßuniversalia in körperlichen, sinnlichen Dingen vorlägen (subsist), aber selbst nicht körperlich seien, sondern in Gedanklen abtrennbar seien. Damit bezeichne ein genuseine Ähnlichkeit, die zwischen Einzeldingen herrsche (Kneale+Kneale).Letzteres scheint auch sein letztes Wort zur Frage zu sein: quidcirca cum et genera et species cogitatur, tunc ex singulis in quibus sunt eorum similitudocolligitur, quae similitudo cogitata animo veraciterque perspecta fit species. D.h. ein genus ist eine Sammlung von similitudines. genera et species subsistant quidam alio modo, intelliguntur vero alio modo (Tweedale). Verschiedene ParteienEinen Überblick über diverse Parteien zur Streitfrage gibt John v. Salisbury, Metalogicon ii. universalia und Differenzen Johannes Scotus Eriugena schließ mit seinem Beitrag zum Universalienstreit an die Emanationslehre des Pseudodionys an. Grob angedeutet: Aus dem Einen entwickelt sich durch Differenzierung die diesseitige Welt. Da aber Logik, und insbesondere der Gebrauch von universalia, es mit Unterscheidungen und similitudo zu tun haben, handelt sie nicht vom Wesen der Dinge (vor der Schöpfung). Die scotistische Schöpfungs- und Naturlehrewäre aber zum genauen Verständnis im Detail zu schildern. An die Vorstellung von der Unwirklichkeit jeder Differenz knüpft auch die Indifferenzlehre an (Prantl II p. 138f.). Universalia bestehen ihr gemäß gerade in dem Fehlen von Differenzen. Zwar scheint z. Bsp. Adelard von Bath ohne weiteres anzunehmen, Differenzen seien an sich gegeben, und nur der menschliche Intellekt erzeuge durch Auslassung Universalität (Prantl II p. 140). Aber hier herrscht folgendes komplizierteres Verhältnis: - ante rem, vor der Schöpfung oder in Gottes Intellekt, herrscht bzgl. der universalia reale Differenzlosigkeit,
- in re, in der Welt, ist jedes Ding individuell differenziert,
- post rem, im menschl. erkennenden Intellekt, können universalia nur durch Auslassung von Differenz erkannt werden.
Vertreter einer Indeifferenztheorie, deren 'characteristic is (...), in effect, to identifa particulars with the universal' (Marenbon p. 132) ist Adelard von Bath. Andere Ansichten, wie evtl. die von Joscellin v. Soissons, nehmen an, Differenzlosigkeit entstehe für den erkennenden Intellekt weniger durch Auslassung, als vielmehr Zusammenstellung (collectio).
Nominalismus Hrabanus formuliert etwas schärfer als Boethius: Nihil aliud est genus quam substantialis similitudo ex diversis speciebus in cogitatione collecta (Prantl) Die Formulierung, universalia seien nur flatus vocis, findet sich bei Anselm, der sie Roscellin zuschreibt ('qui nonnisi flatum vocis putant esse universales substantias', Prantl II p. 78). Folgende nominalistische Thesen scheinen argumentativ eng zusammenzuhängen: - Es gebe nur (sinnlich erfahrbare) individuelle Einzeldinge in der Welt,
- Relationen der Gleichheit und Verschiedenheit sind nicht (sinnlich) real.
- Termini, die nichts (sinnlich) reales bezeichnen, bezeichnen nichts (substanzielles), d.i. ihre Substanz selbst ist der bloße Lufthauch, den ihr Aussprechen erzeugt.
John v. Salisbury weist darauf hin, daß es entscheidend ist, von welchen 'nomina' die Rede ist beim Nominalismus. Man könne als Sitz der Universalität mit Roscellin die vox, aber auch mit Abaelard die sermo ansehen (Prantl II p. 81, Metalogicon II, 17). Platonisten Demgegenüber stehen im wesentlichen (neu)platonische Ansichten, nach denen universalia ebenso reale Dinge sind wie ideae. De Generibus et Speciebus Die von Cousin fälschlich Abelard zugeschriebene Schrift bringt folgende Argumente (Prantl II p. 143ff.): - Worte können, da sie in der Zeit entstehen und vergehen, nicht als Substanzen dienen.
Item voces nec genera sunt nec species nec universales nec singulares nec praedicatae nec subiectae, quia omnino non sunt; nam ex his, quae per successionem fiunt, nullum omnino totum constare, ipsi qui hanc sententiam tenent, nobiscum credunt. Diese etwas schlichte Auffassung, Worte könnten nicht Subjekt eines Prädikats sein, wird durch die Suppositionslehre berichtigt werden. - Kein Wort steht einem anderen Wort im Verhältnis von Stoff zu Form.
vox vocis nullo modo est altera alterius materia. Dies erinnert an den allgemein akzeptierten Satz 'res de re non praedicatur'. - Nimmt man an, der universale Gehalt müsse vollständig individualiter in re vorliegen, so kommt es zu logischen Problemen bzgl. transitorischer Gattungsmerkmale. Brisant wird das etwa bei rationalitas, die ja ein Vermögen ist, etwas zu tun oder zu lassen.
