Next: SubstanzenUp: Denken Previous: (3) Ich habe
in diesem Kapitel zunächst das Anliegen der
Meditationenbetont, die Unsterblichkeit der menschlichen
Seele zu zeigen. Dies kann nur dann eines der Ziele der cartesischen
Philosophie sein, wenn der Geist, vondem in den
Meditationen
die Rede ist, nicht mit dem Psychischen am lebenden Menschen
zusammenfällt. Daher geht es Descartes darum, die Existenz eines
Geistes zu zeigen, der nicht notwendig ,lebt`. Die Betrachtung des
Textes der zweiten Meditation hat ergeben, dass hier tatsächlich
nicht die menschliche Psyche, sondern ein unkörperlicher Geist im
engeren Sinne behandelt wird.In einem zweiten Durchgang habe ich diese
Feststellung mit einem anderen Anliegen der
Meditationen, der
Begründung sicheren Wissens, in Verbindung
gebracht. Außerdem habe ich darauf hingewiesen, dass die
cartesische Behauptung der Unkörperlichkeit des Geistes
wahrscheinlich als eine Einschränkung gegenüber einer
durchgängig materialistischen oder Betrachtungsweise zu verstehen
ist, die auch Descartes nicht ganz fern lag. Ebenso habe ich gezeigt,
dass Descartes zwischen Nutzen und Recht in ähnlicher Weise
unterscheidet, wie zwischen Körperlichem und Geistigem. Den
Bewusstseinsbegriff habe ich drittens anhand des Begriffs der
Gewissenhaftigkeit erläutert. Die Suche nach Sicherheit, die
Orientierung am Rechten und die Gewissenhaftigkeit des Handelns bilden
insgesamt einen engen Zusammenhang. Die Suche nach dem letzten
Fundamentstellt sich damit als die Suche nach einer möglichen
gewissenhaften Orientierung an Standards der Korrektheit heraus. Das
meditierende
ego erscheint daher weniger als ein empirisch
beschreibbares Ich oder eine Psyche. Es ist vielmehr als bewusst
Handelndes, insofern es sich derart normativ orientiert, zu
verstehen. Ich werde diesen Gedankengang in Kapitel
5 weiterführen.
Next: SubstanzenUp: Denken Previous: (3)