Next: ZusammenfassungUp: Geometrie und
Naturwissenschaft Previous: (2) Im Gegensatz zu den
Ausdehnungseigenschaften, die sich mühelos beliebig kombinieren
lassen, gestaltet sich drittens das Definieren von und mit
Denktätigkeiten schwieriger. Alle Eigenschaften von Punkten,
Linien und Flächen können nach Euklids Definitionen als
bekannt gelten. Außerdem sind alle diese Eigenschaften Formen
der Ausdehnung: Teile zu haben, Länge oder Breite zu
haben. Anhand dieser bekannten und einfachen Eigenschaften
können schrittweise komplexe Figuren, wie Dreiecke und Tetraeder
definiert werden.
Diese Strenge konnte Descartes im
Anhang zu den zweiten Erwiderungen, der ebenfalls mit Definitionen
beginnt, nicht wahren. In der ersten Definition, der von
cogitatio, ist die Rede von ,allem, was in uns ist`. Es ist
aber bereits weder klar, was alles in uns sein kann, noch wer wir
sind. Das Problem entsteht dadurch, dass Descartes die
cogitatio im Allgemeinen überhaupt zu definieren
versucht, während Euklid die Klasse der
Ausdehnungseigenschaften, Länge, Breite, Teilbarkeit
etc. voraussetzen konnte. Was es heißt, zu zweifeln, kann nicht
durch das Denken im Allgemeinen erklärt werden. Im Gegenteil, in
die Definition der Denktätigkeit (
cogitatio) gehen wir,
die Denkenden ein, und um zu erläutern, wer wir als rein
Denkende sind, müssen wir den cartesischen Zweifel
vollziehen. Denken ist also nicht nur keine Eigenschaft eines
ausgedehnten Dinges, sondern eine subtilere Eigenschaft als die
Ausgedehntheit. Was eine Denktätigkeit ist, ist zwar jedem
Denkenden irgendwie bekannt, aber die Eigenschaften von denkenden
Wesen lassen sich nicht ebenso zergliedern und zusammensetzen wie die
Eigenschaften ausgedehnter Dinge. Das hängt unmittelbar damit
zusammen, dass das Denken keine
Ausdehnungseigenschaft
ist. Es lässt sich nicht zerteilen und zusammensetzen.
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