Die Lösung, auf die hiermit abgezielt wird, besteht in der Annahme von Individuen (modern gesprochen) qua token eines types. Ein type setzt sich nicht einfach aus Individuen zusammen, und ein token kann nur als instanziierter type als Angehöriges einer Gattung erkannt werden. Der unbekannte Verfasser fordert also dzu auf, in den Angehörigen einer species sogleich Instanzen eines types bzw. materialisierte Formen zu sehen. Ubi enim Socrates est, et homo universalis ibi est, secundum totam suam quantitatem informatis Socratitate; quidquid enim res universalis suscipit, tota sui quantitate retinet... (Prantl II p. 130). In diesem Sinne kann er sich auch gegen die Auffassung aussprechen, universalia würden durch das Denken den Dingen 'angefügt'. Ähnlich wie der Author von De Generibus et Speciebus scheint sich auch Wilhelm von Champeaux zu äßern in dem Sinne, daß Einzeldinge stets individualisiertes Allgemeines seien (Prantl II p. 129).Jolivet bemerkt, Wilhelm sei später zur Indifferenzlehre übergegangen (in der Encyclopédie Philosophique Universelle, Oeuvres I). Universeller Gebrauch Aristoteles (latinus) hatte das universale definiert als 'quod natum est de pluribus praedicari' (De Int.).Entsprechend äßert sich John v. Salisbury zwar zunächst wie folgt:Nihil autem universale est nisi quod in singularibus invenitur (Prantl II p. 249). Mit Bezug auf Aristoteles' Anal. post. I 22 bezeichnet er dann aber die universalia als Erdachtes (figmentum), das zum Zeigen verwendet werde: Ergo ex sententia Aristotelis genera et species non omnino quid sit, sed quale quid quodammodo concipiuntur et quasi quaedam sunt figmenta rationis se ipsam in rerum inquisitione et doctrina subtilius exercentis (...) Possunt et monstra dici, quoniam invicem res singulas monstrat et monstrantur ab eis (Prantl II p. 251). Einer solchen gemäßigteren Haltung entsprechen Theorien, laut denen Universalia einen Zustand oder eine 'Handhabung' von Einzeldingen bezeichnen (maneries- oder status-Lehre, Prantl II pp. 124, 137). Diese Tendenz drückt sich schließlich auch bei Abelard aus, indem er darlegt, universal sei der Gebrauch eines Wortes (sermo), nicht es selbst (vox) oder sein Denotat (Prantl II p. 174). Abaelard Zur Unterscheidng zwischen sermo und vox: Logica Nostrorum, Geyer 522. Das Wort als Sinn verdankt sich sich menschlicher Einrichtung (ex hominum institutione), und es ist etwas Eigenes, auch wenn es keine sinnvolle Rede gibt, die nicht auch physischer Laut wäre. (...) Auch die intramentale Seite des Sprechens untersuchte Abaelard genauer: hier wollte er unterschieden wissen zwischen der psychischen Bewegung des Erkenntnisaktes und dessen semantischem Gehalt (Flasch, Denken p. 217). Duns Scotus Die Spätscholastik ist in der Lage, auf einen reichen Fundus an Modellen, Argumenten, und Fachtermini zurückgreifen zu können. Exemplarisch ist etwa der Beitrag des Duns Scotus zum Universalienstreit. Zunaächst bestimmt Duns Scotus das Gebiet der Logik als 'weder die Dinge noch die Worte', wobei er letztere als sermones bezeichnet. Logica non est scientia realis nec sermocinalis, quia nec sermonem nec sermonis passiones considerat (...)medium inter rem et sermonem vel vocem est conceptus. (...) Ita potest aliqua scientia esse per se de conceptu, et haec est logica, unde per se habet dici scientia rationalis, ... (Qu. in Praedicam. 1). Bzgl. der Universalienfrgae setzt er wie folgt an: Universale est ens, quia sub ratione non entis nihil intelligitur, quia intelligibile movet intellectum (Qu. sup. Porph. 4) Also sind universalie wenigestens insoweit Dinge, als sie erkannt werden können. Die läßt sich aber differenzierter betrachten: [Universale] effective est ab intellectu, sed materlialiter sive originaliter sive occasionaliter est a proprietate in re, figmentum vero minime est (ibid.). Der hier vertretende Realismus muß also evtl. nur als die Ablehnung des radikalen Standpunktes gesehen werden, universalia seien bloße figmenta. Sie sind real, was ihre unmittelbare Herkunft (occasionaliter) und ihre Materie angeht. Was ist damit gesagt, sie seien effective ab intellectu? Intellectus facit universalitate in rebus (ibid. 9, Der Spruch stammt aus der arab. Literatur: Prantl III p. 207) Es ist zwar der Intellekt, der die Universalität in die Welt bringt, aber bringt sie eben in die Welt, und nirgendwohin sonst. Unter Verwendung der Unterscheidung zwischen intentio prima und secunda unterscheidet Duns Scotus wie folgt: - Quandoque enim sumitur [universale] pro subiecto, i.e. pro re primae intentionis, cui applicatur intentio universalis, et hoc modo universale est primum obiectum intellectus;
- quandoque sumitur pro forma, sc. pro re secundae intentionis causata ab intellectu et applicabili rebus primae intentionis, et sic loquitur logicus proprie de universali;
- tertio modo pro aggregato ex subjecto et forma, et illud est ens per accidens, quia aggregat diversas naturas, ex quibus non fit unum per se (Qu. sup Porph. 3),
Wobei die universalia qua Gegenstände der beiden intentiones jeweils folgende sind: - Universale accipitur aliquando pro intentione secunda, quae sequitur operationem primam intellectus, qua intelligitur quidditas absolute, (...) et isto modo est in intellectu tanquam aliquid factum per operationem intellectus (...).
