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Folgendes sind Notizen, die ich ca. 1998 in Vorbereitung einer Prüfung verfasst habe. Die Prüfungsnote war nicht optimal, und das kann auch daran liegen, dass meine Notizen teilweise fehlerhaft oder unvollständig warten. Sie sind also mit Vorsicht zu genießen. Derjenigen, die sie selbst mit den relevanten Quellen abgleicht, könnte dennoch von ihnen profitieren.

Kurze Vorgeschichte

Syllogistik und Aussagenlogik

In seiner ersten Analytik, ii 2 (53b), diskutiert Aristoteles die Folgerungsbeziehung, indem er über die Möglichkeiten der Prämissen und Schlußsätze spricht, wahr oder falsch zu sein. Die ist eine der wenigen Stellen, an denen Aristoteles seine Syllogistik nicht in Bezug auf Dinge und deren Eigenschaften, sondern auf Sätze und deren Wahrsein diskutiert.

Wenn falls A ist, notwendig B ist, so ist, falls B nicht ist, notwenidig A nicht (53b12).

Damit formuliert er das Gesetz der Kontraposition, und auch ein Prinzip des Kettenschlusses kann man dort finden (57b6). Solche aussagenlogische Prinzipien finden sich bei Aristoteles aber nur zum Zwecke der Diskussion seiner Syllogistik.

Eigens aussagenlogische Probleme wurden zunächst von Theophrast formuliert, indem er Prinzipien entwickelte, wie Syllogismen mit zusammengesetzten Prämissen zu behandeln seien, wenn also eine der Prämissen etwa die Form hat 'a ist ein F und a ist ein G' (Kneale+Kneale p. 105f.).
Die Stoiker konzentrieren ihr Interesse erstmals auf aussagenlogische Regeln als solche.

Whereas Aristotle had used the conditional form of statement in presenting the principles of the vatious moods of categorial sallogism, the Stoics set out the skeleton arguments such as 'If the first, then the second; but the first; therefore the second' (Kneale+Kneale p. 159).

Die Wiedergeburt der formalen Semantik aus dem Geiste des Monotheismus

Das Mittelalter ist äußerlich in naheliegsndster Weise als eine Zeit des kompromißlosen Monotheismus charakterisierbar. Während die späte Antike keine Bedenken hatte, Götter von eroberten oder assimilierten Völkern zur Schar der heimischen Götter hinzuzufügen, sah sich die mittelalterliche Theologie gezwungen, den Glauben zu vereinheitlichen.
Die Einheit der christlichen Gemeinde zu Zeiten ihrer Verfolgung (bis zur Herrschaft Konstantins im 4. Jh.) war geradezu erzwungen gewesen. Die Grenzen zwischen den Christen und ihren Verfolgern waren relativ klar, und die Gemeinde wurde weniger durch bestimmte Glaubensinhalte zusammengehalten.

For early christians, faith simply was trust, that is trust in people that met people ... that met Jesus(D. Moran, Vl. mediev. Phil., Dublin 1997/98)

Freilich traten auch Differenzen auf, die die Glaubensinhalte betrafen. So sah sich die christliche Lehre, wie wir sie heute kennen, einer Unterwanderung durch gnostisches Gedankengut ausgesetzt.

Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen (Apg 20,29).

Siehe Paulus, 1 Kor. Aber zu einer stimmigen schulmäßen Ausarbeitung der christlichen Lehre mußte es deswegen noch nicht kommen, nicht einmal zu einer genauen Schriftkenntnis:

Der Glaube ist ist in der Glaubensregel zusammengefaßt. Er umfaßt das Gesetzt, er bringt Heil und Gehorsam gegenüber dem Gesetzt. Vertrautheit mit der Schrift aber kommt aus Neugierde (Tertullian, Apologeticum cap. 14, siehe Haendler).

Nachdem die Anfänge des Christentums eher durch eine Untergrundbewegung getragen waren und von Endzeitstimmung gekennzeichnet, stand man mit der politischen Akzeptanz des Christentums vor neuen, theoretischen Problemen. Eine christliche Lehre mußte gefunden werden, die sowohl einheitlich als auch von allen mitvollziehbar war. Dazu konnte das Ideal nicht mehr nur der feste und halsbrecherische Glaube sein; das Christentum hatte sich jetzt im Alltag und zugleich gegenüber der gebildeten Schicht zu bewähren. Es konnte nicht mehr darum gehen, auf die Festigkeit des Glaubens Einzelner zu vertrauen, denn dazu war die Gemeinde zu groß geworden. Verläßlichkeit mußte nun insbesondere durch Standards bei der Bibelexegese erreicht werden, und dazu gab es eine Menge von Widersprüchlichkeiten zu klären, die sich aus der Zusammenstellung der Bibeltexte ergaben. Letzteres ist die große Leistung der Kirchenväter wie Augustinus, Boethius und Dionysios Areopagita.

Die literarische Tradition, an die Augustinus und Boethius dabei anknüpfen konnten, war die neuplatonische, in die sowohl platonische als auch aristotelische Elemente eingegangen waren. Allerdings blieben davon in auffallender Weise fast nur die Anfangsschriften der aristotelische Logik übrig. Der einfache Grund dafür ist wohl, daß es um die formal akzeptable Darstellung einer inhaltlich schon mehr als bestimmten Lehre ging. Man konnte also nicht einfach die Lehren der heidnischen Philosophie übernehmen, wohl aber deren logisches Propädeutikum. Die andere Gruppe von Quellen bildeten die Schriften von Plotin und verwandten Neuplatonikern um Ammonius Sakkas, die von Augustinus und insbesondere Dionysius rezipiert wurden. Die plotinische Lehre der Emanation aus dem Einen erlaubte eine systematische Behandlung der Kerngedanken des Monotheismus und der Schöpfungslehre.
Diesen beiden Quellengruppen entsprechend kann man durch das ganze Mittelalter hindurch eine Spaltung zwischen der sog. platonisch-augustinischen und der philosophisch-aristotelischen Tradition bemerken. Von Platons Schriften war nur der Timaios durch einigermaßen beredte Adaptionen bekannt, dem man eine platonische Schöpfungslehre zu entnehmen hoffte. Durch Augustinus war eine gewisse Ablehnung der spätantkien Schulphilosophie, also auch der aristotelischen und stoischen Logik vorgeprägt, daher fanden sich die Anhänger dieser 'Richtung' eher an den theologischen Fakultäten (etwa Bonaventura, Meister Eckhart). Die Philosopischen Fakultäten waren dagegen mit der logischen Grundausbildung befaßt und werteten dazu die logischen Schriften von Boethius und Aristoteles aus, später auch die weiteren des Aristoteles und andere Übersetzungen aus dem Arabischen (Albertus Magnus, Thomas v. Aquin, Heinrich v. Gent, Duns Scotus).

Die (...) Schriften des Marcianus Capella, Boethius, Cassiodorus und theilweise auchdes Augustinus und Pseudo-Augustinus sind es, welche [anfangs] für den Schulbetrieb der Logik das ausschließliche Material darboten (Prantl II, p. 1).

Die bekannten Schriften des Boethius sind dabei:

  • Ad Porph.
  • Ad Aristotelis Categ.
  • Ad Arist. De Interpretatione editio I et II
  • Ad Cic. Top.
  • Introductio ad Categoricis Syllogismis
  • De Syllogismis Categoricis
  • De Syllogismis Hypotheticis
  • De Divisione
  • De diff. Top.

Einige Schriften des Aristoteles, aber auch stoische Logik (Ciceros Topik) sind also durch ihre Kommentare durch Boethius zugänglich. Siehe Kneale+Kneale p. 198, 226; Flasch, Einführung, p. 62ff.

Ansätze zu einer Sammlung klassischer Texte wurden im 8. Jh. in England gemacht (Winfried Bonifazius); Ende des Jh.gelangt das Wissen mit Alcuin aus York ins Frankreich Karls des Großen (Flasch, Denken p. 151). Verdienst der damit eingeleiteten karolingischen Reform 'war es, Impulse und Einrichtungen, die es bisher nur regional gab, z.B. in York, fürdas ganze Reich zu organisieren' (Flasch p. 155).

Bekanntlich gliedert sich die Grundausbildung an den neu geschaffenen Universitäten in die septem artes liberales Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Trivium) und Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (Quadrivium). Der Ursprung dieses Programms findet sich in der Spätantike und bei Augustinus.

Von Osten her hatte sich seit dem Tode Mohammads die islamische Religion ausgebreitet, die von vornherein als eine Staatsreligion und stringenter ausgebildet war. Viele der irrationalen Glaubensinhalte wie Trinität und jungfräuliche Geburt hatte Mohammad selbst bereits abgelehnt, so daß man den Islam als die im Ursprunge 'logischere' monotheistische Religion ansehen kann. Viel deutlicher steht hier von Anfang an die Berufung auf ein einziges Buch im Vordergrund, nebst der Geschichtensammlung über Mohammad (der Hadith). Der Inhalt des Korans konnte leichter als der der anderen heiligen Bücher für unfehlbar gelten, da er aus einer Feder stammte, und speziell um Koran und Hadith bildete sich bald eine Schriftgelehrsamkeit heraus, die die bis heute gültige Grammatik des Hocharabischen hervorbrachte und die, im Fall der sich ständig vermehrenden Hadithen, bald eine kritische Quellenbewertung entwichelte. Allerdings hatte es auch in der 'Gemeinschaft des Buches' (Ahl al-Kitab) frühe Spaltungen gegeben, etwa in Schi'iten und Sunniten, Unterströmungen von Schi'iten und mehr oder weniger der klassischen Philosophie zugeneigte Gruppierungen.
Die griechische Tradition war unter den Abbasiden seit der Zeit des Kalifen Al-Ma'mun übersetzt und adaptiert worden, wobei der Zweck solcher Anknüpfung weniger in der Stützung der Glaubenslehre zu liegen brauchte, als vielmehr einfach in der Erlangung weltlichen Wissens. So wie das römische Reich die Religionen assimiliert hatte, begann der Islam mit der Adaption der Kulturen und des Wissens seiner Kolonien. Die so fortgeführte Tradition weltlicher Wissenschaft, die sich frelich nie gegen den Islam verwendete, konnte insbesondere in den westlichen Provinzen des arabischen Reiches ausbreiten, wo sie später weniger der religiösen Kontrolle unterlagen. Hier konnten bis ins zweite Jahrtausend hinein die Traditionen bewahrt bleiben, die im Osten, im Umfeld von Al-Ghazalis philosophiefeindlichen Schriften, bald in Verruf gerieten. Die beinahe endgültige Katastrophe bricht über den Westen erst mit der Reconquista und spanischen Inquisition herein, und man kann der Gruppe Pariser Gelehrter um Albertus Magnus nur danken, daß sie sich bereits des arabischen Erbes angenommen hatten.

