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Descartes erwidert hier Kritik, die Leser des Discours de la Methode an seinem Beweisgang fomuliert haben. Beide Kritikpunkte sind auch für den heutigen Leser zentral.

Ob das Subjekt des Zweifels nicht eigentlich mehr sei als nur Denkendes. Hinsichtlich der Wahrheit der Sache, schreibt Descartes, sei durchaus möglich, daß sich das Subjekt des Zweifelns nicht allein als denkende Substanz begreifen lasse (in ordine ad ipsam rei veritatem AT VII 8,6). Was er aber habe aufzeigen wollen, sei die Natur des zweifelnden Subjekts hinsichtlich seines Erfassens (in ordine ad meam perceptionem AT VII 8,8). Damit unterscheidet Descartes offenbar eine Erkenntnis gemäß sachlicher Wahrheit von einer solchen gemäß dem eigenen Empfinden. Dieses Empfinden ist deswegen nicht als ein bloß subjektives aufzufassen, weil Descartes ja gerade diesen Weg einzuschlagen angekündigt hat: er will den Leser der Meditationen dadurch von der Wahrheit überzeugen, daß er ihn auffordert, Denkhandlungen zu vollbringen. Was sich in diesen Denkhandlungen zeigt, hat Beweiskraft über Descartes' eigenes Empfinden hinaus. Dem Denken wird es notwendig, von einer nur denkenden Sache seinen Ausgang anzunehmen. Dies zwingt sich dann dem Denken auf, wenn es sich in erster Person vollzieht. Was Descartes damit ausdrücklich nicht leistet, ist der Aufweis einer Wahrheit, die auch aus der Perspektive Außenstehender Dritter einsichtig ist.

Ob aus meiner Idee eines vollkomensten Wesen ohne weiteres dessen Existenz folge. Diesem Einwand begegnet Descartes mit der Unterscheidung zwischen Ideen qua Objekten eines Betrachtens und Ideen qua Vorstellungen eines Gegenstandes selbst. Materialiter lassen sich Ideen als Operationen meines Intellekts betrachten (materialiter, pro operatione intellectûs AT VII 8,21). In dieser Weise können sie selbst gegenstand einer Betrachtung werden, dann aber folgt aus dem Haben einer Idee Gottes nicht die Existenz Gottes. Im Zuge der Vorstellung von etwas durch eine Idee treten die Ideen aber selbst nicht als Gegenstand in Erscheinung (Heidegger, Zollikoner Seminare). Was in einer Idee erscheint, ist ihr Sachgehalt, und dieser ist unmittelbar Gegenstand des Denkens. Eine Idee qua Vorstellung einer Sache zu haben, ist wiederum Privileg der ersten Person, derjenigen Person, der die Idee etwas vorstellt. Der Vorstellungscharakter einer Idee kann nicht materialiter an ihr identifiziert werden. Was Descartes damit als die realitas obiectiva einer Idee bezeichnet, weist zwar Züge eines intentionalen Gegenstandes auf (Cronin), aber es ist lehrreich, genauer zu sehen, welche Unterscheidung Descartes an dieser Stelle bezweckt. Eine Idee zeigt sich nicht selbst, indem sie ihren Sachgehalt (realitas obiectiva) vorstellt. Ihren Sachgehalt stellt eine Idee aber ausschließlich dem vor, der sie gerade hat. Demjenigen, der eine Idee hat, tritt diese nicht zugleich als Modus seines Denkens gegenüber. Die objektive Idee ist also das eigentlich Private an einer Idee, das, was sich bei einem Blick von außen nicht mehr zeigt. Aus diesem Privaten allein kann sich die Denknotwendigkeit ergeben, die die Existenz Gottes beweisen soll.


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