- Aliquando autem universale accipitur pro re subiecta intentioni secundae [also pro intentione prima bzw. deren Gegenstand], i. e. pro quidditate rei absoluta, quae, quantum est de se, nec est universalis nec singularis, sed de se est indifferens; et tale est obiectum intellectus directum, non autem est in intellectu subiective, sed tantum obiective (Qu. De An. 17,14).
(Prantl III p. 208: subiective bedeute hier gerade wirklich, während obiective von obiicere als 'vorstellig gemacht' zu verstehen sei.) Die universalie ante rem scheinen somit der quidditas zu entsprechen, post rem der Denkform oder dem Objekt der secunda intentio. Von der quidditas eines Dinges, als dessen allgemeiner Form oder Idee ist die haecceitas oder entitas positiva abzugrenzen. Letztere macht ein Ding zu einem Individuum, die haecceitas will also eine Antwort auf die Frage nach dem principium individuationis geben. Thomas hatte hier noch die Materie herangezogen, Duns Scotus folgt dem Aristoteles der Metaphysik Zeta (tode ti einai), der dort freilich nicht genau nach dem principium individuationis gesucht hatte. So wie die quidditas dem universale ante rem entspricht, scheint die haeccitas dem individuale ante rem bzw. in re zu ensprechen.Wie die universalia realiter in re oder in suppositis (Qu. sup. Porph 11) seien, wird anhand der species-Theorie entwickelt (siehe dazu neben Bacon auch De Anima III 7, 431a14, sth Ia 86,1 und De Unitate Intellectu). Diese species können gleichermaßen im Ding wie auch im Medium der Sinneswahrnehmung sein (Qu. de rer. princ. 14, Prantl III p. 210). Damit (in reichlich schlichter Weise) kann behauptet werden, universalia post rem seien erworbene Formen der Dinge: Omnes virtutes sensitivae ordinatae sunt ad intellectum; prius enim apprehenditur species a sensibus exterioribus, et postea a sensu communi, tertio a phantasia, quarto ab intellectu, et ita intellectus in cognoscendo aliquo modo dependet a potetiis sensitivis (...), et loquor de intellectu, secundum quod congnoscitur per species acquisitas (Qu. sup An. Post. I, 46). Die Aufgabe der species scheint es hierzu sein, das Singuläre mit dem Allegemeinen zu verbinden: Sie können zwar mit den Sinnen erfßt werden (singulare sentitur), aber enthalten ihre allgemeine Bestimmung, indem sie Formen der Dinge sind. intellectus agens facit universalitatem in rebus per hoc, quod denudat ipsum quod quid est in phantasmate existens (Sent. II d. 3, q. 1). Im allgemeinen beschreibt Duns Scotus die Funktion der species so: Species intelligibilis requiritur in intellectu propter duo.- Unum est, si res intellecta sit corporalis, quia species sensus (...) propter suam materialitatem et impropoertionem non possent movere intellectum; et ideo est necesse, ut fiat ab eo abstractio seu, ut melius dicam, multiplicatio speciei intellibilis virtute luminis intellectus agentis. (...)
- Secundo reqiritur species propter obiecti absentiam (...) (Qu. de rer. princ. 14,3).
Erste Aufgabe ist also die Ermöglichung der Erfassung singulärer, körperlicher Dinge durch den Intellekt, indem nämlich nicht die Dinge selbst, sondern deren species intellibiles erfßt werden. Zweitens können species Gegenstände repräsentieren, die gerade abwesend sind oder noch zukünftig sind. Neben universalia und ideae ante rem kann es offenbar auch species ante rem geben. Aus ähnlichen Motiven galten wohl auch Avicenna die species, und erst sekundär die Dinge selbst, als Gegenstand der Sprache. Denn Sprache kann benennen, was noch nicht ist. Vgl. hierzu Avicennae perhypatetici ... opera in lucem redacta, Venedig 1508, Logik (f. 3 r. B): Dort grenzt Avicenna den Gegenstandsbereich der Physik von dem der Logik ab, letztere habe es mit 'res (...), secundum quod sunt in intellectu' zu tun (Prantl II p. 323).Duns Scotus präzisiert: Species intelligibilis immediate significatur per vocem, sed illa dupliciter consideratur:- aut inquantum est quid accidens [Prantl III p. 214: excitans] sc. informans animam,
- aut inquantum repraesentat rem.