Siehe auch Khalil I. Semaan (ed.), Islam and the med. West, p. 26: G. Makdisi, On the origin of the College in Islam and the West, mit der These, daß die Form des College in Paris und Oxford (im Gegensatz zur Universität als Gelehrtengilde) islamischen Ursprungs ist.)

Zum Problembestand

Ein typisches Lehrbuch der Logik (etwa Alberts des Großen) beinhaltete folgende Texte, die von Boethius bzw. Porphyrius, Cicero und Aristoteles übernommen wurden:

  1. Praedicabilia oder Antepraedicamenta. Grundlage bietet die Isagoge des Porphyrius, behandelt werden die sog. quinque voces oder universalia
    1. genus: was mehreres, der Art nach verschiedenes nach seiner Wesenheit bezeichnet (Porphyrius)
    2. species (gr. eidos): was mehreres der Zahl nach verschiedenes bezeichnet (Porph.). Die zehn allgemeinsten genera sind die Kategorien.
    3. differentia (gr. diaphora), unterscheidbar in diff. per accidens undper se
    4. proprium: was einer bestimmten Art allein mitfolgt (Porph.), gemeint sind notwendige,aber nicht wesentliche (zur Definition gehörende) Attribute.
    5. accidens: Attribute, die weder wesentlich noch sonst notwendig, aber kontingent sind.

    Abelard fügt diesen ein sechstes hinzu: individuum.

  2. Pradicamenta. Hier wird die Kategorienschrift des Aristoteles abgehandelt, d.h. nach einer kurzen Diskussion von Homonymität, Syno- und Paronymität die zehn Kategorien, von denen 'jedes ohne Verbindung gesprochene Wort', d.i. Nomen oder Verbum außerhalb eines Satzes, einebezeichnet (Aristoteles):
    1. substantia (gr. ousia), unterscheidbar in erste uns zweite Substanz (Aristoteles)
    2. quantitas (gr. poson)
    3. qualitas (gr. poion)
    4. relatio (gr. pros ti, woraufhin)
    5. ubi (gr. pou, wo)
    6. quando (gr. pote, wann)
    7. situs (gr. keisthai, Lage oder Haltung)
    8. habitus (gr. exein, Haben)
    9. actio (gr. poiein)
    10. passio (gr. pasxein)

    Unter dem Titel Postpraedicamenta wird außerdem behandelt, was auch bei Aristotelesnoch folgt: Die Arten des Entgegengesetzten, die Relationen des Früher, Später und Zugleich, schließlich die Bewegung und das Haben. Arten des Gegensatzes sind insbesondereder relative, konträre, privative und kontradiktorische (Categ. X).

  3. De Sex Principiis. Dieser Teil geht zurück auf eine gleichnamige Schrift, die lange Zeit Gilbert de la Porée zugeschrieben wurde. Er handelt von den Kategorien 5-10 und wurde insbesondere von Albertus Magnus in die Schullogik mitaufgenommen.
  4. De Divisione (Boethius). Behandelt werden die Einteilung gemäß
    • genus/species
    • Ganzes/Teile
    • Wort/Teilbedeutung
    • verschiedene Akzidenzien an einem Subjekt

  5. Peri Hermeneias. Entspricht der Schrift De Interpretatione von Aristoteles. Hier werdenAussagesätze nach ihren Teilen analysiert. In Kapiteln 9 und 10 finden sich bei Aristotelesgeschichtsträchtige Diskussionen der Modaladverbien möglich, notwendig etc.Außerdem werden logische Beziehungen zwischen Sätzen diskutiert, wie die der Äquivalenz, conversio, oppositio. Hier findet sich auch das logische Quadrat.
  6. Priora Analytica. In den der ersten Analytik des Aristoteles entsprechenden Traktaten werden auch modale Syllogismen behandelt.
  7. De Categoricis Syllogismis (Boethius)
  8. De Hypotheticis Syllogismis (Boethius). Hier findet sich die stoische Logik wieder.
  9. Posteriora Analytica. Wie in der aristotelischen zweiten Analytik wird hier der Beweisbegriff(demonstratio) diskutiert. Einen wichtigen Komentar dazu hat Grosseteste verfaßt.
  10. Topica oder De Locis. Einflußreich sind hier die Topiken von Aristoteles und Cicero. Diskutiert werden neben enthymema auch die stoische consequentia und die eigentlich mittelalterliche Lehre der obligationes, so daß es im allgemeinen um angewandte Debattierkunst geht.
  11. Elenchi oder De Fallaciis. Vorbild sind die Soph. Elench. des Aristoteles, es bildet sich aber darum herum ein reicher Schatz von Fehlschlußtypen und -beispielen. Dazu gehören (bei Ockham)
    Fallaciae in dictione:
    • Fallacia aequvocationis (semantische Ambiguität)
    • F. amphiboliae (syntaktische Ambiguität)
    • F. compositionis et divisionis; die Diskussion um Modalitäten de dicto/de re hat auch hier ihren Urprung.
    • F. accentus (gemeint ist Fehlerhafte Aussprache)
    • F. figurae dictionis: est deceptio proveniens ex apparentia simili unius dictionis ad alias(Ockham, Tractatus Minor)

    Fallaciae extra dictionem:

    • Fallacia accidentis: Ein Schluß der Art A ist ein C und B ist ein C, also ist A ein C.
    • F. consequentis: unter anderem der bekannte Modus Tollens-Fehler
    • F. secundum quid et simpliciter: etwa der Schluß von 'A ist ein toter Mann' auf 'A ist ein Mann' (den das Mittelalter nicht akzeptierte)
    • F. secundum ignorantiam elenchi (einen Widerspruch nicht oder irrtümlich zu bemerken)
    • F. petitionis principii
    • 'Non causa ut causa': geschieht, wenn eine reductio ad absurdum auf den falschen Grund zurückgeführt wird.
    • F. secundum plures interrogationes (Fangfragen)

Dieser überkommene Bestand wurde mit der Zeit durch spezifisch mittelalterliche Traktateergänzt:

  1. Syncategoremata. Authoren sind etwa Wilhelm v. Shyreswood, Petrus Hispanus oder Grosseteste (siehe Boehner, Medieval Logic, p. 7).Im allgemeinen werden gleichzeitig entsprechende Sophismata behandelt.
  2. De Proprietatibus Terminorum oder Parva Logicalia. Diese umfassen die Teiltrakte
    • De suppositione
    • De copulatione
    • De relativis (Relativpronomina)
    • De ampliatione et restrictione
    • De appellatione
    • De distributione

    Mit Ausnahme von evtl. de copulatione behandeln alle auf je verschiedene Weise die Semantik vonBegriffen im Kontext ihrer Verwendung. Appellatio, suppositio und Signifikat einesBegriffen können durchaus verschiedene Dinge umfassen, distributio, ampliatio und restrictio werden bzgl. Mengen von Denotaten relevant.

  3. De Exponibilibus (Explikation komplexer logischer Verknüpfungen).
  4. De Insolubiliis oder De Impossibilibus (Antinomien und Paradoxien).
  5. De Obligatione oder De arte exercitativa.
  6. De Consequentiis.
  7. De Modis Significandi oder Grammatica Speculativa.

Vereinheitlicht wurde der Bestand schließlich mit der Einteilung (z.B. Ockhams)

