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Rainer Specht, Commercium mentis et corporis, Über Kausalvorstellungen im Cartesianismus, Stuttgart - Bad Cannstadt 1966.

Engellehre

fährt (...) ein Engel in einen Körper, so kann er allein seine forma assistens und damit sein äßerer Beweger sein (p. 13, vgl. Suarez, De Angelis c. 33, n. 2).

Was bei Descartes zur Regel werden soll, hat, ähnlich wie die Aufgabe substatieller Formen (Abendmahl), seinen Vorläfer in einer Ausnamhe, die die Theologie macht. Der Geist eines Engels kann nicht Form seines Körpers sein, sondern bloß äußerliches, bewegendes Prinzip.

Da Engel keine substantiellen Formen sind, können sie nur aufgrund von Wirkursächlichkeit und nicht aufgrund von Formursächlichkeit Leiber annehmen (p. 14).

Daher sind die Bewegungen der von Engeln angenommenen Körper streng mechanistisch erklärbar. Der Leib eines Engels ist so etwas wie ein Automat zur Vorspiegelung vegetativer Abläufe (p. 17). Descartes übernimmt die These der mechanistischen Erklärbarkeit, fordert aber, die Vereinigung von menschlicher Seele und Körper enger zu denken. Bestimmte Seelenvermögen können ohne den Körper nicht funtkionieren, sie sind quasi körperlich. Engel dagegen stehen ihrem angenommenen Körper als einem fremden gegenüber.
Der Unterschied beruht darin, daß Engel Schöpfer ihres Körpers sind, ihn willkürlich hervorbringen. In ihnen findet auch kein Kanpf der Leidenschaften gegen den Willen statt. Der Mensch dagegen kann streng genommen nicht einmal die Bewegung seines Körper erzeugen, sondern bestenfalls veranlassen und bewerten (determinieren).

Anima Separata

Die Schwierigkeit der cartesischen Vereinigungslehre besteht nun darin, daß man den menschlichen Geist (...) zugleich mit dem Körper vereinigt und von ihm getrennt denken muß (p. 61).

Die Vereinigung wird durch alltägliche Erfahreung eingesehen, die Trennung durch Meditation. Specht spricht (übertreibend) von der

These, man könne die Einheit der beiden SUbstanzen nur denken, wenn man sich des Philosophierens enthalte (p. 63).

Er bringt diese Ebenen, die er noch derart trennte, nun in Verbindung. In der Psychologie werde der Geist, der in den Medtitationen gewonnen wurde, als in einem Körper vorfindlich und mit ihm verwachsen vorgestellt. Das bringt das Problem mit sich, wie und wieso denn ein prinzipiell trennbares mit dem K&oumLrper vereinigt sein müsse. Specht sieht nicht, daß Descartes zwei Redeweisen von der Seele auch weiterhin unterscheidet:

  1. Seele, so wie sie nach dem Tode des Menschen weiterexistieren kann,
  2. menschliche Seele.

Dabei muß klar sein, daß streng genommen nicht die menschliche Seele nach dem Tod weiterlebt. Die Seele nach dem Tod verfügt nicht mehr über EInbildungskraft oder Sinne. Sie kann nur noch denken, und zwar ohne Inhalt. Was ihr bleibt, ist nur die objektive Realität ihrer Ideen, aber jegliche Erfahrung fehlt. Die Seele, um deren Fortbestand es in den Meditationen geht, ist nicht mit der menschlichen Seele identisch, sondern sie gleicht eher der eines unvollkommenen Engels. Specht geht hierüber hinweg, in dem er einen eklatant selbstwidersprüchlichen Satz formuliert:

Darüber hinaus kann eine scholastische anima separata ebenso wie ein Engel nicht mittels eines Körpers erkennen, die cartesische âme separée du corps dagegen kann es (p. 62).

Die âme separée du corps kann, als getrennte, selbstredend nicht mittels des Körpers erkennen. Descartes hatte geschrieben:

non esse puras cogitationes mentis a corpore distnctae, sed confusas illius realiter unitae perceptiones (AT III 493).

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