[1] Primo modo non significatur per vocem (...) sed [2] secundo modo; cum enim omne signum, inquantum signum, sit signum signati, sequitur, quod vox significans similitudinem, inquantum signum rei, significat psam rem, sed mediatae, quia sc. immediate significat id, quod est signum ei, inquantum et signum (...) (Qu. sup. Periherm. I 2) Unmittelbarer Gegenstand der Wortbezeichnung sind die passiones animae (i.e. conceptus intellectus), nicht die quidditas der Dinge selbst (Prantl III p. 214; Op. II sup. Periherm 1). (...) (...) zwischen Abelard, Lombardus und Bernhard v. Clairvaux. Siehe Flasch, Denken.Roscellin soll die Auffassung vertreten haben, die Trinität bestehe in drei Individuen (Prantl II, p. 79, Anselm, De f. Trin., Epist. II, 41 (?)): quia Roscellinus clericus dicit, in doe tres personas esse tres ab invicem separatas, sicut sunt tres angeli, ita tamen ut una sit voluntas et potestas, aut patrem et spiritum sanctum esse incarnatum, et tres deaos vere posse dici, si usus admitteret.
siehe Ibn Gabirol (Avencebrol), Fons Vitae: Materie ist bloß principium individuationis (was immer das je sei) (Flasch, Denken p. 293). (...) Siehe auch Soph. Elench., 165a3-13. Zur Vorgeschichte Kneale und Kneale verweisen auf ein Vorbild für den Suppositionsbegriff aus der Grammatik: In the passages of Priscian to which we have referred suppositum might also be translated by 'subject', and there can be no doubt that the word came to have this sense in medieval writings on grammar, where it is commonly contrasted with appositum, or predicate (Development of Logic, p. 251). Boehner nennt Abaelard und Anselm als Vorläufer: In the middle of the 13th century we already encounter tracts on supposition, although this doctrine was known at a much earlier date. Its origins are as yet shrouded in darkness, but we certainly have grounds for assigning an important part in its devolpment to Abelard and the older grammarians, and, most probably, to St. Anselm (Medieval Logic, p. 27) Boehner verweist hier auf Joseph P. Mullaly, The Summulae Logicales of Peter of Spain, Publications in Medieval Studies 8, Notre-Dame 1945.
Im Dialogus de Grammatico behandelt Anselm die Frage, ob das Wort 'grammaticus' eine Substanz oder eine Qualität bezeichne. Dabei diskutiert er den kategorialen Unterschied zwischen den beiden Eignschaften, homo zu sein, und grammaticus: M. Dic ergo: homo est substantia an in subiecto? D. Non est in subiecto, sed est substantia. M. Grammatica est qualitas et in subiecto? D. Utrumque est (Prantl II p. 93). Dies führt zur Unterscheidung eines signifikativen von einem appelativen Gebrauch. - Eigennamen und Namen für natürliche Arten sind stets signifikativ, da sie durch ihre Merkmalsbestimmung stets Substanzen bezeichnen, also Dinge, deren Wesen es ist, diebezeichneten Eigenschaften zu haben. Wird ein akzidentelles Prädikat signifikativ (per se) gebraucht, so bezeichnet es nicht einen Träger der betreffenden Eigenschaft, sondern die Eigenschaft selbst. Signifikativ gebraucht bedeutet ein Wort also nichts anderes, als es explizit beschreibt.
- Appelativ werden akzidentelle Prädikate gebraucht, um die Träger der Eigenschaft zu bezeichnen. In diesem Sinne bezeichnet das Wort grammaticus nicht die Grammatik, sondern einen Menschen. Für gewisse, substanzielle Terme ist ein appelativer Gebrauch nicht möglich, sofern man nämlich nicht einen Träger der 'Eigenschaft', homo zu sein, unabhängig von dieser 'Eigenschaft' identifizieren kann.
