Loading...  
 cv & info   publications   classes   links   

Dominik Perler, Repräsentation bei Descartes, Frankfurt 1996.

Descartes Standpunkt sei:

Das Bezugsobjekt von 'ich' ist der Geist, eine vom Körper distinkte Substanz [1]. Der Geist vollzieht Aktivitäten, indem er repräsentierende Entitäten - sogenannte Ideen - bildet [2]. Je nach Objekt, das diese Ideen repräsentieren, werden sie auf der Grundlage einer Sinneswahrnehmung, einer bloßen Vorstellung oder eines rein geistigen Erfassens gebildet. Die Ideen existieren zwar ausschließlich im Geist [3], doch sie vergegenwärtigen die einfachen und komplexen Objekte genau so, wie sie außerhalb des Geistes existieren [4].

Dagegen ist einzuwenden:

  1. In den ersten drei Meditation bedeutet 'ich' dasselbe wie 'mens' oder 'anima in statu separata'. Andernorts (z.B. 6. Med.) ist mit 'ich' selbstverständlich der ganze Mensch gemeint.
  2. Genauer sind die Ideen die Formen, die der Geist annimmt (percipit).
  3. Der Geist nimmt Ideen nicht in sich auf, sondern formt sich durch sie; sie sind nur qua Modus des Geistes 'in' ihm.
  4. Ideen bilden die Realität ausdrücklich nicht so ab, wie sie ist (Traité de l'homme; Med. 3). Dies sieht Perler später selbst.

Ktitik an der Ideentheorie:

  • Verdopplung der Entitäten in (unbekannte) Dinge und (bekannte) Ideen ihrer,
  • Solipsismus durch Primat der Ideen.

Drei Bedeutungen von 'Idee' bei Descartes:

  • körperliche Bilder
  • geistige Fähigkeiten
  • geistige Akte mit einem Inhalt (p. 46)

Allgemein lassen sich cartesische Ideen als 'geistige Akte, die auf Gegenstände gerichtet sind' charakterisieren (78).

objektive Realität

Ein und derselbe Gegenstand hat einen realen Seinsmodus [modus essendi, AT VII 41,42,103], wenn er als außergeistiger Gegenstand betrachtet wird, und einen objektiven Seinsmodus, wenn er als repräsentierter Gegenstand betrachtet wird (p. 84).

Dazu unterscheidet Perler noch zwischen wirklicher und möglicher Existenz (p. 86). Das möglich existierende x, das obiective repräsentiert wird, entspricht dem 'Wesen' von x.

Dazu ist kein Abbild und kein geistiger Quasi-Gegenstand erforderlich, denn x selbst wird zum Objekt des Intellekts gemacht. Allerings wird nicht das wirklich existierende x zum Objekt des Geistes gemacht, sondern nur das Wesen von x (p. 95).
Man darf hier keine voreiligen ontologischen Schlüsse ziehen. In der Cartesischen Ontologie gibt es neben den geistigen Substanzen und ihren Modi keinen Platz für besondere geistige Entitäten (p. 97).
Wir dürfen auch nicht vorschnell annehmen, jeder Denkakt habe ein Wesen zum Inhalt, das in einem existierenden Gegenstand manifest ist (p. 99).

Aber wenn Perler schon so genau sein will: was ist denn ein nichtexistierender Gegenstand, und was dessen Wesen?
Perler unterscheidet (p. 119):

  • Geist-Idee: in-esse Relation (wohl wie die eines Prädikats in einem Subjekt),
  • Geist-Objekt: ad-esse Relation (intentional)

mail