  1. De Terminis

  2. De Propositionibus
    • categoricis
    • hypothteticis

  3. De Suppositione
  4. De Speciebus Argumentorum
  5. De Locis et regulis consequentiam
  6. De Fallaciis

Chronologie

300-500Sephir Jezira (Buch der Schöpfung).
354-430Augustinus; Zur Logik: De Libero Arbitrio, De Magistro.
386Bekehrung des Augustinus.
396Augustinus: Confessiones.
um 400Kompilationen antiken Wissens:
Martianus Capella: De nuptiis Philologiae et Mercurii (enth. elementare Dialektik und Kategorienlehre)
Calcidius: Kommentar zum Timaios (insbesondere neuplatonische Ansätze)
Macrobius: Somnium Scipionis (Traumlehre, referiert auch d. Timaios, Zahlenmystik, Tugendlehre).
400-414Augustinus: De Genesi ad Litteram.
406lat. Bibelübersetzung 'Vulgata'.
413-426Augustinus: De Civitate Dei.
430Tod Augustinus.
434-454Hunnenkönig Attila.
476Absetzung des letzten weström. Kaisers.
480-524Boethius, Angehöriger der römischen Adellsschicht. Diverse Kommentare zur Logik. Gehört der alexandrinischen Schultradition an.
Schließung der nestorianischen Schule von Edessa, die Lehrer ziehen nach Nisibis (Persien).
493-526Theoderich der Große
6. Jh.Persien: Rezeption altpersischer und griechischer Philosophie und Naturwissenschaft, vermittelt durch die Syrer (Nestorianische Christen).
ca. 500Dionysios Areopagita; Peri twn theiwn onomatwn (zur Logik: II, IV-VIII, X-XII).
520Regel des Benedikt von Nursia.
522Boethius wird Kanzler unter Theoderich.
524Hinrichtung des Boethius, er schreibt in der Todeszelle seine Consolatio Philosophiae. Cassiodor wird sein Amt übernehmen.
529Justinian schließt die Schule von Athen. 7 Gelehrte gehen von dort nach Persien.
555Cassiodor, der sich 538 aus der Politik zurückgezogen hatte, gründet das Kloster Vivarium. Die Bibliothek führt Werke von Platon, Aristoteles, Galen, Euklid u.a.
560-636Isidor v. Sevilla; Etymologiae, Differentiae verborum et Differentiae rerum, Sententiae (ca. 633). Opera Omnia bei Migne.
7. Jh.
612Kloster Bobbio in Oberitalien gegründet.
622'Hidjra', Anfang der islamischen Zeitrechnung.
632Tod Mohammad.
636Tod Isidor v. Sevilla.
641Araber erobern Persien.
8. Jh.
8./9.Jh.'irische Aufklärung'; Book of Kelts, Rundtürme
700-748Wasil ibn Ata, Begründer der rationalistischen Mu'tazila.
711Gibraltar (Gibr-al-Tarek) vom arabischen Feldherrn Tarek erobert.
717/18Araber belagern Byzanz.
732Schlacht zwischen Tours und Poitiers: Araber unterliegen gegen die Franken.
735-804Alcuin v. York (Flaccus Albinus); De rhetorica et Virtutibus (Rhetorik).
ca. 740Gründung v. Fulda durch Winfried Bonifazius.
750-1258Kalifat der Abbasiden in Baghdad; griech. Klassiker der Philosophie und Naturwissenschaft werden ins arabische übersetzt: Aristoteles, Galen, Euklid.
755&dagger Winfried Bonifazius.
755-1031Kalifat v. Cordoba, Spanien.
768-814Karl der Große.
776-856Hrabanus Maurus 'Praeceptor Germaniae', Abt von Fulda; De Rerum Naturis (ca 842), Kompilation in Anlehnung an Isidors Etymologiae.
ca. 800-877Johannes Scotus Eriugena; De Divisione Naturae (Peri Physeon, 864-66). Einteilung in 4 Naturen: (1) creat et non creatur, (2) creatur et creat, (3) creatur et non creat, (4) nec creatur nec creat.
773/4Karl der Große erobert das Langobardenreich.
774Gründung der Hofschule Karls des Großen.
781Auf einer Romreise begegnet Alcuin Karl dem Großen.
782Alcuin folgt der Bitte Karls, nach Frankreich zu kommen.
786-809Harun ar-Rashid Kalif von Baghdad.
9. Jh.
800Kaiserkrönung Karls des Großen.
um 800Sog. karolingische Reform unter Mitwirkung Alcuins, Reform in Bildungssystem und Schrift (karolinische Minuskel), Libri Carolini.
ca. 800-873Al-Kindi, verarbeitet griechische, indische und persische Quellen. Schriften über Metaphysik, den Intellekt, die 'fünf Wesenheiten' etc.
804Tod Alcuin.
813-833Al-Ma'mun Kalif von Baghdad, erhebt die Mu'tazila 'in den Rang einer Staatsideologie' (Wöhler).
830Errichtung des 'Hauses der Weisheit' in Baghdad,
Übersetzung der Placita Philosophorum (Vorsokratiker),der Metaphysik des Aristoteles, der Kommentare von Alexander von Aphrodisias, Simplikios, Porphyrios etc., einiger platonischer Dialoge und des pseudoaristotelischen, aber neuplatonischen Liber de Causis (Theologie des Aristoteles).
834Tod Fredegisus v. Tours, Schüler Alcuins; Epistola de Nihilo et Tenebris (ca. 800), über das Denotat des Wortes 'nichts'. Edition: Fridigiso di Tours e il 'De substantia nihil et tenebrarum', ed. C. Gennaro, Padua 1963.
843Vertrag von Verdun: Teilung des Reiches.
848Der sächsische Mönch Gottschalk wird wegen seiner streng Augustinischen Gnadenlehre von einer Synode in Mainz verurteilt, deren Vorsitz Hrabanus Maurus hat.
ca. 850Johannes Eriugena lehrt an der Hofschule Karls des Kahlen. Er wird beauftragt, ein Gutachten über Gottschalk und Augustins Gnadenlehre zu schreiben (De Praedestinatione).
855Das Konzil von Valence verurteilt Eriugenas De Praedestinatione
856Tod Hrabanus Maurus.
860-862Johannes Eriugena übersetzt Dionysius Areapagita.
ca. 867Johannes Eriugena: De Divisione Naturae.
ca. 873-950Al-Farabi, der 'zweite Lehrer'. Verfaßte unter vielem anderen ein Buch über die Einteilung und Definition der Wissenschaften, das eine Abh. der Logik enthält. Gilt auch als Begründer des arabischen Nominalismus.
877Tod Johannes Eriugena.
10. Jh.
910Gründung des Klosters Cluny.
ca. 940-1003Gerbert v. Reims (v. Aurillac), betrieb Katalonien mathematische Studien und hatte wahrscheinlich Kontakt zu Arabern. Er verfaßte eine Anleitung zum Gebrauch des Abacus und soll als erster arabische Ziffern benutzt haben; De Rationale et Ratione Uti (970), ed. Augsburg 1721.
Mitte 9. - Mitte 10. Jh.Isaak Israeli, jüd. Arzt. Verf. Buch der Definitionen, Buch der Elemente. Die Definition der Wahrheit als adaequatio rei et intellectus schrieb das Mittelalter irrtülich ihm zu.
953Johannes von Gorze wird von Otto III nach Cordoba geschickt. Er bleibt dort bis 956 und bringt Bücher mit.
ca. 960-1029Fulbert, Schüler von Gerbert von Reims, Bischof und Gründer der Schule von Chartres.
970Gründung der Hochschule von Cordoba.
980-1037Avicenna (Ibn Sina); Danish Nama-i Ala'i (Livre de Science: Logik), Kitab asch-Schifa (Physik), Kitab al-isharat wa-t-tanbihat (Remarks and Admonitions: Physik, Metaphysik, Mystik), Kanon (eines der wichtigsten medizinischen Kompendien aller Zeiten). Prägt die Unterscheidung von Intentionen erster und zweier Ordnung in der Logik. Die Logik aus seinem persischen Danish Nama-i Ala'i ist teilweise unter dem Namen Al-Ghazalis rezipiert worden.
983Gerbert von Reims übernimmt Abtei von Bobbio.
998-1088Berengar v. Tours, Schüler v. Fulbert, Gründer der Kathedralschule v. Tours; De sacra Coena, wiederentdeckt erst durch Lessing. Edition: Corpus Christianorum, Continuatio Medievalis LXXXIV, 1988.
999-1003Papst Silvester II, alias Gerbert von Reims.
11. Jh.Einführeung der Dreifelderwirtschaft, Verbesserung landwirtschaftlicher Technik. Festschreibung des Zölibats.
1003Tod Gerbert von Reims
1004Tod Abbo von Fleury; Questiones Grammaticales, Syllogismorum categoricem et hypotheticorum enodatio (ed. A van den Vyver, Bruges 1966).
ca. 1005-1089Lanfrancus, Gegner Berengars.
1007-1072Peter Damian, Gegner der Dialektik; De Divina Omnipotentia.
1022Tod Notker 'der Stammler'; Aristoteleskommentare (teilw. in Althochdeutsch), De Syllogismis.
1033-1109Anselm v. Canterbury; Monologion (Soliloquium), Proslogion (ontol. Gottesbeweis), De Veritate, Dialogus de Grammatico. Letzterer stellt die Frage, ob grammaticus eine Substanz oder eine Qualität bezeichne. Dabei verwendet Anselm eine Unterschiedung zwischen signifikativem und appelativem Gebrauch. Bahnbrechend ist Anselm auch durch die gewollt logische Form seiner Argumentation.
1050-1125Roscellin v. Compiègne, Mitbegründer des scholastischen Nominalismus ('flatus vocis'). Prantl verweist auf einen Brief Roscellins an Abaelard, (München Cod. lat. 4643), den Schmeller veroeffentlicht habe (in Abhdl. d. philos.-philol. Cl. d. k. bayr. Akad. d. Wiss. V, 3, p. 189ff).
1029Tod Fulbert.
1050Avicebron (Ibn Gabirol); Fons Vitae.
1054Endgültiger Bruch zwischen römischer und griechischer Kirche.
1058-1111Al-Ghazali (Algazel); Widerspruch der Philosophie (Tahafut al-falasifah).
1059Laterankonzil verbietet Laieninvestitur.
1059, 1079Berengar verurteilt (Eucharistiestreit).
1070-1142 (?)Adelard v. Bath, unternimmt von Spanien aus Reisen nach Italien, Sizilien und in den vorderen Orient; De Eodem et Diverso, Quaestoines Naturales. Übersetzt Euklids Elemente und Schriften von Al-Kwarithmi (Algorithmus) aus dem arabischen (ca. 1115). Editionen: Des Adelard v. Bath Traktat De Eodem et Diverso, Beiträge IV, 1, ed. H. Willner; Quaestiones Naturales, Beiträge XXXI, ed. Willner.
1070-1121Wilhelm v. Champeaux, Schüler von Manegold v. Lauterbach, Anselm und Roscellin. Lehrer von Abaelard, Freund von Berhard v. Clairveaux. Quellen in De Rijks Logica Modernorum II, Assen 1967.
1075Papst Gregor VII droht mit Absetzung und Bann des Königs (Investiturstreit)
1276Die Reichssynode von Worms spricht die Absetzung von Papst Gregor VII aus.
1076-1142Peter Abelard 'Peripateticus Palatinus', bekannt auch durch die 'Leidensgeschichte' der Affäre mit seiner Schülerin Heloise. Dialectica, Sic et Non, Ethica seu Scito Teipsum, Glossae 'Logica Nostrorum' und 'Logica Ingredientibus'. Gilt auch als Begründer der scholastischen Methode, entgegengesetzte Meinungen zu finden und zu versöhnen (Sic et Non). Zu seinen Schülern gehören John v. Salisbury, Arnold v. Brescia, Otto von Freising und (indirekt) Wilh. v. Shyreswood. Editionen: Dialectica, ed. L. M. De Rijk, für die Glossen siehe Minio-Paluello, 12th Century Logic, Texts and Studies, Rom 1958.
1077Seldschunken, um 1000 islamisiert und seit 1039 dominant in Baghdad, erobern Jerusalem.
1077Heinrich der IV geht nach Canossa, um dort die Absolution zu erlangen (Investiturstreit)
ca. 1080-1154 Gilbert v. Poirée (v. Chartres oder Porreta); Boethius-Kommentare.
1085Domesday Book (England)
1085Fall Toledos (Reconquista).
1088Tod Berengar.
1090-1153Bernhard von Clairvaux (Zisterzienser), Gegner von Abaelard und Gilbert v. Poitiers.
1095-1164Petrus Lombardus, Verfasser der weithin kommentierten Sententiarum libri quattuor.
Bich I: Trinität, II: creatio, III: Inkarnation, IV: signa.
1096-1291Erster Kreuzzug.
1098Zisterzienser gegründet.
1099Jerusalem zurückerobert.
12. Jh.Ausweitung überregionalen Verkehrs, Entwicklung der Geldwirtschaft. Entstehung von Universitäten.
1109Tod Anselm v. Canterbury.
1112/4Abaelard beginnt mit der Kommentierung des Organon.
1116Adelard v. Bath: De Eodem et Diverso.
1117Tod Anselm von Laon, Schüer des Anselm v. Canterbury, Lehrer von Wilh. v. Champeaux und Abaelard.
1118-1180Johannes v. Salibury; Metalogicon, Policraticus. Gibt erstmals eine Übersicht über die sog. logica nova: erste und zweite Analytik, Soph. Elench., Topik. Die Werke waren allerdings Thierry v. Chartres bereits bekannt gewesen.
1121Tod Wilh. v. Champeaux.
1122Wormser Konkordat: Der König verzichtet endgültig auf die Investitur.
1125Tod Roscellin.
ca. 1125Wilh. v. Conches: Philosophia Mundi.
1125-1151Joscellin (Gauslenius) Bischof von Soisson, wird im Metalogicon als Vertreter der Lehre erwähnt, universalia kämen durch collectio zustande.
1126-1198Averroes 'der Kommentator' (Ibn Rushd), Leibarzt am almohadischen Hof, Kadi in Sevilla und Cordoba. Verf. der von Albertus Magnus und seinem Kreis verarbeiteten Aristoteleskommentare und einer Gegenschrift zu Al-Ghazalis Widerspruch der Philosophie (Tahafut at-tahafut).
1135-1204Moses ben Maimon (Maimonides), Verf. des Führers der Unschlüssigen und eines Traktats zur Logik (Millot ha-higgayon).
1140Die Synode von Sens verurteilt Abelard, dieser geht nach Cluny.
ca. 1140Koranübersetzung in Cluny.
ca. 1144Wilh. von Conches: Dragmaticon.
1142Tod Abaelard.
1142Tod Adelard v. Bath.
1147Bernhard von Clairvaux ruft zum zweiten Kruezzug auf, der jedoch 1149 mit einer schweren Niederlage endet.
1151Tod Thierry v. Chartres.
1152-1190Friedrich I 'Barbarossa'.
1153Tod Bernhard v. Clairvaux.
1154Tod Gilbert v. Poirée.
1154-1180Ars Meliduna (Logik). Enthält Abhandlungen über
  1. Termini (universalia, Kategorien, singularia),
  2. Propositionen (kategorische, hypothetisch konjunktive und disjuktive, implizite (?))
  3. essentia, enuntiabilia.