Die Terminologie, bemerkt Prantl, ist bei Boethius bereits vorgeprägt. Anselm schreibt: Quapropter quamvis omnia simul velut unum totum sub una significatione uno nomine appellentur homo, sic tamen principaliter hoc nomen est significativum et non appellativum substantiae (...). Grammaticus vero non significat hominem et grammaticam ut unum, sed grammaticam per se et hominem per aliud, et hoc nomen quamvis sit appellativum hominis, non tamen proprie dicitur eius significativum, et licet sit significativum grammaticae, non tamen proprie est eius appellativum (Prantl II p. 93) Abelard bereitet in seinem Beitrag zur Universalienfrage die Suppositionslehre vor, indem er zwischen vox und sermo bzw. dictum propositionis unterscheidet. Es spricht einiges dafür, die Traktate De Propprietatibus Terminorum für ein späteres Erzeugnis seiner Schule zu halten. Motivation In der Suppositionslehre werden Regeln zur Ersetzung von allgemeinen Begriffen durch singuläre Termini formuliert. Dies entsprcht dem modernen Verfahren, zu einer Prädikatenlogik Termmodelle zu konstruieren. Die mittelalterliche Diskussion schließt aber inhaltlich eher an den Universalienstreit an, indem ein Weg zur Elimination von universalia angegeben wird. Man kann dies,insbesondere bei Ockham, als eine Erläterung des Universalen mit singulären Mitteln ansehen. Andere Wurzeln der Suppositionslehre scheinen in der einfacheren Appelationslehre zu liegen. Die Suppositionslehre hat dabei das Aussehen einer Präzisierung der früheren, einfacheren Appelationslehre. Letztere hatte das 'appellatum' einer Rede als ein aktual vorhandenes Ding bestimmt. Dagegen kann das 'suppositum' ein Wort, ein Begriff,oder sogar Nichtvorhandenes sein. In diesem Sinne ist die Suppositionslehre einfach eine ausgefeilte formale Semantik, die es erlaubt, unterschiedliche Gebrauchsweisen referierender Termini auch durch ihren pragmatischen Kontext zu bestimmen, die man heute mit Unterscheidungen zwischen 'use' und 'mention' oder Meta- und Objektsprachen diskutieren würde. Vor allem aber steht die Suppositionslehre an der Stelle der modernen Quantifikationstheorie: durch die Unterscheidungen waren die Logiker in der Lage, Sprachgebrauch und -analyse zu präzisieren. Eine Anwendung Thomas bejaht in sth III 16,6 die Frage, ob Gott zum Menschen geworden sei, und stellt im darauf folgenden Artikel stellt er die Frage, ob auch der Satz 'homo factus est Deus' wahr genannt werden dürfe. Das Argument im vierten videtur schlägt die Brücke: Cum dicitur: 'Deus factus est homo', subjectum factionis vel mutationis non est Deus, sed humana natura, quam significat hoc nomen 'homo'. Sed illud videtur esse subjectum factionis cui factio attribuitur. Ergo haec magis est vera: 'Homo factus est Deus'. Die Antwort lautet, daß der Terminus an Subjektstelle für die Materie stehe, um die es geht, oder für das Suppositum. Was im Praedikat aber gesetzt werde, gelte nur von der Form oder Natur des Suppositums. Dicendum quod terminus in subjecto positus tenetur materialiter, id est, pro supposito; positus vero in paedicato tenetur formaliter, id est, pro natura significata (ad 4). (tenetur materialiter ist nicht zu verwechseln mit supponitur materialiter: es bedeutet gerade soviel wie supponit (qua materia praedicationis). Bochenski läßt sich p. 189 zu unrecht irritieren.)Es identifiziert also in dem Satz 'Homo factus est Deus' das 'homo' einen Menschen als Suppositum, dem das Prädikat 'factus est Deus' formaliter beigelegt werde. Wenn aber de facto von einem Menschen die Rede ist, kann dieses Prädikat nicht mehr zutreffen. Thomas bereitet seine Antwort durch folgende Einordnung vor: 'homo' non habet personalem suppositionem, sed simplicem. Licet enim hic homo non sit factus Deus, quia hoc suppositum, scilicet persona Filii Dei, ab aeterno fuit Deus, tamen homo communiter loquendo, non semper fuit Deus. Die Terminologie zeigt hier folgenden Unterschied an: - Hätte 'homo' im Satz 'Deus factus est homo' eine Supposition personalis, so wäre in dem Satz von einem Menschen die Rede, zu dem Gott geworden wäre. Es gäbe also auch einen Menschen, der erst Mensch, dann Gott gewesen wäre. Dies ist aber falsch, da nichts Gott sein kann, das es nicht schon immer war.
- Als suppositum simplex genommen ist der Gegenstand von 'homo' nicht einfach ein Mensch. Er ist vielmehr etwas menschliches. Das suppositum simplex von 'homo' ist nicht die Substanz, auf die das Wort Mensch referiert (significat). Es ist vielmehr die Qualität, Mensch zu sein.
Richtig verstanden besagt der Satz also: Gott hat die Qualität angenommen, Mensch zu sein. Von einem Menschen als Menschen ist nicht die Rede.Thomas veranschaulicht dies mit dem folgendem erhellenden Beispiel: sicut si Socrates, cum prius fuerit homo, postea factus est albus, demonstrato Socrate, haec est vera: 'Hic homo hodie factus est albus'; haec tamen est falsa: 'Hoc album hodie factum est homo' (ad 4). Die verwendete Unterscheidung zwischen personaler und einfacher Supposition ist eine schwierige: das suppositum simplex eines Eigenschaftswortes ist nämlich nicht etwa die Eigenschaft selbst. Thomas will nicht sagen, Gott sei zu Humanität geworden. Es ist aber auch nicht der Träger der Eingenschaft, sondern überhaupt nicht eigens ein Subjekt einer Prädikation. Ein solches suppositum simplex könnte auch bei der Analyse eines Satzes wie (1) Der Gärtner ist der Mörder helfen, wenn nämlich betont werden soll, daß in einem Sinne nicht von dem Mörder die Rede ist, sondern vom Gärtner. Satz (1) sagt nämlich über den Gärtner, daß er der Mörder ist, was der Satz Der Mörder ist der Mörder, obwohl er vom selben Subjekt dasselbe aussagt, nicht tut. Petrus Hispanus Siehe Summula logicae, tract. VII. Wilhelm von Shyreswood Wilhelm grenzt die Suppositionslehre gegen die Theorien der significatio, copulatio und appelatio ab: [1] Suppositio autem est ordinatio alicuius intellectus sub alio. Et est [1] copulatio ordinatio alicuius intellectus supra alium. Et notandum quod suppositio et copulatio dicuntur dupliciter, sicut multa huiusmodi nomina, aut [1] secundum actum aut [2] secundum habitum. Et sunt istae [1] definitiones earum secundum quod sunt in actu. Secundum autem quod sunt in habitu, [2] dicitur suppositio significatio alicuius ut subsistens (quod enim tale est natum est ordinatio sub alio) et dicitur copulatio significatio alicuius ut adiancentis (et quod tale est natum est ordinari supra aliud). Er bestimmt mithin insbesondere: - suppositio secundum actum: ordinatio alicuius intellectus sub alio,
- sappositio secundum habitum: significatio alicuius ut subsistens (quod enim tale est natum ordinari sub alio).
