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David H. Finkelstein, On the Distinction between Conscious and Unconscious States of Mind, American Philosophical Quarterly 36, 1999, 79-100.

My aim in what follows is to explain what it is that distinguishes an unconscious state of mind from a conscious one (p. 79).

Dabei will Finkelstein einen Sprachgebrauch erläutern, den sich auch Freud schon als etablierten nutzbar gemacht hat (p. 80). Er diskutiert Rorty's Adaption der Freudschen Grundidee eines Mehrpersonenmodells (p. 84f.). Demgemäß ist das Bewußte wie auch das Unbewußte als ein mehr oder weniger kohärentes Netz von Überzeugungen anzusehen (Davidson, Mental Events). Das Modell versagt aber an zwei Stellen: das Bewußte verliert seine Auszeichnung gegenüber dem anderen Netz von Überzeugungen, und das Verhältnis der beiden Bereiche wird als bloße Interaktion gedeutet, ist aber weit subtiler. Beispielsweise darf das Unbewußte auch in sich inkohärent sein. Auch kann es einer Therapie nicht darum gehen, das Unbewußte 'kennenzulernen', sondern es in das Bewußte zu integrieren (p. 87).

Finkelstein stellt drei Forderungen:

  1. An account of the distinction between conscious and unconscious mentality should respect the difference between:
    • someone's consciouslly believing or being consciously afraid, i.e. a belief or fear's being conscious, rather than unconscious; and
    • someone's being conscious of her own belief or fear, i.e. conscious that she believes or fears such-and-such (p. 81).

  2. An account of the distinction between conscious and unconscious menatlity should help us to understand what it is for an unconscious mental state to become conscious (p. 88). Beispielhaft fehlbeantwortet durch Goleman, p. 80: In dem Moment, da eine Emotion ins Bewußtsein dringt, wird sie im frontalen Kortex registriert.
  3. An account of the distinction between conscious and unconscious mentality should represent my unconscious mental states as my mental states (p. 89).

Etwas unbewußt zu glauben, heißt also gerade nicht es zu glauben (p. 80). Etwas in voller erster Person zu behaupten schließt das Haben eines unbewußten Glaubens ebendiesen Inhalts aus (p. 82). Finkelstein nennt dies 'the inversion' von Moore's Paradox: 'Eroom's paradox' (p. 82, siehe etwa G. E. Moore, Russell's 'Theory of Descriptions', in The Philosophy of Bertrand Russell, The Library of Living Philosophers, La Salle, Illinois, 1989, p. 204. Vgl. Finkelstein p. 88).

Eroom's Paradox indicates that our statements about the world and our self-ascriptions of unconscious beliefs come apart in a particular way. (...) We are characterizing (...) a certain kind of rupture in the way that a person's beliefs (...) and his self-ascriptions of belief ordinarily hang together (p. 82f.)

Insofern das Selbstzugeschriebene in den Bereich fällt, für den man bereit ist, Verantwortlichkeit zu übernehmen, und alles andere tendenziell in die Sphäre der Außenwelt, dient das Konzept des Unbewußten als ein Zwischending. Wenn wir etwas als unser eigenes Motiv erkennen, aber aus Konsistenzgründen nicht die Verantwortung dafür übenehmen können, schreiben wir es unserem Umbewußten zu. Unbewußte Motive sind so zwar in unserer Verantwortung, aber dem Begriff nach nur mittelbar, so wie unser Charakter. Der Bereich des Verantwortbaren fät hier nicht mit dem des eindeutig Zuschriebbaren, der Intention, zusammen.

I do seem to be responsible, at least to some degree, when I act an my unconscious desires (p. 88).

Die Unterscheidung zwischen Bewußten und Unbewußten Intentionen wird virulent, wenn sich Widersprüche im Verhalten eines Handelnden sich nicht allein dadurch auflösen lassen, daß sie als solche eingesehen werden. Finkel spricht von

... a person with certain mental states that are rationally cut off from certain other mental states (p. 91).

Der Handelnde kann dann die Gesamtheit seiner Verhaltungen nicht mehr ohne weiteres einem idealen Selbst zuschreiben. Zum Unbewußten wird dann naturgemäß das weniger vernünftig scheinende.