ca. 1159Tod Adam v. Petit-Pont (Parvipontanus oder v. Balsham); Ars Disserendi (1132). Editionen: Minio-Paluello, Twelfth Century Logic, Texts and Studies I, Roma 1956; L. M. De Rijk, Logica Modernorum I, Assen 1962.
1164Tod Lombardus.
1168-1253Robert Grosseteste (Capito); De Luce seu De Inchoatione Formarum, Hexaemeron, Comm. in Post. Anal. libros.Grosseteste kennt offenbar die Kommentare des Themistius und verwendet in seiner Logik häufig Beispiele aus der Geometrie. Außerdem bedient er sich dem arabischen Nachgebildeter Worte wie 'quidditas', facultates, dignitates. Seine Ideenlehre weist einen deutlichen Bezug zu der Augustins auf. Er übersetzte unter anderem die Dialektik von Damascenus.
1180Tod Johannes v. Salisbury als Bischof von Chartres.
ca. 1180Fallaciae Parvipontani, Adaption der Soph. Elench. Wegbereitend fü die Suppositionslehre durch die Bestimmung der univocatio als 'Wechsel des Gegenstands bei gleichem Signifikat'. Edition: L. M. De Rijk, Logica Modernorum I, Assen 1962.
1189Dritter Kreuzzug, ausgelöst durch das Vordringen Saladins.
1192Waffenstillstand mit Saladin.
1193-1280Albertus Magnus der Große (oder von Köln) 'Doctor Universalis' (Dominikaner); diverse Kommentare. Setzt sich fü unvoreingenommene Lektüre des Aristoteles und Averroes ein, schreibt auch über Pflanzen- und Tierkunde, Astronomie.
1195Averroes wird angeklagt, den Islam zu zerstären und aus Cordoba verbannt.
1198&dagger Averroes.
1200Logica cum sit Nostra, als Lehrbuch in Oxford während des 13. und 14. Jh. in Gebrauch, adaptiert auch von Shyreswood und Burleigh. Enth. Traktate De Proprietatibus Terminorum. Edition: L. M. De Rijk, Logica Modernorum II, Assen 1967.
13. Jh.Zahlreiche Stadtgründungen. Institutionalisierung der Universität. Das Geamtwerk des Aristoteles ist übersetzt, die Logik erhält eine Sonderstellung gegenüber den anderen trivia.
1205-1277Petrus Hispanus (Juliani) Portugalensis: geb. in Lissabon, Studium in Paris 1220, Siena (Medizin) 1245. Papst Johannes XXI 8.9.1276 - 20.5. 1277 (mitunter auch XX oder XIX aufgrund eines Zählungsfehlers). Er kam wahrsch. bei einem Deckeneinsturz in Viterbo ums Leben. Schriften: Kommentar zu Ps. Dionys, Über die Seele. Leitet 1277 eine der umfangreichsten Verurteilungen des Aristotelismus ein.
1209Erste franziskanische Gemeinschaft.
1210Johannes Eriugenas Werke werden verboten.
ca. 1210Erste Vorlesungen zu Metaphysik und Naturwissenschaft in Paris, Verbot von aristotelischen Schriften.
ca. 1214-1292Roger Bacon (Franziskaner), Schüler von Wilh. v. Shyreswood; De Multiplicatione Specierum, Summulae Dialectices.
1215Das Laterankonzil verbietet die Teilnahme von Klerikern an Gottesurteilen.
1215Weiteres Verbot von Aristotelischen Schriften.
1215Magna Charta libertatum (England).
1217Dschingis Khan fällt in Iran und Turkestan ein, Samarkand wird geplündert.
1223Bestätigung der Franziskaner
1224Gründung der königlichen Universität von Neapel.
vor 1225Petrus Hispanus (2), span. Dominikaner und Author der Syncategoreumata, schreibt seinen Tractatus (=Summulae Logicales). Wahrscheinlich Schüler von Lambert v. Auxerre und Wilhelm v. Shyreswood. Editionen der Summulae vonBochenski, De Rijk, der Syncategoremata von De Rijk.
1225-1274Thomas v. Aquin (Dominikaner), Schüler Alberts. Vermutl. Verf. eines Tarktats De Modalibus. Hauptwerk Summa Theologiae (1273), umfangreiche Aristoteleskommentare.
ab 1230Bekanntwerden der Schriften des Averroes im lateinischen Westen.
1231Der Papst garantiert die korporative Autonomie der Pariser Universität.
1231Weiteres Verbot der nueuen Aristotelischen Schriften.
1231Alexander v. Hales, Magister in Paris, tritt in den Franziskanerorden ein, damit ist erstmals ein Franziskaner auf dem Lehrstuhl.
1232/33Inquisition den Dominikanern übertragen.
1234Kodifizierung des Corpus juris canonici.
1234-1315Raimundus Lullus
1236Fall Cordobas.
40er JahreBacon kommentiert das Organon.
1248Sevilla zurückerobert.
Mitte 13. Jh.Lambert v. Auxerre
1252Erste Goldwährung in Florenz
1253Tod Grosseteste (Bischof von Lincoln).
1254-1517Herrschaft der Mameluken in Ägypten
1255Die 1210 und 1231 verbotenen Texte des Aristoteles werden öffentlich in das Lehrprogramm der Pariser Universität aufgenommen.
1266Roger Bacon: Opus Maius (für Papst Clemes IV).
1266-1273Thomas: Summa Theologiae.
1266-1308Johannes Duns Scotus 'Doctor Subtilis' (Franziskaner).
1269-1272Thomas kommentiert die Posterior Analytica
1270Tod Wilh. Shyreswood; Introductiones in Logicam, De Obligatione. Hier tauchen erstmals die Merkworte Barbara, Darii etc. (vollständig) auf; Ansätze lassen sich schon früher finden (Bochenski). Die Isagoge wird nicht mehr adaptiert.
1270-1271Thomas kommentiert De Interpretatione
1270-1280Boethius v. Dacien an der Pariser Artistenfakultät, kommentiert die Topik.
1274Tod Thomas.
ca. 1275-1344Walter Burleigh, Gegner Ockhams; De Puritate Artis Logicae.
1276Erste Papiermühle Europas in Fabriano, Italien.
1276Siger von Brabant muß wegen Häresievorwürfen Paris verlassen.
1277Verurteilung von Schriften des Thomas durch Robert Kilwardby, Erzbischof von Canterbury.
1277Der Bischof von Paris verurteilt 219 Thesen.
1277-1289Nach dem Tod von Clemens IV ist Bacon ohne Schutz, er verbringt 12 Jahre im Kerker.
1279Tod Robert Kilwardby.
1280Tod Albert.
seit 1280Die Gelehrten an der Artistenfakultät in Paris müssen einen Eid leisten, keine theologischen Fragen zu behandeln.
ca. 1280-1348Wilhelm v. Ockham (Franziskaner).
ca. 1285Quaestiones Alberti de modis Significandi (irrtümlich Albert dem Grßen zugeschrieben). Gehört in das Umfeld der 'Grammatica Speculativa', arbeitet u. a. mit den Begriffe terminus a quo/ad quem aus der ar. Physik.
1295In England etabliert sich das Parlament.
vor 1300Tod Siger v. Brabant, bekannt auch aus Dantes Paradiso X; Impossibilia.
14. Jh.Rezession.
1300Tod Richard v. Middleton
1300-1302Duns Scotus lehrt in Oxford.
ca. 1300Grammatica Speculativa des Thomas v. Erfurt. Noch Heidegger hät sie für ein Werk das Duns Scotus. I Mittelpunkt steht die Rede von modi significandi, essendi, intelligendi.
ca. 1300-1360Buridan, Gegner Walter Burleighs, bekannt auch durch 'Buridans Esel' (etwa bei Spinoza); Sophismata (ca. 1345), Summulae de dialectica, diverse Kommentare und Quaestionen. Editionen: Perutile compendium totius logicae Joannis Buridani ..., Venedig 1499; Sophismata, ed. T. K. Scott, Stuttgart 1977; Consequentiae, ed. Hubien, Louvain 1976.
1302Bulle Unam Sanctam von Bonifazius VIII.
1308Tod Duns Scotus.
1315Tod Lullus.
ca. 1316-1390Albert v. Sachsen; Perutilis Logica, Sophismata.
1317-28Ockham: Sentenzenkommentar.
ca. 1320Tod Dietrich v. Freiberg (Dominikaner); De origine Rerum Praedicamentalium, De Intellectu et Intelligibili.
ca. 1323Ockham: Summa totius Logicae.
1324Marsilius von Padua: Defensor Pacis.
ca. 1328Burleigh: De Puritate Artis Logicae Tractatus Longior.
1328Al-Ghazalis Tahafut wird ins lateinische Übersetzt.
1328Exkommunikation Ockhams wegen seiner Unterstützung einer Appellation gegen die päpstliche Entscheidung im Armutsstreit.
1330-1384John Wyclif, 'erster Ketzer Englands', sein Traktat De Universalibus wird 1410 in Prag öffentl. verbrannt
1330Ockham geht nach München.
1332Tod Durandus v. Pourcain
1339-1453Hundertjähriger Krieg zwischen Frankreich und England.
1344Tod Burleigh.
1348Gründung der Universität Prag
1348Tod Ockham.
1348Große Pest.
1349Tod Thomas Bradwardine
1360Tod Buridan.
1384Tod Wycliff.
1390Tod Albert v. Sachsen.
15. Jh.
1409Gründung der Universität Leipzig, deutsche Professoren und Studenten aus Prag ziehen hierher.
1431Jeanne d'Arc wird verbrannt.
1433-1499Marsilio Ficino, Übersetzer v. Platon
ca. 1450Erfindung des Buchdrucks
1453Byzanz fällt an das Osmanische Reich.
1459Gründung der platonischen Akademie durch Cosimo Medici in Florenz.
1483Geburt Luthers.
1492Entdeckung Amerikas

Zum Universalienstreit

(bei Avicenna)

Allgemein akzeptierte Grundsätze sind stets:

universale intelligitur, singulare sentitur (offenbar aus De Anima)

res de re non praedicatur

Üblich ist auch die Einteilung in universalia

  • ante rem,
  • in re,
  • post rem.

