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Andreas Dorschel, Emotion und Leib, Philosophia Naturalis 36/1, 1999, 35-52. Emotionen gehen mit eindeutig leiblichen Erscheinungen einher, darin aber einen Beleg dafür zu sehen, ... solches Reagieren sei eben darum des Denkens bar oder ihm zuwider, liegt ein Stück uneingestandener Metaphysik, ein verborgener Cartesianismus zugrunde (p. 35). Zu James' These, Emotionen seien nichts weiter als 'Wahrnehmungen körperlicher Zustände' (p. 39):Die Zustände, die laut James als Emotion erfahren werden, beschreibt dieser bereits im Vokabular einer Folk Psychology. Das heißt, was hier erfahren wird, sind bereits keine rein körperlichen Zustände mehr. Diese [sprachliche Artikulation] ist dann nicht ein Symptom der Emotion, sondern ihr eigener und eigentümlicher Ausdruck; und die Tränen des Sehnsüchtigen sagen 'mehr als tausend Worte' nur wenn, weil und insofern man den Inhalt seiner Emotionen, der ohne Sprache nicht zu erfassen wäre, verstanden hat (p. 41). Wie Dorschel James zitiert, behauptet dieser, es würden
Dorschel kritisiert: Wenn Emotionen nichts weiter seien als der Ausdruck körperlicher Zustände, dann sei es widersprüchlich zu sagen, diese körperlichen Zustände drückten Emotionen aus, bevor sie wahrgenommen würden. Es kann aber leicht unterschieden werden:
Begrifflich gehen also die Emotionen den
körperlichen Zuständen voraus, zeitlich umgekehrt. William
James will hier aber eine empirisch-psychologische These formulieren:
Daß Emotionen bestimmte Modi der Körperbeobachtung seien,
und daher zwischen dem sozial-psychologischen (oder narrativen) und
dem körperlich-physikalisch stehen. Richtig ist allerdings Dorschels Skepsis angebracht, was die AUsschließlichkeit dieses Zusammenhangs angeht. Emotionen korrelieren nicht eindeutig mit körperlichen Vorgängen. Weder zieht ein und derselbe Vorgang im eigenen Leib stets dieselbe Empfindung nach sich, noch muß eine Empfindung derselben Art stets mit einem körperlichen Vorgang derselben Art zusmannehängen. Die Vokabulare decken sich nicht, und es gibt wenig Grund, sie aneinander angleichen zu wollen. Selbst wenn nachgewiesen wäre, daß die Drüsen reuiger Individuen stärker sekretieren als die dankbarer Individuen, folgte daraus nicht, daß die Reue eine durch diese Sekretion hervorgerufene Eigenschaft ist (p. 46). Andreas Dorschel, Emotion und Verstand, Philosophisches Jahrbuch, 106/1, 1999, 18-40.
Emotionen beruhen, psychologisch gesprochen, auf Überzeugungen. Sie setzen, logisch gesprochen, bestimmte Urteile, korrekte oder inkorrekte, darüber voraus, welche Eigenschaften etwas besitzt (p. 19). Überzeugungen gehen also nicht notwendig Emotionen voraus. Wer aber eine Emotion als bewußte hat, muß bereit sein, Überzeugungen anzunehmen, die der Beschreibung des Seelenzustandes als Emotion logisch vorausgehen. Unmißverständlicher ist freilich die Formulierung, eine Emotion impliziere immer eine für sie charakteristische Überzeugung (p. 22). Das heißt, Emotionen sind immer auch Dispositionen zu bestimmten Überzeugungen (Ryle) und Wünschen (p. 32). Emotionen werden naturgemäß mit Sitautionseinschätzungen des Subjekts in verbindung gebracht, weniger mit objektiven Fakten (p. 25). Solche Einschätzungen haben die Form einer logischen Bedingung der Emotion als so-und-so beschriebener (p. 27). Es wäre also ein leicht vermeidliches Mißverständnis, wollte man die Rede von der Unfehlbarkeit der Emotionen oder gar die von der First Person Authority als Beleg dafür nehmen, die einer Emotion zugrundeliegenden Überzeugungen seien stets wahr. Mit der Rede von der Rationalität ist nur gemeint, diese haben die Möglichkeit, rational oder irrational zu sein. Emotionen sind nicht Arational (p. 34). Daß Emotionen stets Überzeugungen implizieren, bedeutet nicht, daß das Haben von Emotionen immer auch das Haben der entsprechenden Überzeugungen ist. Im Gegenteil bietet sich hier nur überhaupt die Möglichkeit, seine Emotionen zu interpretieren, oder sich überhaupt Emotionen einzugestehen. Wer mit seinen Emotionen bewußt umgeht, zielt auf die Verschiedenen Möglichkeiten, sie gewinnbringend als diese oder jene Emotionenen zu beschreiben. Ihren Gehalt und ihre Bedeutung gewinne Emotionen erst dadurch, daß sie Überzeugungen implizieren. Dahinter verbirgt sich keine empirische Einsicht. Im Gegenteil liegt der Rede von den Überzeugungen, die eine Enotion als solche impliziere ein Vorschlag zugrunde: Man nenne das, was nach Eingeständnis einer Emotion auf das weitere Handeln wirken kann, als Überzeugung. Eine spezielle Handlung, zu der uns die Auseinandersetzung mit unseren Emotionen führen kann, ist eben, die entsprechenden Überzeugung auszusprechen, aber praktisch wichtiger sind wohl meist andere Folgehandlungen. Ausdrücke wie 'Urteil', 'Einschätzung' oder 'Bewertung' können irreführen, sofern sie nahelegen, daß die bewußte Formulierung eines Urteils eingeschlossen ist (p. 36). Dorschel
unterscheidet hier 'Denken überhaupt' und
'Nachdenken'. Nachdenken besteht in der bewußten
Rationalisierung post hoc, 'Denken' bezeichnet nur die
prinzipielle Möglichkeit solcher Rationalisierung. Denkendes
Handeln stellt die Möglichkeit des Nachdenkens darüber erst
in Aussicht, in dem es in der Form der Verantwortlichkeit geschieht (vgl. Ryle p. 111: 'Thinking' zu übersetzen mit:
'acting more or less carefully, critically, consistently and
purposefully', und Ryle p. 137.). |
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