Suppositio ordnet einen intellectus als ein suppositum unter einen anderen, während copulatio zwei intellectus derart einander zuordnet, daß der zugeordnete als Prädikat (appositum) übergeordnet ist. In diesem Sinne entspricht die Supposition der compositio von Qualität und Substanz, die durch ein Nomen geleistet wird, die copulatio der Zusammenordnung durch eine Aussage. Entsprechend sollten Negationen unterschiedlich wirken, je nach dem welche Komposition sie zuerstören (Hispanus, Syncategoreumata). Appelatio autem est praesens convenientia termini, i.e. proprietas secundum quam significatum termini potest dici de aliquo mediante hoc verbo est. Ex his patet quod - significatio [Kneale+Kneale lassen hier ein 'non' aus] est in omni parte seu dictione orationes.
- Suppositio autem in nomine substantivo tantum vel pronomine vel dictione substantiva; haec enim significat rem ut subsistentem et ordinabilem sub alio.
- Copulatio autem in omnibus adiectivis et participiis verbis.
- Appelatio autem in omnibus substantivis et adiectivis et participis, et non in pronominibus, quia non significant formam aliquam sed solam substantiam, nec in verbis, quia verbum non significat aliquod quod apponitur per verbum substantivum, quia sic esset extra ipsum.
Nulla autem istarum trium, scilicet suppositio, copulatio, appelatio, est in partibus indeclinabilibus, quia nulla pars indeclinabilis significat substantiam aut aliquid in substantia (Kneale+Kneale p. 247). Das bedeutet insbesondere, daß es ein suppositum nur für Terme gibt, die eine Substanz mitbezeichnen, und daß auch indeklinable Redeteile (Syncategoremata?) ein Signifikat haben.Kneale + Kneale geben folgende Einteilung (p. 252): - suppositio materialis
- pro ipsa voce absolute (Lautbild)
- pro ipsa dictione composita ex voce et significatione (entspr. conceptus/intentio animae)
- suppositio formalis
- simplex
- pro significato sine comparatione ad res (manerialis - entspr. simplex absoluta)
- pro significato comparato ad res
- [mobilis sed] solum cum reduplicatione speciei (homo est dignissima creaturam)
- [immobilis et] vaga (wie 'piper' in 'piper venditur hic et Romae')
- personalis
- determinata
- confusa
- confusa tantum
- confusa et distributiva
Roger Bacon Sumitur autem suppositio multipliciter. - Dicitur in uno modo petitio alicuius vel acceptio sine probatione cum indigeat probari vel possit.
- Alio modo dicitur suppositio substantiva rei designatio, sicut dicimus quod substantiva nomina supponunt rem suam, id est, substantive designant.
- Tertio modo dicitur proprietas termini communis per comparationem ad individua quae sunt eius supposita, secundum quod dicimus quod nomen commune, ut 'homo', significat qualitatem cum substantia, sive humanitatem, et supponit individua, scilicet Socratem et Platonem et alia.
- Quarto modo dicitur suppositio proprietas termini sujecti, sive termini in quantum alii supponit et subicitur in oratione.
Gemäß der dritten Verwendungsweise des Begriffs suppositio unterscheiden sich Signifikation und Supposition darin vonainander, daß durch die Signifikation eine quasi-Prädikation durchgeführt wird. Signifikat ist etwas so-und-so bestimmtes. Das suppositum ist hingegen die reine Extension, die unabhängig von Prädikationen, als unbestimmte, erfaßt werden kann. Damit gerät das suppositum in die Nähe eines semantischen Gegenstandes de re, während man das Signifikat als Gegenstand de dicto bezeichnen könnte. Signifikation und Supposition setzt Bacon mit einer kurzen Bemerkung gegeneinander ab: Significatio autem est conditio vocis et termini de se, et non per comparationem ad aliud sub quo pnatur, et ideo tam extra orationem quam in oratione significato, supponit autem solum intra. Dies ist im wesentlichen die Unterscheidung Ockhams. Unterschieden werden Suppositionen in - simplex
- personalis
- discreta
- communis
- determinata
- indeterminata vel confusa
- confusa tantum
- confusa et distributiva sive modalis
Ockham Ockham macht die Suppositionslehre zur Semantik, und verzichtet auf eine unabhängig davon bestehende Theotie der Signifikation (Kneale+Kneale p. 270). Einteilung der Redeteile im Elementarium Logicae: - [synkategorematisch]
- [kategorematisch]
- [Verbum]
- Est autem nomen vox significativa ad placitum sine tempore, cuius nulla pars separata per se significat, finita et recta (cap. 2). Nominum vero, quae categorematica sunt dicenda,
- quaedam sunt nominae primae impositionis et
- quaedam sunt secundae impositionis.