Prantl vermutet arabischen Ursprung (Al-Farabi, Avicenna, Prantl II p. 306, 349). Allerdings dürfte diese Einteilung derjenigen in idea (ante rem) und species intelligibilis bzw. eidola (post rem) nachgebildet sein, die sich in der Augustinischen Ideenlehre und der Metaphysik Z 8 findet (?).

Vorgeschichte

Entscheidend für die Problemgeschichte ist folgende Passage aus der Isagoge, cap. 1 ('prima quaestio'):

Was (...) bei den Gattungen und Arten die Frage angeht,
  • ob sie etwas wirkliches sind, und ob sie, wenn wirklich,
    • körperlich oder unkörperlich sind, endlich
    • ob sie getrennt für sich oder in und an dem Sinnlichen auftreten,

so lehne ich es ab, hiervon zu reden.

Boethius hatte dies (aus dem griech.) übersetzt:

Mox de generibus et speciebus illud quidem, sive subsistant, sive in solis nudis intellectibus posita sint,...

Er spitzt dabei die Frage auf diejenige zu, ob es ein Irrtum sei, von seienden universaliazu sprechen (Tweedale, Abailard on Universals) und gibt eine kurze Antwort. Das Problem, das sich stellt, gibt er auch wie folgt wieder:

  • totum genus in pluribus singulis uno tempore positum unum non esse possit
  • unum quoddam genus esse non poterit, quo fit ut omnino nihil sit (Tweedale)

Er entgegnet im wesentlichen, daßuniversalia in körperlichen, sinnlichen Dingen vorlägen (subsist), aber selbst nicht körperlich seien, sondern in Gedanklen abtrennbar seien. Damit bezeichne ein genuseine Ähnlichkeit, die zwischen Einzeldingen herrsche (Kneale+Kneale).Letzteres scheint auch sein letztes Wort zur Frage zu sein:

quidcirca cum et genera et species cogitatur, tunc ex singulis in quibus sunt eorum similitudocolligitur,

quae similitudo cogitata animo veraciterque perspecta fit species.

D.h. ein genus ist eine Sammlung von similitudines.

genera et species subsistant quidam alio modo, intelliguntur vero alio modo (Tweedale).

Verschiedene Parteien

Einen Überblick über diverse Parteien zur Streitfrage gibt John v. Salisbury, Metalogicon ii.

universalia und Differenzen

Johannes Scotus Eriugena schließ mit seinem Beitrag zum Universalienstreit an die Emanationslehre des Pseudodionys an. Grob angedeutet: Aus dem Einen entwickelt sich durch Differenzierung die diesseitige Welt. Da aber Logik, und insbesondere der Gebrauch von universalia, es mit Unterscheidungen und similitudo zu tun haben, handelt sie nicht vom Wesen der Dinge (vor der Schöpfung). Die scotistische Schöpfungs- und Naturlehrewäre aber zum genauen Verständnis im Detail zu schildern.
An die Vorstellung von der Unwirklichkeit jeder Differenz knüpft auch die Indifferenzlehre an (Prantl II p. 138f.). Universalia bestehen ihr gemäß gerade in dem Fehlen von Differenzen. Zwar scheint z. Bsp. Adelard von Bath ohne weiteres anzunehmen, Differenzen seien an sich gegeben, und nur der menschliche Intellekt erzeuge durch Auslassung Universalität (Prantl II p. 140). Aber hier herrscht folgendes komplizierteres Verhältnis:

  • ante rem, vor der Schöpfung oder in Gottes Intellekt, herrscht bzgl. der universalia reale Differenzlosigkeit,
  • in re, in der Welt, ist jedes Ding individuell differenziert,
  • post rem, im menschl. erkennenden Intellekt, können universalia nur durch Auslassung von Differenz erkannt werden.
    Vertreter einer Indeifferenztheorie, deren 'characteristic is (...), in effect, to identifa particulars with the universal' (Marenbon p. 132) ist Adelard von Bath.
    Andere Ansichten, wie evtl. die von Joscellin v. Soissons, nehmen an, Differenzlosigkeit entstehe für den erkennenden Intellekt weniger durch Auslassung, als vielmehr Zusammenstellung (collectio).

Nominalismus

Hrabanus formuliert etwas schärfer als Boethius:

Nihil aliud est genus quam substantialis similitudo ex diversis speciebus in cogitatione collecta (Prantl)

Die Formulierung, universalia seien nur flatus vocis, findet sich bei Anselm, der sie Roscellin zuschreibt ('qui nonnisi flatum vocis putant esse universales substantias', Prantl II p. 78). Folgende nominalistische Thesen scheinen argumentativ eng zusammenzuhängen:

  • Es gebe nur (sinnlich erfahrbare) individuelle Einzeldinge in der Welt,
  • Relationen der Gleichheit und Verschiedenheit sind nicht (sinnlich) real.
  • Termini, die nichts (sinnlich) reales bezeichnen, bezeichnen nichts (substanzielles), d.i. ihre Substanz selbst ist der bloße Lufthauch, den ihr Aussprechen erzeugt.

John v. Salisbury weist darauf hin, daß es entscheidend ist, von welchen 'nomina' die Rede ist beim Nominalismus. Man könne als Sitz der Universalität mit Roscellin die vox, aber auch mit Abaelard die sermo ansehen (Prantl II p. 81, Metalogicon II, 17).

Platonisten

Demgegenüber stehen im wesentlichen (neu)platonische Ansichten, nach denen universalia ebenso reale Dinge sind wie ideae.

De Generibus et Speciebus

Die von Cousin fälschlich Abelard zugeschriebene Schrift bringt folgende Argumente (Prantl II p. 143ff.):

  • Worte können, da sie in der Zeit entstehen und vergehen, nicht als Substanzen dienen.

    Item voces nec genera sunt nec species nec universales nec singulares nec praedicatae nec subiectae, quia omnino non sunt; nam ex his, quae per successionem fiunt, nullum omnino totum constare, ipsi qui hanc sententiam tenent, nobiscum credunt.

    Diese etwas schlichte Auffassung, Worte könnten nicht Subjekt eines Prädikats sein, wird durch die Suppositionslehre berichtigt werden.

  • Kein Wort steht einem anderen Wort im Verhältnis von Stoff zu Form.

    vox vocis nullo modo est altera alterius materia.

    Dies erinnert an den allgemein akzeptierten Satz 'res de re non praedicatur'.

  • Nimmt man an, der universale Gehalt müsse vollständig individualiter in re vorliegen, so kommt es zu logischen Problemen bzgl. transitorischer Gattungsmerkmale. Brisant wird das etwa bei rationalitas, die ja ein Vermögen ist, etwas zu tun oder zu lassen.

Die Lösung, auf die hiermit abgezielt wird, besteht in der Annahme von Individuen (modern gesprochen) qua token eines types. Ein type setzt sich nicht einfach aus Individuen zusammen, und ein token kann nur als instanziierter type als Angehöriges einer Gattung erkannt werden. Der unbekannte Verfasser fordert also dzu auf, in den Angehörigen einer species sogleich Instanzen eines types bzw. materialisierte Formen zu sehen.

Ubi enim Socrates est, et homo universalis ibi est, secundum totam suam quantitatem informatis Socratitate; quidquid enim res universalis suscipit, tota sui quantitate retinet... (Prantl II p. 130).

In diesem Sinne kann er sich auch gegen die Auffassung aussprechen, universalia würden durch das Denken den Dingen 'angefügt'.

Ähnlich wie der Author von De Generibus et Speciebus scheint sich auch Wilhelm von Champeaux zu äßern in dem Sinne, daß Einzeldinge stets individualisiertes Allgemeines seien (Prantl II p. 129).Jolivet bemerkt, Wilhelm sei später zur Indifferenzlehre übergegangen (in der Encyclopédie Philosophique Universelle, Oeuvres I).

Universeller Gebrauch

Aristoteles (latinus) hatte das universale definiert als 'quod natum est de pluribus praedicari' (De Int.).Entsprechend äßert sich John v. Salisbury zwar zunächst wie folgt:

Nihil autem universale est nisi quod in singularibus invenitur (Prantl II p. 249).

Mit Bezug auf Aristoteles' Anal. post. I 22 bezeichnet er dann aber die universalia als Erdachtes (figmentum), das zum Zeigen verwendet werde:

Ergo ex sententia Aristotelis genera et species non omnino quid sit, sed quale quid quodammodo concipiuntur et quasi quaedam sunt figmenta rationis se ipsam in rerum inquisitione et doctrina subtilius exercentis (...) Possunt et monstra dici, quoniam invicem res singulas monstrat et monstrantur ab eis (Prantl II p. 251).

Einer solchen gemäßigteren Haltung entsprechen Theorien, laut denen Universalia einen Zustand oder eine 'Handhabung' von Einzeldingen bezeichnen (maneries- oder status-Lehre, Prantl II pp. 124, 137). Diese Tendenz drückt sich schließlich auch bei Abelard aus, indem er darlegt, universal sei der Gebrauch eines Wortes (sermo), nicht es selbst (vox) oder sein Denotat (Prantl II p. 174).

Abaelard

Zur Unterscheidng zwischen sermo und vox: Logica Nostrorum, Geyer 522.

Das Wort als Sinn verdankt sich sich menschlicher Einrichtung (ex hominum institutione), und es ist etwas Eigenes, auch wenn es keine sinnvolle Rede gibt, die nicht auch physischer Laut wäre. (...) Auch die intramentale Seite des Sprechens untersuchte Abaelard genauer: hier wollte er unterschieden wissen zwischen der psychischen Bewegung des Erkenntnisaktes und dessen semantischem Gehalt (Flasch, Denken p. 217).

Duns Scotus

Die Spätscholastik ist in der Lage, auf einen reichen Fundus an Modellen, Argumenten, und Fachtermini zurückgreifen zu können. Exemplarisch ist etwa der Beitrag des Duns Scotus zum Universalienstreit.
Zunaächst bestimmt Duns Scotus das Gebiet der Logik als 'weder die Dinge noch die Worte', wobei er letztere als sermones bezeichnet.