Although mental state self-ascriptions typically express that which they are ascriptions of, they don't always (p. 92).

Es gibt eine Weise, sich selbst mentale Zustände zuzuschreiben, ohne diese ihrem Inhalt nach auch zum Ausdruck zu bringen, d.h. ohne für ihren Inhalt unmittelbar verantwortlich zu zeichnen.

Eine Auffälligkeit bleibt hier: unbewußte Zustände können nicht einfach unvereinbar mit dem sonstigen Verhalten einer Person sein, denn sonst könnte niemand eine Kenntnis von ihnen haben. Gerade das Postulieren von Unbewußtem beruht auf einer speziellen Rationalisierungsleistung: Verhalten wird dann gerade durch Rekurs auf unbewußte Motive rationalisiert. Der rationale Zusammenhang besteht also wenigstens zwischen dem unbewußten und den dadurch erklärbaren Regungen. Allerdings ist Unbewußtes nicht stets mit anderen unbewußten oder beliebigen Zuständen vereinbar.

In welchem Sinne können unbewußte Absichten dennoch einer Person zugeschrieben werden? Die Fremdbeschreibung einer handelnden kann nicht ohne weiteres zwischen ihren bewußten und unbewußten Absichten unterscheiden. Um diese Unterscheidung zu ziehen, muß der Fremdbeobachter sich teilweise nach der aufrichtigen Selbstbeschreibung der Handelnden richten und seine eigenen Kohärenzmaßstäbe anlegen.

Our actions must hang together rationally with our beliefs and desires. (...) If we are to see a thing as a person, we must view it s having beliefs, desires, and actions that hang together rationally (p. 91).

Ob etwas ein unbewußtes Motiv ist oder nicht, kann also nicht an der Selbsteinschätzung der betreffenden Person vorbei entschieden werden. Außerdem spricht einiges für folgende Forderung:

Jeder unbewußte Zustand muß eine Entstehungsgeschichte haben können, innerhalb derer er bewußt war, oder bewußt hätte werden können.

Solange ein Handelnder handelt, haben in alle seine Motive in diesem Sinne denselben Status. Erst indem der Handelnde sich nach gewissen Vorgaben und Entwürfen als eine bestimmte Person in seinem Handeln wiederfinden will, bekommen einige der Motivkandidaten den Vorzug, die anderen verschwinden entweder oder verbleiben andernfalls als unbewußte. Es wäre dann also nichts unbewußt, was nicht wenigstens an der Schwelle zum Bewußt-sein gestanden hätte.

Our actions are said to express the beliefs and desires that rationalize them (p. 91f.).

Die Relation des Zusammenhängens von Handlungen, belief und desire benennen wir, indem wir von Handlungen als Ausdruck eines belief oder desire sprechen.

The relation that (...) obtains between reasons and actions is a special case of what we might think of as a more general internal relation - a hanging-together relation - that obtains between mental states and behaviour. The word 'expression' picks out this more generic internal relation (p. 92).

Zu 'expression' siehe auch Dorschel.

It's a defining characteristic of our mental states that we lack the ability to express them simply by self-ascribing them (p. 92).
Someone's mental state is conscious if she has an ability to express it simply by self-ascribing it. If she lacks such an ability with respect to one of her mental states, it is unconscious (p. 93).

Wie können unbewußte Zustände bewußt werden?

On my account, an unconscious mental state becomes conscious when a person who was once unable to express her mental state by self-ascribing it gains the ability to do so (p. 97).

Daran schließt sich naturgemäß die Frage an:

Wie kommt es zu einer Unfähigkeit, durch Selbstzuschreibung eines Zustandes diesem auch Ausdruck zu geben? Ausdruck zu geben geschieht vor einem, wenn auch imaginären Publikum. Der Ausdruck scheitert an den Standards, die bestimmen, was dieses Publikum akzeptiert und hören will. Mit der Aussage, eine Person gewinne die Fähigkeit, durch Zuschreibung auszudrücken, ist entsprechend wenig gesagt. Gerade worin diese Fähigkeit besteht, bleibt erläuterungsbedürftig in Finkelmanns Fazit:
To have ab unconscious mental state is not essentially a matter of being ignorant of something; it's a matter of being unable to do something - of being unable to express one's state of mind in a particular way (p. 97).

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