Nomina primae impositionis sunt nomina quae non significant distiones ad placitum institutas nec grammaticalica accidentia earundem nec composita es dictionibus huiusmodi, sed res alias, sicut haec nomina et similia 'homo', 'animal', 'calidum', 'frigidum'. Nomina secundae impositionis vocantur nomina illa quae significant dictiones ad placitum institutas et accidentia ipsarum et composita ex huiusmodi dictiones sicut 'nomen', 'verbum', 'casus', 'modus', 'oratio', 'propositio', 'syllogismus' et huiusmodi. - Nomina vero primae impositionis
- quaedam dicuntur nomina primae intentionis et
- quaedam secundae intentionis.
Nomina primae intentionis vocantur illa quae significant res, quae [non] sunt signa mentalia nec ad placitum instituta, sicut ista nomina et consimilia 'homo', 'animal', 'albedo', 'lapis', 'aer', 'ignis'. Nomina secundae intentions dicuntur illa quae significant intentiones animae, quae sunt signa naturali aliarum rerum, sicut 'species', 'genus', 'universale' et huiusmodi (cap. 3, cf. Summa totius Logica, cap. 11).
Damit verfügt Ockham bereits über eine Theorie der Metasprache. Die Suppositionslehre beschäftigt sich im Gegensatz zu dieser Theorie nicht mit dem Status der Terme, sondern mit ihrem semantischen Objekt. Summa totius Logicae I, 63 Zunächst betont Ockham, daß die Supposition, im Gegensatz Signifikation, sich nur im Satzkontext ergebe: Dicto de significatione terminorum restat dicere de suppositione, quae est proprietas conveniens termino sed mumquam nisi in propositione. Allerdings hängt die Supposition auch vom Kontext der Satzäßerung ab: Et si nulla res haberet albedinem nisi Sortes, tunc praedicatum praecise supponeret pro Sorte. Ockham erlätert suppositio Stehen von etwas für anderes: Dicitur autem 'suppositio' quasi 'pro alio positio', ita quod quando terminus in propositione stat pro aliquo, ita quod utimur illo termino pro aliquo de quo, sive de pronomine demonstrante ipsum, ille terminus vel rectus illius termini si sit obliquus verficatur, supponit pro illo. Das suppositum in einem Aussageatz ist im allgemeinen das, von dem das Prädikat ausgesagt wird: Et sic universaliter terminus supponit pro illo de quo - vel de pronomine demonstrante ipsum - per propositionem denotatur praedicatum praedicari, si terminus supponens sit subjectum. Aus der Formulierung läßt sich auch der Sprachgebrauch ersehen: Ein Terminus supponiert (aktiv) pro aliquo; das durch einen Terminus Bezeichnete ist suppositum (passiv) des Terminus. In cap. 64 heißt es auch: suppositio competit vox. I, 64 Einteilung der verschiedenen Arten von Suppositionen eines Terminus: I, 70Einteilung der Arten personaler Supposition: - [Supposition personalis]
- Suppositio discreta est in qua supponit nomen proprium alicuius vel pronomen demonstrativum significative sumptum; et talis suppositio reddit propositionem singularem sicut hic 'Sortes est homo' (...)
- Suppositio personalis communis est quando terminus communis supponit, sicut hic 'homo currit', 'omnis homo est animal'. Suppositio personalis communis dividitur in suppositionem
- cofusam et
- determinatam. Suppositio determinata est quando contingit descendere per aliquam disiunctivam ad singularia; sicut bene sequitur 'homo currit, igitur iste homo currit, vel ille', et sic de singulis. Et ideo dicitur suppositio determinata quia per talem suppositionem denotatur quod talis propositio sit vera pro aliqua singulari determinata; (...) Est igitur regula certa, quod quando sub termino communi contingit descendere ad singulari infertur talis propositio, tunc ille terminus habet suppositionem personalem determinatam. (...)
Suppositio personalis - confusa est omnis suppositio personalis termini communis, quae non est determinata. Et illa dividitur, quia quaedam est
- suppositio confusa tantum et quaedam est
- suppositio confusa et distributiva.