Logica non est scientia realis nec sermocinalis, quia nec sermonem nec sermonis passiones considerat (...)medium inter rem et sermonem vel vocem est conceptus. (...)
Ita potest aliqua scientia esse per se de conceptu, et haec est logica, unde per se habet dici scientia rationalis, ... (Qu. in Praedicam. 1).

Bzgl. der Universalienfrgae setzt er wie folgt an:

Universale est ens, quia sub ratione non entis nihil intelligitur, quia intelligibile movet intellectum (Qu. sup. Porph. 4)

Also sind universalie wenigestens insoweit Dinge, als sie erkannt werden können. Die läßt sich aber differenzierter betrachten:

[Universale] effective est ab intellectu, sed materlialiter sive originaliter sive occasionaliter est a proprietate in re, figmentum vero minime est (ibid.).

Der hier vertretende Realismus muß also evtl. nur als die Ablehnung des radikalen Standpunktes gesehen werden, universalia seien bloße figmenta. Sie sind real, was ihre unmittelbare Herkunft (occasionaliter) und ihre Materie angeht. Was ist damit gesagt, sie seien effective ab intellectu?

Intellectus facit universalitate in rebus (ibid. 9, Der Spruch stammt aus der arab. Literatur: Prantl III p. 207)

Es ist zwar der Intellekt, der die Universalität in die Welt bringt, aber bringt sie eben in die Welt, und nirgendwohin sonst.
Unter Verwendung der Unterscheidung zwischen intentio prima und secunda unterscheidet Duns Scotus wie folgt:

  • Quandoque enim sumitur [universale] pro subiecto, i.e. pro re primae intentionis, cui applicatur intentio universalis, et hoc modo universale est primum obiectum intellectus;
  • quandoque sumitur pro forma, sc. pro re secundae intentionis causata ab intellectu et applicabili rebus primae intentionis, et sic loquitur logicus proprie de universali;
  • tertio modo pro aggregato ex subjecto et forma, et illud est ens per accidens, quia aggregat diversas naturas, ex quibus non fit unum per se (Qu. sup Porph. 3),

Wobei die universalia qua Gegenstände der beiden intentiones jeweils folgende sind:

  • Universale accipitur aliquando pro intentione secunda, quae sequitur operationem primam intellectus, qua intelligitur quidditas absolute, (...) et isto modo est in intellectu tanquam aliquid factum per operationem intellectus (...).
  • Aliquando autem universale accipitur pro re subiecta intentioni secundae [also pro intentione prima bzw. deren Gegenstand], i. e. pro quidditate rei absoluta, quae, quantum est de se, nec est universalis nec singularis, sed de se est indifferens; et tale est obiectum intellectus directum, non autem est in intellectu subiective, sed tantum obiective (Qu. De An. 17,14).

(Prantl III p. 208: subiective bedeute hier gerade wirklich, während obiective von obiicere als 'vorstellig gemacht' zu verstehen sei.)
Die universalie ante rem scheinen somit der quidditas zu entsprechen, post rem der Denkform oder dem Objekt der secunda intentio. Von der quidditas eines Dinges, als dessen allgemeiner Form oder Idee ist die haecceitas oder entitas positiva abzugrenzen. Letztere macht ein Ding zu einem Individuum, die haecceitas will also eine Antwort auf die Frage nach dem principium individuationis geben. Thomas hatte hier noch die Materie herangezogen, Duns Scotus folgt dem Aristoteles der Metaphysik Zeta (tode ti einai), der dort freilich nicht genau nach dem principium individuationis gesucht hatte. So wie die quidditas dem universale ante rem entspricht, scheint die haeccitas dem individuale ante rem bzw. in re zu ensprechen.Wie die universalia realiter in re oder in suppositis (Qu. sup. Porph 11) seien, wird anhand der species-Theorie entwickelt (siehe dazu neben Bacon auch De Anima III 7, 431a14, sth Ia 86,1 und De Unitate Intellectu).
Diese species können gleichermaßen im Ding wie auch im Medium der Sinneswahrnehmung sein (Qu. de rer. princ. 14, Prantl III p. 210). Damit (in reichlich schlichter Weise) kann behauptet werden, universalia post rem seien erworbene Formen der Dinge:

Omnes virtutes sensitivae ordinatae sunt ad intellectum; prius enim apprehenditur species a sensibus exterioribus, et postea a sensu communi, tertio a phantasia, quarto ab intellectu, et ita intellectus in cognoscendo aliquo modo dependet a potetiis sensitivis (...), et loquor de intellectu, secundum quod congnoscitur per species acquisitas (Qu. sup An. Post. I, 46).

Die Aufgabe der species scheint es hierzu sein, das Singuläre mit dem Allegemeinen zu verbinden: Sie können zwar mit den Sinnen erfßt werden (singulare sentitur), aber enthalten ihre allgemeine Bestimmung, indem sie Formen der Dinge sind.

intellectus agens facit universalitatem in rebus per hoc, quod denudat ipsum quod quid est in phantasmate existens (Sent. II d. 3, q. 1).

Im allgemeinen beschreibt Duns Scotus die Funktion der species so:

Species intelligibilis requiritur in intellectu propter duo.
  1. Unum est, si res intellecta sit corporalis, quia species sensus (...) propter suam materialitatem et impropoertionem non possent movere intellectum; et ideo est necesse, ut fiat ab eo abstractio seu, ut melius dicam, multiplicatio speciei intellibilis virtute luminis intellectus agentis. (...)
  2. Secundo reqiritur species propter obiecti absentiam (...) (Qu. de rer. princ. 14,3).

Erste Aufgabe ist also die Ermöglichung der Erfassung singulärer, körperlicher Dinge durch den Intellekt, indem nämlich nicht die Dinge selbst, sondern deren species intellibiles erfßt werden. Zweitens können species Gegenstände repräsentieren, die gerade abwesend sind oder noch zukünftig sind. Neben universalia und ideae ante rem kann es offenbar auch species ante rem geben.
Aus ähnlichen Motiven galten wohl auch Avicenna die species, und erst sekundär die Dinge selbst, als Gegenstand der Sprache. Denn Sprache kann benennen, was noch nicht ist. Vgl. hierzu Avicennae perhypatetici ... opera in lucem redacta, Venedig 1508, Logik (f. 3 r. B): Dort grenzt Avicenna den Gegenstandsbereich der Physik von dem der Logik ab, letztere habe es mit 'res (...), secundum quod sunt in intellectu' zu tun (Prantl II p. 323).Duns Scotus präzisiert:

Species intelligibilis immediate significatur per vocem, sed illa dupliciter consideratur:
  1. aut inquantum est quid accidens [Prantl III p. 214: excitans] sc. informans animam,
  2. aut inquantum repraesentat rem.

[1] Primo modo non significatur per vocem (...) sed
[2] secundo modo; cum enim omne signum, inquantum signum, sit signum signati, sequitur, quod vox significans similitudinem, inquantum signum rei, significat psam rem, sed mediatae, quia sc. immediate significat id, quod est signum ei, inquantum et signum (...) (Qu. sup. Periherm. I 2)

Unmittelbarer Gegenstand der Wortbezeichnung sind die passiones animae (i.e. conceptus intellectus), nicht die quidditas der Dinge selbst (Prantl III p. 214; Op. II sup. Periherm 1).
(...)

Trinitätsstreit

(...) zwischen Abelard, Lombardus und Bernhard v. Clairvaux. Siehe Flasch, Denken.Roscellin soll die Auffassung vertreten haben, die Trinität bestehe in drei Individuen (Prantl II, p. 79, Anselm, De f. Trin., Epist. II, 41 (?)):

quia Roscellinus clericus dicit, in doe tres personas esse tres ab invicem separatas, sicut sunt tres angeli, ita tamen ut una sit voluntas et potestas, aut patrem et spiritum sanctum esse incarnatum, et tres deaos vere posse dici, si usus admitteret.


Principium Individuationis

siehe Ibn Gabirol (Avencebrol), Fons Vitae: Materie ist bloß principium individuationis (was immer das je sei) (Flasch, Denken p. 293).
(...)

Suppositionslehre

Siehe auch Soph. Elench., 165a3-13.

Zur Vorgeschichte

Kneale und Kneale verweisen auf ein Vorbild für den Suppositionsbegriff aus der Grammatik:

In the passages of Priscian to which we have referred suppositum might also be translated by 'subject', and there can be no doubt that the word came to have this sense in medieval writings on grammar, where it is commonly contrasted with appositum, or predicate (Development of Logic, p. 251).

Boehner nennt Abaelard und Anselm als Vorläufer:

In the middle of the 13th century we already encounter tracts on supposition, although this doctrine was known at a much earlier date. Its origins are as yet shrouded in darkness, but we certainly have grounds for assigning an important part in its devolpment to Abelard and the older grammarians, and, most probably, to St. Anselm (Medieval Logic, p. 27)

Boehner verweist hier auf Joseph P. Mullaly, The Summulae Logicales of Peter of Spain, Publications in Medieval Studies 8, Notre-Dame 1945.

Im Dialogus de Grammatico behandelt Anselm die Frage, ob das Wort 'grammaticus' eine Substanz oder eine Qualität bezeichne. Dabei diskutiert er den kategorialen Unterschied zwischen den beiden Eignschaften, homo zu sein, und grammaticus:

M. Dic ergo: homo est substantia an in subiecto?
D. Non est in subiecto, sed est substantia.
M. Grammatica est qualitas et in subiecto?
D. Utrumque est (Prantl II p. 93).

Dies führt zur Unterscheidung eines signifikativen von einem appelativen Gebrauch.

  • Eigennamen und Namen für natürliche Arten sind stets signifikativ, da sie durch ihre Merkmalsbestimmung stets Substanzen bezeichnen, also Dinge, deren Wesen es ist, diebezeichneten Eigenschaften zu haben. Wird ein akzidentelles Prädikat signifikativ (per se) gebraucht, so bezeichnet es nicht einen Träger der betreffenden Eigenschaft, sondern die Eigenschaft selbst. Signifikativ gebraucht bedeutet ein Wort also nichts anderes, als es explizit beschreibt.
  • Appelativ werden akzidentelle Prädikate gebraucht, um die Träger der Eigenschaft zu bezeichnen. In diesem Sinne bezeichnet das Wort grammaticus nicht die Grammatik, sondern einen Menschen. Für gewisse, substanzielle Terme ist ein appelativer Gebrauch nicht möglich, sofern man nämlich nicht einen Träger der 'Eigenschaft', homo zu sein, unabhängig von dieser 'Eigenschaft' identifizieren kann.

