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Wilfrid Sellars, Science and Metaphysics. Variations on Kantian Themes, Ridgview Publishing Company, Atascadero, California [1967] 1992.

Kap. 3: The Conceptual and The Real: Intentionality

If we admit one content 'in' many representings, why not admit one attribute 'in' many things: platonism for things as well as platonism for thoughts? (p. 62)

Sellars möchte sagen: Der Inhalt F von Gedanken und Sprechakten korrespondiert einem Attribut F' von Dingen; wobei F und F' nicht dasselbe Attribut sind, sondern counterparts. Sowohl Dinge als auch Gedanken und Sprechakte kommen in der Welt vor, und sie lassen sich in entsprechender Weise in Äquivalenzklassen aufteilen: die Sprech- und Denkakte, die F bezeichnen, und die Dinge, die F' sind (beachte zu "Sprech- und Denkakte" p. 74: "it would be a radical mistake to construe mental acts as actions").
Sellars parallelisiert also:

  1. F-artige Repräsentationen ("an (of a red rectangle) impression", p. 69),
  2. F'-artiges Repräsentiertes.

Rylean community

Sellars setzt daraufhin zu einer Beschreibung eines mythischen Naturzustandes an. In einer primitiven Gemeinschaft, die er "Rylean" nennt, werden alle Denkakte unwillkürlich ausgesprochen. "Perceptual takings" (taking something to be something) sind hier immer "takings-out-loud" (analog zu "thinking out loud"). Diese Äußerungen werden nicht notwendig anhand von Regeln produziert, aber es gibt Regeln der Kritik solcher Äußerungen (was Sellars p. 75f. in einer allgemeinen Nebenbemerkung betiont: linguistische Regeln sind nicht in erster Linie Regeln zur Erzeugung linguistischer Gebilde. Vgl. p. 111). Diese Erzählung wird erst in Kap. 6 wirklich weitergeführt.

Dot-quotes

  1. Anführungszeichen erzeugen Nominalphrasen (p. 79). Der Ausdruck "F" (inklusive der Anführungszeichen) ist nie ein Prädikat oder Satz, sondern immer ein Ausdruck, der für einen Ausdruck steht; also die Funktion einer Nominalphrase hat.
  2. Die Ausdrücke innerhalb der Anführungszeichen sind nicht notwendig Abbilder des durch den ganzen Ausdruck bezeichneten (p. 79). Man kann z.B. sagen, jemand habe "Nein" gesagt, auch wenn er eigentlich "Nö" gesagt hat.
  3. Ein Ausdruck der Form "F" (inkluive Anführungszeichen) bezeichnet das, was mehr oder weniger genau dieselbe Funktion hat wie F (ohne Anführungszeichen gebraucht) (p. 80).

Auf dieser Grundlage führt Sellars generalisierte Anführungszeichen ein (dot-quotes). Dot-quotes bezeichnen alle Ausdrücke, die in irgendeiner Sprache dieselbe Funktion haben wie ein in den dot-quotes angeführtes paradigmatisches Beispiel. "Nicht", "non", "niet" etc. sind also .not.s; "weiß", "white", "bianca" sind .blanche.s; "Autsch", "Ai", and "ouch" sind .Aua.s; etc.

In einem weiteren Schritt bildet Sellars aus dot-quotations distributive singuläre Terme (siehe auch p. 94 und 129). Im Prinzip kann man zu jeder Nominalphrase einen solchen Term einführen. Man kann von "Löwe" übergehen zu "der (generische) Löwe"; wobei letztere Phrase keinen bestimmten Löwen bezeichnet, sondern allgmein und distributiv jedes Tier, das als Löwe bezeichnet werden kann (Vgl. Sellars, Abstract Entities). Wenn Anführungszeichen Nominalphrasen bilden, kann man aus ihrem Resultat auch distributive singuläre Terme bilden. Also etwa "the "red"", um generisch alle Terme zu bezeichnen, die mit "red" bezeichnet werden können. In derselben Weise kann man distributive singuläre Terme aus dot-quotations bilden.