Ockham erläutert hier den Sinn der Suppositionstheorie, wie Boehner bemerkt, durch Beispiele gültiger Schlüsse. Arten der Supposition fungieren also als Bedingungen, unter denen geschlossen werden darf. Daß es hierbei vornehmlich um Schlüsse von allgemeinen auf Verbindungen singulärer Sätze geht, wird im folgenden noch deutlicher: Suppositio personalis confusa tantum est [1] quando terminus communis supponit personaliter et [2] non contingit descendere ad singularia per disiunctivam, nulla variatione facta a parte alterius extremi, sed [3] per propositionem de disiuncto praedicato, et [4] contingit eam inferri ex quocumque singulari. Verbi gratia in ista 'omnis homo est animal', li animal supponit confuse tantum, (...) quia [2] non sequitur 'omnis homo est animal, igitur omnis homo est illud animal, vel omnis homo est illud animal' et sic de singulis. [3] Sed bene contingit descendere ad propositionem de disiuncto praedicato ex singularibus, quia bene sequitur 'omnis homo est animal, ergo omnis est hoc animal vel illud et sic de singulis. (...) [4] Et similiter ista infertur ex quolibet contento animalis, nam bene sequitur 'omnis homo est hoc animal', quocumque animali demonstrato, 'igitur omnis homo est animal'. Suppositio confusa et distributiva est quando contingit aliquo modo descendere copulative, si habeat multa contenta ex nullo uno formaliter infertur. Sicut est in ista 'omnis homo est animal', cuius subiectum supponit confuse et distributive: sequitur enim 'omnis homo est animal, igitur iste homo est animal et ille homo est animal', et sic de singulis; et non sequitur formaliter 'iste homo est animal', quocumque demonstrato, 'igitur omnis homo est animal'. Schließlich zerfällt die suppositio personalis confusa et distributiva in - suppositio confusa et distributiva mobilis, (...)
- confusa et distributiva immobilis.
Immobilis wird ein confuse et distributive supponiernender Terminus durch Zusatz einer Ausnahmebedingung, etwa 'omnis homo praeter Sortem currit'. Hiermit spielt die Suppositionslehre in die Universalienfrage hinüber: Ockham kann Regeln angeben, die es erlauben, von Sätzen, die universalia enthalten, auf solche zu schließen, die nur noch von (möglicherweise unendliche vielen) singularia handeln (Vgl. Prantl III p. 343f.). Dies verfolgt er aber nicht konsequent: Er stellt lediglich eine Implikationsbeziehung entsprechend dem dici de omni fest, nicht eine Äquivalenz. Letztere würde auch erst unendlich viele singularia erfordern. Walter Burleigh Den Gegensatz zwischen suppositio und significatio bei Burleigh stellt Boehner so dar: Accordnig to Burleigh, a term signifies the universal or the concept of the mind, wherefore, in general, the universal is the significatum of a spoken or written term. The individuals or the supposita are not signified by the term, but are only the objects for which the term supposits without directly signifying them (p. 48). Burleigh widerspricht explizit der Meinung Ockhams über das Verhältnis von Supposition zu Signifikation (Boehner p. 121, dort aber nicht aufschlußreich). Boehner zitiert auch seine einleitende Bestimmung der Supposition (ohne Angabe auf p. 121): Suppositio proprie dicta est proprietas termini subiecti ad praedicatum comparati. Et sumitur hic terminus pro quolibet indifferenter, quod potest esse extremum propositionis, sive sit terminus simplex sive aggregatum ex adiectivo et substantive, sive etiam sit compositum mediante copulatione vel disiunctione. Walter teilt die Suppositionen zunächst in 'proper' und 'improper suppositions' ein (Boehner). Die suppositio propria gliedert sich weiter: - 'Suppositio materialis est, quando vox supponit pro seipsa vel pro alia voce quae non est inferior ad illam' (Boehner p. 121)
- metasprachliche Anführung
- daß-Sätze (accusativum cum infinitivum)
- 'five subdivisions which can be omitted here' (Boehner p. 47)
- formalis
- simplex
- absolut: '"Man is the most dignified of creatures" is true even [?] insofar as the subject has simple absolute supposition. (...) Thus, this proposition can be true: "Man is the most dignified of creatures", viz. in so far as the subject has simple [absolute ?] supposition.' (Boehner p. 48f.)
- relativ: 'The classical example is: "Man is a species". The term "man" here stands for a universal in so far as it is predicable of or compared with all individuals of the species man' (p. 49, womit der Unterschied nicht klar wird.)
- 'Quando terminus communis supponit pro suppositis vel terminus aggregatus supponit pro termino simplici de quo accidentaliter praedicatur, tunc habet suppositionem personalem' (Boehner p. 121f.)
Unter suppositio personalis folgt dasselbe wie bei Ockham. Literatur(Überblickswerke)- I. M. Bochenski, Formale Logik, Freiburg 1956
- Philotheus Boehner, Medieval Logic, Manchester 1952
- Kurt Flasch, Einführung in die Philosophie des Mittelalters, Darmstadt 1987
- Kurt Flasch, Das philosophische Denken im Mittelalter, Stuttgart 1986
- Gert Haendler, Von Tertullian bis zu Ambrosius, Berlin 1986
- William und Martha Kneale, The Development of Logic, Oxford University Press 1984
- John Marenbon, Early Medieval Philosophy (480-1150), Routledge 1983
- Carl Prantl, Geschichte der Logik im Abendlande, G. Olms Vlg. 1997, Bd I-III
- Hans Ulrich Wöhler, Geschichte der mittelalterlichen Philosophie, Berlin 1990


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