Die Terminologie, bemerkt Prantl, ist bei Boethius bereits vorgeprägt. Anselm schreibt:

Quapropter quamvis omnia simul velut unum totum sub una significatione uno nomine appellentur homo, sic tamen principaliter hoc nomen est significativum et non appellativum substantiae (...). Grammaticus vero non significat hominem et grammaticam ut unum, sed grammaticam per se et hominem per aliud, et hoc nomen quamvis sit appellativum hominis, non tamen proprie dicitur eius significativum, et licet sit significativum grammaticae, non tamen proprie est eius appellativum (Prantl II p. 93)

Abelard bereitet in seinem Beitrag zur Universalienfrage die Suppositionslehre vor, indem er zwischen vox und sermo bzw. dictum propositionis unterscheidet. Es spricht einiges dafür, die Traktate De Propprietatibus Terminorum für ein späteres Erzeugnis seiner Schule zu halten.

Motivation

In der Suppositionslehre werden Regeln zur Ersetzung von allgemeinen Begriffen durch singuläre Termini formuliert. Dies entsprcht dem modernen Verfahren, zu einer Prädikatenlogik Termmodelle zu konstruieren. Die mittelalterliche Diskussion schließt aber inhaltlich eher an den Universalienstreit an, indem ein Weg zur Elimination von universalia angegeben wird. Man kann dies,insbesondere bei Ockham, als eine Erläterung des Universalen mit singulären Mitteln ansehen.
Andere Wurzeln der Suppositionslehre scheinen in der einfacheren Appelationslehre zu liegen. Die Suppositionslehre hat dabei das Aussehen einer Präzisierung der früheren, einfacheren Appelationslehre. Letztere hatte das 'appellatum' einer Rede als ein aktual vorhandenes Ding bestimmt. Dagegen kann das 'suppositum' ein Wort, ein Begriff,oder sogar Nichtvorhandenes sein. In diesem Sinne ist die Suppositionslehre einfach eine ausgefeilte formale Semantik, die es erlaubt, unterschiedliche Gebrauchsweisen referierender Termini auch durch ihren pragmatischen Kontext zu bestimmen, die man heute mit Unterscheidungen zwischen 'use' und 'mention' oder Meta- und Objektsprachen diskutieren würde.
Vor allem aber steht die Suppositionslehre an der Stelle der modernen Quantifikationstheorie: durch die Unterscheidungen waren die Logiker in der Lage, Sprachgebrauch und -analyse zu präzisieren.

Eine Anwendung

Thomas bejaht in sth III 16,6 die Frage, ob Gott zum Menschen geworden sei, und stellt im darauf folgenden Artikel stellt er die Frage, ob auch der Satz 'homo factus est Deus' wahr genannt werden dürfe. Das Argument im vierten videtur schlägt die Brücke:

Cum dicitur: 'Deus factus est homo', subjectum factionis vel mutationis non est Deus, sed humana natura, quam significat hoc nomen 'homo'. Sed illud videtur esse subjectum factionis cui factio attribuitur. Ergo haec magis est vera: 'Homo factus est Deus'.

Die Antwort lautet, daß der Terminus an Subjektstelle für die Materie stehe, um die es geht, oder für das Suppositum. Was im Praedikat aber gesetzt werde, gelte nur von der Form oder Natur des Suppositums.

Dicendum quod terminus in subjecto positus tenetur materialiter, id est, pro supposito; positus vero in paedicato tenetur formaliter, id est, pro natura significata (ad 4).

(tenetur materialiter ist nicht zu verwechseln mit supponitur materialiter: es bedeutet gerade soviel wie supponit (qua materia praedicationis). Bochenski läßt sich p. 189 zu unrecht irritieren.)Es identifiziert also in dem Satz 'Homo factus est Deus' das 'homo' einen Menschen als Suppositum, dem das Prädikat 'factus est Deus' formaliter beigelegt werde. Wenn aber de facto von einem Menschen die Rede ist, kann dieses Prädikat nicht mehr zutreffen.
Thomas bereitet seine Antwort durch folgende Einordnung vor:

'homo' non habet personalem suppositionem, sed simplicem. Licet enim hic homo non sit factus Deus, quia hoc suppositum, scilicet persona Filii Dei, ab aeterno fuit Deus, tamen homo communiter loquendo, non semper fuit Deus.

Die Terminologie zeigt hier folgenden Unterschied an:

  • Hätte 'homo' im Satz 'Deus factus est homo' eine Supposition personalis, so wäre in dem Satz von einem Menschen die Rede, zu dem Gott geworden wäre. Es gäbe also auch einen Menschen, der erst Mensch, dann Gott gewesen wäre. Dies ist aber falsch, da nichts Gott sein kann, das es nicht schon immer war.
  • Als suppositum simplex genommen ist der Gegenstand von 'homo' nicht einfach ein Mensch. Er ist vielmehr etwas menschliches. Das suppositum simplex von 'homo' ist nicht die Substanz, auf die das Wort Mensch referiert (significat). Es ist vielmehr die Qualität, Mensch zu sein.

Richtig verstanden besagt der Satz also: Gott hat die Qualität angenommen, Mensch zu sein. Von einem Menschen als Menschen ist nicht die Rede.Thomas veranschaulicht dies mit dem folgendem erhellenden Beispiel:

sicut si Socrates, cum prius fuerit homo, postea factus est albus, demonstrato Socrate, haec est vera: 'Hic homo hodie factus est albus'; haec tamen est falsa: 'Hoc album hodie factum est homo' (ad 4).

Die verwendete Unterscheidung zwischen personaler und einfacher Supposition ist eine schwierige: das suppositum simplex eines Eigenschaftswortes ist nämlich nicht etwa die Eigenschaft selbst. Thomas will nicht sagen, Gott sei zu Humanität geworden. Es ist aber auch nicht der Träger der Eingenschaft, sondern überhaupt nicht eigens ein Subjekt einer Prädikation. Ein solches suppositum simplex könnte auch bei der Analyse eines Satzes wie

(1) Der Gärtner ist der Mörder

helfen, wenn nämlich betont werden soll, daß in einem Sinne nicht von dem Mörder die Rede ist, sondern vom Gärtner. Satz (1) sagt nämlich über den Gärtner, daß er der Mörder ist, was der Satz

Der Mörder ist der Mörder,

obwohl er vom selben Subjekt dasselbe aussagt, nicht tut.

Petrus Hispanus

Siehe Summula logicae, tract. VII.

Wilhelm von Shyreswood

Wilhelm grenzt die Suppositionslehre gegen die Theorien der significatio, copulatio und appelatio ab:

[1] Suppositio autem est ordinatio alicuius intellectus sub alio. Et est [1] copulatio ordinatio alicuius intellectus supra alium. Et notandum quod suppositio et copulatio dicuntur dupliciter, sicut multa huiusmodi nomina, aut [1] secundum actum aut [2] secundum habitum. Et sunt istae [1] definitiones earum secundum quod sunt in actu. Secundum autem quod sunt in habitu, [2] dicitur suppositio significatio alicuius ut subsistens (quod enim tale est natum est ordinatio sub alio) et dicitur copulatio significatio alicuius ut adiancentis (et quod tale est natum est ordinari supra aliud).

Er bestimmt mithin insbesondere:

  • suppositio secundum actum: ordinatio alicuius intellectus sub alio,
  • sappositio secundum habitum: significatio alicuius ut subsistens (quod enim tale est natum ordinari sub alio).

Suppositio ordnet einen intellectus als ein suppositum unter einen anderen, während copulatio zwei intellectus derart einander zuordnet, daß der zugeordnete als Prädikat (appositum) übergeordnet ist. In diesem Sinne entspricht die Supposition der compositio von Qualität und Substanz, die durch ein Nomen geleistet wird, die copulatio der Zusammenordnung durch eine Aussage. Entsprechend sollten Negationen unterschiedlich wirken, je nach dem welche Komposition sie zuerstören (Hispanus, Syncategoreumata).

Appelatio autem est praesens convenientia termini, i.e. proprietas secundum quam significatum termini potest dici de aliquo mediante hoc verbo est. Ex his patet quod
  • significatio [Kneale+Kneale lassen hier ein 'non' aus] est in omni parte seu dictione orationes.
  • Suppositio autem in nomine substantivo tantum vel pronomine vel dictione substantiva; haec enim significat rem ut subsistentem et ordinabilem sub alio.
  • Copulatio autem in omnibus adiectivis et participiis verbis.
  • Appelatio autem in omnibus substantivis et adiectivis et participis, et non in pronominibus, quia non significant formam aliquam sed solam substantiam, nec in verbis, quia verbum non significat aliquod quod apponitur per verbum substantivum, quia sic esset extra ipsum.

Nulla autem istarum trium, scilicet suppositio, copulatio, appelatio, est in partibus indeclinabilibus, quia nulla pars indeclinabilis significat substantiam aut aliquid in substantia (Kneale+Kneale p. 247).

Das bedeutet insbesondere, daß es ein suppositum nur für Terme gibt, die eine Substanz mitbezeichnen, und daß auch indeklinable Redeteile (Syncategoremata?) ein Signifikat haben.Kneale + Kneale geben folgende Einteilung (p. 252):

  • suppositio materialis
    • pro ipsa voce absolute (Lautbild)
    • pro ipsa dictione composita ex voce et significatione (entspr. conceptus/intentio animae)

  • suppositio formalis
    • simplex
      • pro significato sine comparatione ad res (manerialis - entspr. simplex absoluta)
      • pro significato comparato ad res
        • [mobilis sed] solum cum reduplicatione speciei (homo est dignissima creaturam)
        • [immobilis et] vaga (wie 'piper' in 'piper venditur hic et Romae')

    • personalis
      • determinata
      • confusa
        • confusa tantum
        • confusa et distributiva
          • mobilis
          • immobilis

Roger Bacon

Sumitur autem suppositio multipliciter.
  • Dicitur in uno modo petitio alicuius vel acceptio sine probatione cum indigeat probari vel possit.
  • Alio modo dicitur suppositio substantiva rei designatio, sicut dicimus quod substantiva nomina supponunt rem suam, id est, substantive designant.
  • Tertio modo dicitur proprietas termini communis per comparationem ad individua quae sunt eius supposita, secundum quod dicimus quod nomen commune, ut 'homo', significat qualitatem cum substantia, sive humanitatem, et supponit individua, scilicet Socratem et Platonem et alia.
  • Quarto modo dicitur suppositio proprietas termini sujecti, sive termini in quantum alii supponit et subicitur in oratione.

Gemäß der dritten Verwendungsweise des Begriffs suppositio unterscheiden sich Signifikation und Supposition darin vonainander, daß durch die Signifikation eine quasi-Prädikation durchgeführt wird. Signifikat ist etwas so-und-so bestimmtes. Das suppositum ist hingegen die reine Extension, die unabhängig von Prädikationen, als unbestimmte, erfaßt werden kann. Damit gerät das suppositum in die Nähe eines semantischen Gegenstandes de re, während man das Signifikat als Gegenstand de dicto bezeichnen könnte.
Signifikation und Supposition setzt Bacon mit einer kurzen Bemerkung gegeneinander ab:

Significatio autem est conditio vocis et termini de se, et non per comparationem ad aliud sub quo pnatur, et ideo tam extra orationem quam in oratione significato, supponit autem solum intra.