  • .red. = ein Ausdruck, der jeden der folgenden Ausdrücke bezeichnen kann: rot, rouge, red, ...
  • the .red. = ein Ausdruck, der generisch für einen Ausdruck steht, der ein .red. ist.

In einigen Fällen sind aus dot-quotes gebildete distributive singuläre Ausdrücke gleichbedeutend mit gebräuchlichen Bezeichnungen. Z.B. bedeutet "the .not." dasselbe wie "Negation", und "the .a*a + b*b = c*c." ist gleichbedeutend mit "Satz des Pythagoras".

The operation of dot quoting is unperscipuously performed in English by such suffixes as '-ity', '-hood' and '-ness', and the word 'that'. (p. 96)

Dot-quotations bezeichnen Klassen funktional äquivalenter Ausdrücke; sie bringen also zum Ausdruck, was mehreren Ausdrücken gemeinsam ist ("one in many").

Sellars kann auf dieser Grundlage folgende These formulieren:

Aussagen über die Bedeutung eines sprachlichen Ausdruckes sind eigentlich Aussagen über darüber, welcher Art von Ausdrücken er angehört.

Zum Beispiel kann man erklären, was "not" bedeutet, indem man sagt, dass "not" ein .nicht. ist; ebenso wie man sagt dass ein Berglöwe ein Säugetier ist. Dass "not" ein .nicht. ist, ist also eine klassifikatorische Aussage, und wenn wir die Bedeutung eines Ausdruckes angeben, klasssifizieren wir diesen Ausdruck als einen Ausdruck der und der Art. Siehe p. 81-82 und 166; vgl. p. 127 und 159.

According to this reconstruction, statements of the surface form
(the) '---' (in L) stands for (abstract singular term)
are classificatory in nature, and have, from a more searching point of view, the form
'...'s (in L) are .---.s
(p. 82)

Siehe Sellars, Notes on Intentionality, in Philosophical Perspectives.Vgl. p. 166: "stands for" und "represents" sind "specialized forms of the copula".

Siehe allg.:

  • Sellars, Mind, Meaning, and Behavior, Philosophical Studies 3 (1952), 83-95.
  • Sellars, Some Reflections on Language Games, Philosophy of Science 21 (1954), 204-228 (auch in Science, Perception, and Reality).
  • Sellars, Naming and Saying, Philosophy of Science 29 (1962), 7-26 (auch in Science, Perception, and Reality).
  • Sellars, Truth and Correspondence, Journal of Philosophy 59 (1962), 29-52 (auch in Science, Perception, and Reality).
  • Sellars, Notes on Intentionality, Journal of Philosophy 61 (1964), 29-52 (auch in Philosophical Perspectives).
  • Sellars, Mental Events, Philosophical Studies 39 (1981), 325-345.
  • Sellars, Meaning as Functional Classification, Synthese 27 (1974), 417-437.
  • Jay Rosenberg, Linguistic Representation. Dordrecht: Reidel 1974.

Nun gibt es auch Sätze, in denen wir Ausdrücken einen Gegenstand zuordnen, den sie bezeichnen; und diese hängen in komplexerer Weise mit Klassifiaktionsaussagen zusammen. "Denotes" hat (in Sellars' Terminologie) nicht dieselbe Funktion wie "stands for".

... we can explicate
'Man' (in E) denotes featherless bipeds
as
For some S, 'rational animal' (in E) stands for S, and S is materially equivalent to .featherless biped. .
(p. 84-85)

("Materially equivalent" im Gegensatz zu "funcionally equivalent".) In "denotes"-Sätzen geben wir die Extension eines Ausdrucks an; in "stands for"-Sätzen die Intension. Sellars schlägt also vor, die Extension anhand der Intension zu definieren.

Auf dieser Grundlage kann Sellars schließlich genauer sagen, was ein representing ist: Ein representing of A ist ein Gedanke, der für das (generische) .A. steht (p. 87).

-> Science and Metaphysics, Kap. 4.

-> Science and Metaphysics, Inhaltsverzeichnis.


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