Dies ist im wesentlichen die Unterscheidung Ockhams. Unterschieden werden Suppositionen in

  • simplex
  • personalis
    • discreta
    • communis
      • determinata
      • indeterminata vel confusa
        • confusa tantum
        • confusa et distributiva sive modalis

Ockham

Ockham macht die Suppositionslehre zur Semantik, und verzichtet auf eine unabhängig davon bestehende Theotie der Signifikation (Kneale+Kneale p. 270).

Einteilung der Redeteile im Elementarium Logicae:

  • [synkategorematisch]
  • [kategorematisch]
    • [Verbum]
    • Est autem nomen vox significativa ad placitum sine tempore, cuius nulla pars separata per se significat, finita et recta (cap. 2). Nominum vero, quae categorematica sunt dicenda,
      • quaedam sunt nominae primae impositionis et
      • quaedam sunt secundae impositionis.

      Nomina primae impositionis sunt nomina quae non significant distiones ad placitum institutas nec grammaticalica accidentia earundem nec composita es dictionibus huiusmodi, sed res alias, sicut haec nomina et similia 'homo', 'animal', 'calidum', 'frigidum'.
      Nomina secundae impositionis vocantur nomina illa quae significant dictiones ad placitum institutas et accidentia ipsarum et composita ex huiusmodi dictiones sicut 'nomen', 'verbum', 'casus', 'modus', 'oratio', 'propositio', 'syllogismus' et huiusmodi.

      • Nomina vero primae impositionis
        • quaedam dicuntur nomina primae intentionis et
        • quaedam secundae intentionis.

        Nomina primae intentionis vocantur illa quae significant res, quae [non] sunt signa mentalia nec ad placitum instituta, sicut ista nomina et consimilia 'homo', 'animal', 'albedo', 'lapis', 'aer', 'ignis'.
        Nomina secundae intentions dicuntur illa quae significant intentiones animae, quae sunt signa naturali aliarum rerum, sicut 'species', 'genus', 'universale' et huiusmodi (cap. 3, cf. Summa totius Logica, cap. 11).

Damit verfügt Ockham bereits über eine Theorie der Metasprache. Die Suppositionslehre beschäftigt sich im Gegensatz zu dieser Theorie nicht mit dem Status der Terme, sondern mit ihrem semantischen Objekt.

Summa totius Logicae I, 63 Zunächst betont Ockham, daß die Supposition, im Gegensatz Signifikation, sich nur im Satzkontext ergebe:

Dicto de significatione terminorum restat dicere de suppositione, quae est proprietas conveniens termino sed mumquam nisi in propositione.

Allerdings hängt die Supposition auch vom Kontext der Satzäßerung ab:

Et si nulla res haberet albedinem nisi Sortes, tunc praedicatum praecise supponeret pro Sorte.

Ockham erlätert suppositio Stehen von etwas für anderes:

Dicitur autem 'suppositio' quasi 'pro alio positio', ita quod quando terminus in propositione stat pro aliquo, ita quod utimur illo termino pro aliquo de quo, sive de pronomine demonstrante ipsum, ille terminus vel rectus illius termini si sit obliquus verficatur, supponit pro illo.

Das suppositum in einem Aussageatz ist im allgemeinen das, von dem das Prädikat ausgesagt wird:

Et sic universaliter terminus supponit pro illo de quo - vel de pronomine demonstrante ipsum - per propositionem denotatur praedicatum praedicari, si terminus supponens sit subjectum.

Aus der Formulierung läßt sich auch der Sprachgebrauch ersehen:

Ein Terminus supponiert (aktiv) pro aliquo; das durch einen Terminus Bezeichnete ist suppositum (passiv) des Terminus.

In cap. 64 heißt es auch: suppositio competit vox.

I, 64 Einteilung der verschiedenen Arten von Suppositionen eines Terminus:

  • Suppositio personalis, universalite, est illa quando terminus supponit pro suo significato, sive illud significatum sit
    • res extra animam,
    • sive sit vox,
    • sive intentio animae,
    • sive sit scriptum,
    • sive quodcumque aliud imaginabile;

    ita quod quandocumque subiectum vel praedicatum propositionis supponit pro suo significato, ita quod significative tenetur, semper est suppositio personalis. (...)

  • Suppositio simplex est quando terminus supponit pro intentione animae, sed non tenetur significative. (...)
  • Suppositio materialis est quando terminus non supponit significative, sed supponit
    • vel pro voce
    • vel pro scripto.

I, 70Einteilung der Arten personaler Supposition:

  • [Supposition personalis]
    • Suppositio discreta est in qua supponit nomen proprium alicuius vel pronomen demonstrativum significative sumptum; et talis suppositio reddit propositionem singularem sicut hic 'Sortes est homo' (...)
    • Suppositio personalis communis est quando terminus communis supponit, sicut hic 'homo currit', 'omnis homo est animal'. Suppositio personalis communis dividitur in suppositionem
      • cofusam et
      • determinatam. Suppositio determinata est quando contingit descendere per aliquam disiunctivam ad singularia; sicut bene sequitur 'homo currit, igitur iste homo currit, vel ille', et sic de singulis. Et ideo dicitur suppositio determinata quia per talem suppositionem denotatur quod talis propositio sit vera pro aliqua singulari determinata; (...) Est igitur regula certa, quod quando sub termino communi contingit descendere ad singulari infertur talis propositio, tunc ille terminus habet suppositionem personalem determinatam. (...)

      Suppositio personalis

      • confusa est omnis suppositio personalis termini communis, quae non est determinata. Et illa dividitur, quia quaedam est
        • suppositio confusa tantum et quaedam est
        • suppositio confusa et distributiva.

Ockham erläutert hier den Sinn der Suppositionstheorie, wie Boehner bemerkt, durch Beispiele gültiger Schlüsse. Arten der Supposition fungieren also als Bedingungen, unter denen geschlossen werden darf. Daß es hierbei vornehmlich um Schlüsse von allgemeinen auf Verbindungen singulärer Sätze geht, wird im folgenden noch deutlicher:

Suppositio personalis confusa tantum est [1] quando terminus communis supponit personaliter et [2] non contingit descendere ad singularia per disiunctivam, nulla variatione facta a parte alterius extremi, sed [3] per propositionem de disiuncto praedicato, et [4] contingit eam inferri ex quocumque singulari. Verbi gratia in ista 'omnis homo est animal', li animal supponit confuse tantum, (...) quia [2] non sequitur 'omnis homo est animal, igitur omnis homo est illud animal, vel omnis homo est illud animal' et sic de singulis. [3] Sed bene contingit descendere ad propositionem de disiuncto praedicato ex singularibus, quia bene sequitur 'omnis homo est animal, ergo omnis est hoc animal vel illud et sic de singulis. (...) [4] Et similiter ista infertur ex quolibet contento animalis, nam bene sequitur 'omnis homo est hoc animal', quocumque animali demonstrato, 'igitur omnis homo est animal'.

Suppositio confusa et distributiva est quando contingit aliquo modo descendere copulative, si habeat multa contenta ex nullo uno formaliter infertur. Sicut est in ista 'omnis homo est animal', cuius subiectum supponit confuse et distributive: sequitur enim 'omnis homo est animal, igitur iste homo est animal et ille homo est animal', et sic de singulis; et non sequitur formaliter 'iste homo est animal', quocumque demonstrato, 'igitur omnis homo est animal'.

Schließlich zerfällt die suppositio personalis confusa et distributiva in

  • suppositio confusa et distributiva mobilis, (...)
  • confusa et distributiva immobilis.

Immobilis wird ein confuse et distributive supponiernender Terminus durch Zusatz einer Ausnahmebedingung, etwa 'omnis homo praeter Sortem currit'.
Hiermit spielt die Suppositionslehre in die Universalienfrage hinüber: Ockham kann Regeln angeben, die es erlauben, von Sätzen, die universalia enthalten, auf solche zu schließen, die nur noch von (möglicherweise unendliche vielen) singularia handeln (Vgl. Prantl III p. 343f.). Dies verfolgt er aber nicht konsequent: Er stellt lediglich eine Implikationsbeziehung entsprechend dem dici de omni fest, nicht eine Äquivalenz. Letztere würde auch erst unendlich viele singularia erfordern.

Walter Burleigh

Den Gegensatz zwischen suppositio und significatio bei Burleigh stellt Boehner so dar:

Accordnig to Burleigh, a term signifies the universal or the concept of the mind, wherefore, in general, the universal is the significatum of a spoken or written term. The individuals or the supposita are not signified by the term, but are only the objects for which the term supposits without directly signifying them (p. 48).

Burleigh widerspricht explizit der Meinung Ockhams über das Verhältnis von Supposition zu Signifikation (Boehner p. 121, dort aber nicht aufschlußreich).
Boehner zitiert auch seine einleitende Bestimmung der Supposition (ohne Angabe auf p. 121):

Suppositio proprie dicta est proprietas termini subiecti ad praedicatum comparati. Et sumitur hic terminus pro quolibet indifferenter, quod potest esse extremum propositionis, sive sit terminus simplex sive aggregatum ex adiectivo et substantive, sive etiam sit compositum mediante copulatione vel disiunctione.

Walter teilt die Suppositionen zunächst in 'proper' und 'improper suppositions' ein (Boehner). Die suppositio propria gliedert sich weiter:

  • 'Suppositio materialis est, quando vox supponit pro seipsa vel pro alia voce quae non est inferior ad illam' (Boehner p. 121)
    • metasprachliche Anführung
    • daß-Sätze (accusativum cum infinitivum)
    • 'five subdivisions which can be omitted here' (Boehner p. 47)

  • formalis
    • simplex
      • absolut: '"Man is the most dignified of creatures" is true even [?] insofar as the subject has simple absolute supposition. (...) Thus, this proposition can be true: "Man is the most dignified of creatures", viz. in so far as the subject has simple [absolute ?] supposition.' (Boehner p. 48f.)
      • relativ: 'The classical example is: "Man is a species". The term "man" here stands for a universal in so far as it is predicable of or compared with all individuals of the species man' (p. 49, womit der Unterschied nicht klar wird.)

    • 'Quando terminus communis supponit pro suppositis vel terminus aggregatus supponit pro termino simplici de quo accidentaliter praedicatur, tunc habet suppositionem personalem' (Boehner p. 121f.)
      • (...)

Unter suppositio personalis folgt dasselbe wie bei Ockham.

Literatur

(Überblickswerke)



 
 
 
 
 
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